15.07.2020 - 17:20 Uhr
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Lehrgang hebt Hausfrauen auf Profi-Niveau

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Von wegen unzeitgemäß: Ein Hauswirtschafts-Lehrgang gibt Frauen ohne Berufsabschluss eine Perspektive. Absolventinnen sind sehr gefragt auf dem Arbeitsmarkt - und können später viel verdienen.

Das richtige Bügeln gehört zu den Lehrinhalten der Hauswirtschafts-Ausbildung.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Viele Frauen führen jahrelang einen Haushalt, haben aber keinen Berufsabschluss. Bei einem einjährigen Lehrgang in Regensburg können Frauen aus Ostbayern sich zu staatlich anerkannten Hauswirtschafterinnen ausbilden lassen. Sie sind am Arbeitsmarkt heiß begehrt.

„Jeder macht seinen Haushalt und wurschtelt sich so durch“, sagt Barbara Schmidmeier beim Infoabend. Der Lehrgang „Hauswirtschaft und Pflege“ hebe Hausfrauen auf ein professionelles Niveau. Nach bestandener Prüfung können die Teilnehmerinnen zum Beispiel das Alltagsmanagement in privaten Haushalten übernehmen. „Gerade Senioren suchen oft händeringend nach Hauswirtschafterinnen“, erzählt Schmidmeier, Beraterin beim Verbraucher-Service Bayern im Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB). Andere Einsatzfelder gebe es etwa in Kitas, Tagungshäusern oder Mensen – „überall, wo es eine Gemeinschaftsverpflegung gibt“. Auch selbstständig könne man sich machen.

Schulung zum Umgang mit älteren Menschen

Die Frauen, die zum Infoabend gekommen sind, lauschen interessiert. Sie bringen ganz unterschiedliche Werdegänge mit. Eine von ihnen ist in Elternzeit und sucht eine Ausbildung, die ihr einen Einstieg in den Beruf ermöglicht. Eine andere arbeitet als Bankkauffrau und hat gerade ein Haus gebaut. Die 26-Jährige will privat fitter im Haushalt werden – und überlegt, ob sie als Hauswirtschafterin später mal Beruf und Kinder besser vereinbaren kann. Auch ein Mann ist unter den Zuhörern, er ist aber nur als Begleitperson mitgekommen.

Besonders an dem Lehrgang ist, dass er eine Schulung zum Umgang mit älteren Menschen einschließt. Die Teilnehmer lernen dabei insbesondere, mit demenzkranken Menschen umzugehen – ebenfalls ein gefragtes Tätigkeitsfeld. Die Absolventen kommen auch in der Pflegebranche unter.

Mitbringen müssen die Teilnehmerinnen vor allem Zeit an den Wochenenden: Der Kurs findet jeweils am Freitagabend und Samstagvormittag statt. Die Schulferien sind frei. Zum Unterrichtsstoff gehören betriebswirtschaftliche Grundlagen, Ernährung, Speisenzubereitung, das Einrichten und die Reinigung von Wohnungen sowie die Textilpflege.

Prüfung mit Praxistest

Hauswirtschaftsmeisterin Andrea Kellner ist die Frau für die Praxis. Bei ihr in der Lehr-Küche lernen die Frauen die Zubereitung der verschiedenen Teige, alle Garmachungsarten, aber auch das richtige Tischeindecken. Nach dem Zubereiten wird zusammen gegessen – und meist bleibt so viel übrig, dass die Teilnehmerinnen noch Essen mit nach Hause nehmen können. Auf dem Lehrplan stehen auch die Zimmerpflanzenpflege, Grundzüge im Nähen oder die richtigen Putzutensilien. „Wer Ahnung hat, weiß, wie wenig verschiedene Putzmittel man eigentlich braucht“, sagt Hauswirtschaftsmeisterin Irmgard Vilsmeier, die ebenfalls zu den Lehrkräften gehört. Das Thema Nachhaltigkeit spiele heute eine wichtigere Rolle als früher.

Die Frauen sollen das Gelernte fleißig üben – denn bei der Abschlussprüfung müssen sie in den Praxistest. Eine Prüfungsaufgabe könnte dann lauten: „Besuch hat sich angekündigt. Bereiten Sie ein Mittagessen mit Geflügel zu und dekorieren Sie den Tisch für vier Personen.“ Um zum Lehrgang zugelassen zu werden, gibt es nur wenige Voraussetzungen: Dazu gehört, dass die Teilnehmerinnen einen Hauptschulabschluss und gute deutsche Sprachkenntnisse vorweisen können und mindestens vier Jahre einen Haushalt geführt haben – dazu zählt auch der eigene.

Meisterprüfung möglich

Positiv überrascht sind die Teilnehmerinnen am Infoabend von den Verdienstmöglichkeiten für Hauswirtschafterinnen. Für Tätigkeiten in privaten Haushalten sieht der Tarifvertrag bei Vollzeit anfangs rund 2660 Euro brutto monatlich vor, ab dem vierten Jahr 3000 Euro und ab dem achten Jahr dann rund 3350 Euro. Bei anderen Arbeitgebern gebe es zwar keine tariflichen Vorgaben, Schmidmeier ermutigt aber alle Hauswirtschafterinnen, den Tarif-Lohn selbstbewusst einzufordern.

Auch Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es. Nach zwei Jahren als Hauswirtschafterin ist die Zulassung zur Meisterprüfung möglich. Als Meisterin arbeite man oft in leitender Funktion, erklärt Lehrkraft Ursula Rosner-Mehringer. Es handle sich um gefragte Fachkräfte etwa in sozialen oder gastronomischen Betrieben. „Früher wetteiferten Hauswirtschafts-Meisterinnen vielleicht mit der Nachbarin darum, wer den besten Kuchen backt, heute arbeiten sie professionell in Betrieben, wo sie Arbeiten delegieren.“

Nabburgerin bricht Lanze für Hauswirtschaft

Nabburg
Barbara Schmidmeier koordiniert den Hauswirtschafts-Lehrgang.
Hintergrund:

Der Lehrgang „Hauswirtschaft und Pflege“ wird vom 11. September 2020 bis Ende Juni 2021 vom Verbraucher-Service Bayern im KDFB angeboten. Unterrichtet wird freitags von 17 bis 21 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr. Die Schulferien sind frei. Schulungsort ist das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regensburg in der Lechstraße 50. Die Gesamtkosten liegen bei etwa 2000 Euro. Anmeldeschluss ist am 27. August 2020. Infos und Anmeldung unter 0941/51604 oder unter regensburg[at]verbraucherservice-bayern[dot]de

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