Diese Ausstellung wirkt irgendwie tierfreundlich. In einem Glaskasten sind reihenweise Radiergummis aufgespießt. Nicht minder beeindruckend und zudem nachhaltig ersetzen sie, so scheint es, vom Aussterben bedrohte Schmetterlinge. Des Weiteren hängen und stehen derzeit im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg: ein Haifisch aus Fahrradreflektoren, eine Zebrabüste aus Karton und ein "Gockel" aus Holzintarsien.
Thomas Thalhammer, Renato Rill, Eva Czerwenka und Clemens Söllner stecken hinter diesen Arbeiten. Die vier Künstler zeigen gleichsam exemplarisch eine Weiterentwicklung innerhalb der "Großen Ostbayerischen Kunstausstellung". Eben dort sind die innovativen Objekte nämlich derzeit zu sehen.
Ludwig Bäuml übertreibt also nicht, wenn er sagt: "Die Bandbreite der Einreichungen ist enorm." Der Vorsitzende des "Berufsverbandes Bildender Künstler Niederbayern und Oberpfalz" eröffnete die "Große Ostbayerische" am Freitag im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg. Im dreijährigen Turnus - dazwischen ist die Schau im "Leeren Beutel" und im Kulturviertel Deggendorf zu sehen - führt die Berufsgilde Bildender Künstler dort vor Augen, was momentan gedeiht an künstlerischem Schaffen in der Region.
120 Künstler, 300 Werke
Und das kann sich sehen lassen, allein schon von der Anzahl der Arbeiten her. "Insgesamt 120 Künstler haben dieses Jahr rund 300 Werke eingereicht", zog Ludwig Bäuml bei der Eröffnung Bilanz. 105 Vertreter der Oberpfälzer und niederbayerischen Kunstszene dürfen nun ihre Werke präsentieren.
Natürlich gehören dazu nicht nur Überraschungen. Der Haifisch, der aufzeigt, dass es auch ohne Tierkadaver und Formaldehyd geht, gliedert sich ein in eine ganze Reihe solider Arbeiten etablierter Künstler. Renate Christin mit einer Mischtechnik, Peter Dorn mit einer Serie von Bleistiftkästchen auf Karopapier, Rita Karrer mit ihrer konstruktivistischen "Position III": Sie alle sind ebenfalls dabei und unterstreichen eine weitere Aussage Ludwig Bäumls: "Hier gibt es Künstler im Alter von um die 20 bis hin zu den alten Hasen."
Acht Neuaufnahmen kann der BBK in Niederbayern und der Oberpfalz für das vergangene Jahr verzeichnen. "Das entscheidende Kriterium dabei ist Qualität", betont Bäuml. Mit Befriedigung sieht der Vorsitzende des BBK die beständige Weiterentwicklung in seinem Umfeld. "Vor 20 Jahren sah es etwa mit den Vertretern der Fotokunst noch ganz anders aus", blickt Bäuml auf seine Anfangsjahre bei der "Großen Ostbayerischen" zurück. Heute gehören die Bildaufnahmen eines Martin Rosner schon zu den eher konservativen Stücken, und Lena Schabus setzt mit digitalem Bildcomposing neue Zeichen.
Problem mit dem Geld
Beständig bleibt im BBK nur eine Sache: Das Problem mit dem Geld. Der hohe Stellenwert der Kunst müsse im Bewusstsein von Politik und Bevölkerung noch mehr verankert werden. Ludwig Bäuml wird nicht müde, dies zu betonen. Denn Kreativität ist das eine. Aber Kunst beschränkt sich eben nicht darauf, aus abgelegten Radiergummis etwas Neues zu schaffen.
"crescendo - decrescendo" lautet übrigens der Titel des Objektkastens von Thomas Thalhammer, dem bei der Arbeit wohl gar nicht unbedingt Schmetterlinge im Kopf schwirrten. Leiser werden, das soll der BBK nicht. Die "Große Ostbayerische" 2019 will der Kunst noch mehr Gehör verschaffen.
Service
Die „Große Ostbayerische Kunstausstellung“ des BBK Niederbayern / Oberpfalz mit den Bereichen Malerei, Grafik, Plastik, Objekt, Fotografie, Installation und Video läuft bis zum 28. April im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg, Ludwigstraße 6. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr. (wsu)













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