24.02.2020 - 15:25 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Wo Kunst zum Wunschkonzert wird

Lea Jade bringt auf die Leinwand, was andere hören. Derzeit stellt sie gemeinsam mit Helge Leiberg im Kunstkabinett Regensburg aus.

von Susanne WolkeProfil

Lea Jade komponiert. Und zwar sowohl mit Tönen als auch mit Farben. Bei der Eröffnung ihrer Ausstellung im Kunstkabinett Regensburg spielte die 30-Jährige eigene Werke auf dem mitgebrachten E-Piano. Wem Töne zu vergänglich sind, dem schafft die Künstlerin Abhilfe: Zu ihrem Repertoire zählen auch Kompositionen aus Farbe auf Leinwand.

Und das ist bei Lea Jade wörtlich gemeint. "Sie ist Synästhetikerin", heißt es in der Beschreibung der Regensburger Ausstellung zu der in München lebenden Künstlerin. Das heißt: "Sie verfügt über die seltene Gabe des Farbhörens."

Komposition auf Leinwand

Ob Klassik ober Pop: Für Lea Jade nehmen Töne und Takte Formen an. Mit einem Griff zum Pinsel macht sie diese auch für den Betrachter greifbar. "Lea Jade sieht die Musik in ihrem Verlauf und überträgt die Rhythmik auf die Leinwand." Es klingt ganz einleuchtend. Dass auch dem Nicht-Synästhetiker dabei ein Licht aufgeht, dafür sorgen die Akzente der Bilder, die nicht immer nur abstrakt sind. Ein Herz, einen Embryo und sogar ein Einhorn kann man auf den Bildkompositionen Lea Jades erkennen.

Ob diese Ausflüge ins Gegenständliche tatsächlich in die Musikvorlage involviert sind, entzieht sich der Beurteilung. Fest steht jedenfalls: Lea Jade malt alles - bis auf Schlager. Die Begründung: Die mag sie nicht. Ansonsten aber ruft bei Lea Jade erklärtermaßen "jedes Instrument, jede Musikrichtung, jeder Stil andere Farbtöne hervor". Praktisch dabei fürs Publikum: Lea Jade veranstaltet wahre Wunschkonzerte. Jeder kann den eigenen Lieblingshit bei ihr bestellen und bekommt ihn dann in zweidimensionaler Form geliefert.

Spannungsvoller Kontrast

Ergänzt wird die musikalische Ausstellung im Kunstkabinett Regensburg durch Skulpturen von Helge Leiberg. Und das ergibt nicht nur deshalb Sinn, weil sich dessen Paar "Leidenschaft" wie zwei Tänzer im Takt zu wiegen scheint.

"Tanz und Musik" nennt der in Berlin lebende Künstler seine Inspirationsquellen. Beides setzte er in seinen "rundum erfahrbaren" Bronzen um. Das Ergebnis sind schlanke Figuren voller Spannung und mit überlangen Gliedmaßen, die die Zeichnung ins Dreidimensionale zu versetzen scheinen.

Rein optisch ergeben die Arbeiten Helge Leibergs mit denen Lea Jades einen spannungsvollen Kontrast. Gebannte Töne hier, festgehaltene Bewegungen dort. Es ist eine ganz eigene Komposition, die die beiden Künstler in Regensburg geschaffen haben. Und das ganz ohne hörbare Musik. Die Ausstellung von Lea Jade und Helge Leiberg läuft bis 27. März im Kunstkabinett Regensburg (Untere Bachgasse 7).

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