10.07.2019 - 17:03 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Wenn das Lebenswerk in neue Hände geht

Familienunternehmen bilden das Rückgrat der ostbayerischen Wirtschaft. Umso wichtiger ist es, dass die Firmenübergabe gut gelingt, wenn der Chef in den Ruhestand geht. Doch viele Betriebe sind nicht ausreichend vorbereitet.

Bei der Nachfolgeregelung sollten Unternehmer am Ball bleiben. Das rieten (von links) die ehemaligen Firmenchefs Horst Pinsker und Christof Stölzel sowie die IHK-Vertreter Andrea Kahr (Niederbayern), Reinhard Rieger und Manuel Lischka (Oberpfalz) beim Tag der Unternehmensnachfolge in der Continental-Arena.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Beim Tag der Unternehmensnachfolge am Mittwoch in Regensburg konnten sich sowohl Unternehmer als auch potenzielle Nachfolger, etwa Hochschulabsolventen, über wichtige Aspekte informieren – und sich kennenlernen. Organisiert hatten die Veranstaltung in Räumen der Continental-Arena die IHKs Regensburg für Oberpfalz/Kelheim und Niederbayern, die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz und die Hans-Lindner-Stiftung. Diese vier Institutionen haben auch den Verbund „Nachfolgelotsen“ gegründet, der kostenfrei und unabhängig berät und gut vernetzt ist.

250 Teilnehmer hatten sich für den Tag der Unternehmensnachfolge angemeldet, bei den ersten beiden Nachfolgetagen waren es etwa 200. Manuel Lischka, IHK-Geschäftsstellenleiter Schwandorf und bei der Oberpfälzer IHK zuständig für das Thema Unternehmensnachfolge, wertete das als positives Zeichen, dass die Betriebe zunehmend sensibilisiert werden.

Anfangs seien die Zahlen „ernüchternd“ gewesen. Vor einigen Jahren habe die IHK in der Region abgefragt, wie die Unternehmen auf eine Nachfolge vorbereitet sind. Dabei kam heraus, dass bei einem Drittel der Betriebe eine Übergabe ansteht. Doch 60 Prozent der Unternehmer über 55 Jahren hatten sich noch nicht mit dem Nachfolge-Thema beschäftigt. 69 Prozent gaben zudem an, keinen Notfallplan zu haben, falls der Chef plötzlich ausfällt.

Lischka rät, das Thema so früh wie möglich anzugehen. „55 Jahre ist ein gutes Alter dafür.“ Eine Übergabe müsse gut geplant sein und brauche Zeit. Drei bis fünf Jahre sollte man einplanen. Wichtig sei es, die Familie einzubinden und zu klären, inwiefern die eigenen Kinder das Unternehmen weiterführen wollen. Sonst könnte man eine böse Überraschung erleben, sagte Lischka. „So mancher Unternehmer plant, dass seine Kinder die Firma weiterführen, obwohl diese gar kein Interesse daran haben.“ Früher sei die Übergabe an die Kinder der Normalfall gewesen, heute gehe nur noch die Hälfte der Firmen an leibliche Nachfahren.

Wenn die Kinder abwinken, empfiehlt Lischka, sich zunächst in der eigenen Firma nach möglichen Nachfolgern umzusehen. Ein bisheriger Geschäftsführer etwa könnte Interesse an einer Übernahme haben. Der Knackpunkt bei den Verhandlungen sei oft der Verkaufspreis, bei dem die Vorstellungen häufig weit auseinander gehen. „Ein Unternehmen ist das wert, was jemand bereit ist, zu zahlen“, warnte der IHK-Experte vor überhöhten Erwartungen. Man müsse sich in der Mitte treffen.

Einen nicht ganz alltäglichen Weg der Unternehmensübergabe wählte Christof Stölzel, früherer Inhaber der Variotec GmbH in Neumarkt. Der Unfalltod seines ältesten Sohnes, der die Firma hätte übernehmen sollen, brachte ihn zum Nachdenken. Er nahm Gespräche mit Inverstoren von außen aus, bat aber auch seine Führungskräfte, sich zu überlegen, ob sie die Firma übernehmen würden. Am Ende gab Stölzel seinen beiden Geschäftsführern ein Darlehen, damit diese genug Eigenkapital für einen Bankkredit hatten und den Betrieb übernahmen. Eine Lösung, mit der Stölzel sehr zufrieden ist.

Anders lief es bei Horst Pinsker aus Mainburg (Kreis Kelheim). Vor vier Jahren eröffnete ihm seine Tochter, dass sie das Familienunternehmen Pinsker Druck und Medien GmbH nicht alleine weiterführen will. Schließlich übernahm ein Investor 80 Prozent des Betriebs, die Tochter behielt 20 Prozent und blieb in der Geschäftsführung. Pinsker berichtete, dass es unter den 140 Mitarbeitern anfangs starke Bedenken gegen den Investor gegeben hatte. Doch bei der Weihnachtsfeier hätten sie gemerkt, „dass das auch ein ganz normaler Mensch ist, und das Eis war gebrochen“.

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