14.11.2019 - 11:43 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Kunst und Menschenrechte

Die Vision ist groß. "Ich möchte mit den Werken in die UNO", sagt Barbara Wilmers-Hillenbrand. Die Bilderserie würde es wohl hergeben, denn es geht um Menschenrechte. 30 Künstler sollen mit 30 Gemälden bei dem Projekt dabei sein.

Künstlerin Barbara Wilmers-Hillenbrand (links) stellte zusammen mit ihrer Kollegin Martina Leithenmayr, alias Marthe, das Gemäldeprojekt „Pictures for the Human Rights“ vor.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Die Deklaration der allgemeinen Menschenrechte erfolgte vor etwas mehr als 50 Jahren, am 10. Dezember 1948 während der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Palais de Chaillot in Paris. Die Menschenrechtserklärung besteht aus 30 Artikeln. Sie enthalten grundlegende Ansichten über die Rechte, die jedem Menschen zustehen sollten. „Menschenrechte müssen von uns allen verteidigt werden,“ hat sich die Regensburger Künstlerin Barbara Wilmers-Hillenbrand auf die Fahne geschrieben. Dazu hat sie in den vergangenen Monaten erfolgreich Mitstreiter gesucht.

Am bekanntesten ist wohl der Artikel 1, in dem es um Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit geht. Er lautet so: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“ Diesen Artikel hat Barbara Wilmers-Hillenbrand bereits in ein Gemälde umgesetzt. Nun möchte sie weitere 29 Künstler aus der ganzen Welt gewinnen, die sich die anderen Artikel vornehmen und künstlerisch interpretieren. Um das Ganze auf eine feste Basis zu stellen, hat die Regensburger Malerin einen Verein gegründet mit dem Namen „Pictures for the Human Rights“.

Ihr schweben Ausstellungen vor, bei denen nicht nur die Gemälde gezeigt werden, sondern auch Juristen auf den einen oder anderen der Menschenrechtsartikel vertiefend eingehen. „Und wir werden die Ausstellung auch auf die Straße bringen“, verrät sie. Das soll so gehen: „Wir werden die 30 Gemälde auf Bauzaunplanen drucken, das geht schnell und günstig.“ Immer drei Motive kommen auf eine Plane, die man später im öffentlichen Raum einfach befestigen kann – etwa an Bauzäunen. Die erste Probe-Plane gibt es schon, um einen Eindruck zu vermitteln. Zehn Planen sollen es am Ende werden, die dann an beliebigen Plätzen weltweit aufgehängt werden können. Am liebsten in Ländern, die es mit den Menschenrechten nicht so genau nehmen – Türkei, Russland, China.

Es gibt auch schon die erste Künstlerin, die sich an dem Projekt beteiligt und bereits ein Original beigesteuert hat. Es ist Martina Leithenmayr aus Österreich, die in Kohlberg (Lkr. Neustadt/WN) unter dem Namen Marthe eine Kunstwerkstatt unterhält. Weitere Zusagen liegen vor. „Ich nehme an, dass wir nächstes Jahr fast voll sind“, zeigt sich Wilmers-Hillenbrand überzeugt, die das Projekt in ihrem eigenen Atelier in der Regensburger Von-der-Tann-Straße vorgestellt hat.

„Wir fangen klein an“, gibt die Malerin die Richtung vor. Es gibt Pläne für eine erste Ausstellung „Pictures for the Human Rights“ in Karlsruhe, der Förderkreis „Forum Recht“ hat eine entsprechende Einladung ausgesprochen. Weil die vorhandenen zwei Bilder wohl etwas wenig sind für eine Schau, die am 23. November im „Café Grundrechte“ eröffnet werden soll, kommt es vor Ort zu einer Kooperation mit der Schülerakademie Karlsruhe. Dort arbeitet man mit jungen Leuten und versucht, die Bereiche Kunst und Recht zusammenzubringen. Ein entsprechender Workshop dieser Akademie soll weitere Bilder zuliefern. „Die werden wir dann mit zeigen.“ Die Schau dauert bis 7. Dezember. „Und eins dieser Bilder werden wir in unserer Ausstellung behalten“, kündigte Wilmers-Hillenbrand an.

Martina Leithenmayr hat zwischenzeitlich einen „Open Call for Entries“ angeregt, um die restlichen Künstler für das Menschenrechte-Projekt aus der ganzen Welt anzuwerben, aus möglichst unterschiedlichen Ländern. Informationen zu Formatwahl, Ausstellungsvergütung und Details zur Einreichung gebe es unter artists[at]pictursforthehumanrights[dot]de. Die aktuelle Einreichfrist endet am 15. Dezember 2019. Zusagen aus der Schweiz, der Türkei und Israel lägen bereits vor, sagte Leithenmayr: „Wir sind total gespannt, was kommt.“ Jeder könne sich einen Grundrechte-Artikel seiner Wahl aussuchen, wobei zwei Themen schon vergeben sind: Mit dem Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat sich Barbara Wilmers-Hillenbrand in einem Gemälde auseinandergesetzt, Marthe hat sich den Artikel 19 vorgenommen – das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Sind die Gemälde da, gehen die richtigen Ausstellungen los. „Sie zeigen wir dann international an unterschiedlichen Orten. Den Anfang wird wahrscheinlich der Europarat in Straßburg machen. Die Ausstellung tourt anschließend um die Welt – die Zusammenarbeit mit NGOs und dem Auswärtigen Amt ist geplant.“

Um die Sache bekannt zu machen, gibt es zwischenzeitlich nicht nur eine eigene Homepage für das Projekt (www.picturesforthehumanrights.de), sondern auch einen Förderverein, dem Wilmers-Hillenbrand vorsteht.

"Alle Menschen sind frei und gleich", heißt es im Artikel 1 der Menschenrechte. Barbara Wilmers-Hillenbrand hat das in einem Gemälde künstlerisch reflektiert.
"Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung" verspricht der Artikel 19 der Menschenrechte, den Künstlerin Marthe (Martina Leithenmayr) interpretiert hat.
Geplant ist, 30 Gemälde zu reproduzieren und auf Planen zu drucken, die an Bauzäunen befestigt und damit weltweit öffentlich gezeigt werden können. Wie das aussehen wird, zeigt dieses Modell.
Eine erste Plane wurde bereits gedruckt, um das Vorhaben zu versinnbildlichen. Links und rechts sind die beiden ersten Bilder zu sehen, in der Mitte findet sich die Liste der Menschenrechte.
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