20.03.2019 - 15:34 Uhr
NabburgOberpfalz

Von wegen nur ein bisschen Haushalt

"Das bisschen Haushalt ...", klagt Johanna von Koczian in einem Song aus den 70er Jahren. Am Welttag der Hauswirtschaft (21. März) wird für ihr Thema sensibilisiert – aber aus anderen Gründen.

Mathilde Schießlbauer bricht eine Lanze für die Hauswirtschaft, und das nicht nur am internationalen Gedenktag.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Mathilde Schießlbauer, Bildungsberaterin am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist seit über 20 Jahren mit dem Fachgebiet Hauswirtschaft vertraut. Oberpfalz-Medien verrät sie, wie es heute um die Hausarbeit bestellt ist.

ONETZ: Das "bisschen Haushalt", gibt es dafür nicht längst Roboter?

Schießlbauer: Ich denke, das gilt nicht für alle Arbeiten. Wir haben bestimmte Maschinen, die Zeitersparnis bringen. Aber nicht alles, was Menschen brauchen, um sich in ihrem Zuhause wohlzufühlen, können Saugroboter und Geschirrspüler leisten.

ONETZ: Wozu braucht man überhaupt eine Ausbildung in Hauswirtschaft. Lernen das die Kinder nicht bei den Eltern?

In meiner Generation war das schon noch der Fall. Aber die Kinder heutzutage tun sich da schwer, weil es im Unterricht nicht vorkommt, und auch den Eltern schon das Grundwissen fehlt. Früher gab es zum Beispiel ein Reste-Essen, jetzt wird Übriges oft weggeworfen. Viele junge Menschen erzählen uns, dass das, was sie hier erfahren, die Oma gemacht hat. Die Kinder und Jugendlichen haben aber auch schlicht keine Zeit.

ONETZ: Was hat sich denn in den vergangenen Jahrzehnten geändert?

Die Technik im Haushalt verändert sich unwahrscheinlich schnell. Ständig gibt es neue, pflegeleichtere Materialien. Da müssen wir uns anpassen und aus einem enormen Angebot auswählen. Dann ist da der Anspruch, mit anderen gleichzuhalten. Man schaut beim Geschirr, ob etwas modern ist und weniger, ob es praktisch, also stapelbar und langlebig ist. Konsum wird grundloser, 50 Prozent der Mittel brauchen wir gar nicht.

ONETZ: Sind Sie immun gegen solche Tendenzen?

Ja, schon. Ich benutze eigentlich nur vier Reinigungsmittel, die sind für Fenster, Möbel, Bad und Küche. Und ich brauche auch nicht jedes neue Gerät.

ONETZ: Wo sehen Sie die größten Defizite?

Werterhaltung ist leider nicht mehr so wichtig. Ein Beispiel: Früher wurde ein teurer Lederschuh auch entsprechend gut gepflegt, jetzt wird er einfach ersetzt. Außerdem könnte man im Haushalt viel rationeller arbeiten, allein durch die richtige Anordnung auf dem Arbeitsplatz. Da kann man schon beim Gemüse-Schneiden viel falsch machen.

ONETZ: Wo liegen die künftigen Arbeitsplätze der Hauswirtschafts-Profis?

Die meisten Fach- und Führungskräfte werden in Großhaushalten gebraucht. Das kann ein Seniorenheim sein oder eine Kita. Auch bei hauswirtschaftlichen Dienstleistern wie dem hauswirtschaftlichen Fachservice kommen viele unter.

ONETZ: Welche Rolle spielt die Hauswirtschaft in der demografischen Entwicklung?

Der Unterstützungsbedarf wird mehr. Das trifft auf junge Familien zu, wenn beide Eltern berufstätig sind. Und viele ältere Menschen wünschen sich, so lange wie möglich daheim zu wohnen. So etwas wie Fensterputzen ist aber körperlich sehr anstrengend, manchmal werden dann auch kaputte Vorräte nicht mehr aussortiert.

ONETZ: Was bringt ein Welttag der Hauswirtschaft?

Im Haushalt werden Entscheidungen getroffen, die sich auf unsere Gesellschaft, auf den Konsum und die Ressourcen auswirken. So ein tag macht bewusst, wie man gut leben kann, ohne anderen zu schaden.

Info:

Fit im Haushalt

Ein Studiengang Hauswirtschaft an der Landwirtschaftsschule in Nabburg lehrt, einen Haushalt - insbesondere in der Landwirtschaft - fachkundig zu führen. Er stärkt Persönlichkeit und Auftreten, fördert unternehmerisches Denken und Handeln. Zudem vermittelt er die pädagogische Eignung, um Personen auszubilden und anzuleiten. Der Unterricht findet in Teilzeitform statt. Weitere Infos dazu unter www.aelf-sd.bayern.de/bildung/hauswirtschaft.

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