11.02.2020 - 10:58 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Luchs-Wilderei: Zeuge belastet Jäger

Die Verhandlung um die illegale Tötung eines Luchses im Bayerischen Wald gestaltet sich schwierig und dauert bis in die Abendstunden: Ein wegen Wilderei verurteilter Jäger will einen Freispruch erwirken, jedoch belastet ihn ein Zeuge auch im Berufungsprozess schwer.

Im Bayerischen Wald geht die Luchs-Population zurück. Ein Zeuge fühlte dem verdächtigten Luchswilderer offenbar auf den Zahn.
von Autor AHSProfil

Mit einer selbstgebauten massiven Falle soll der Angeklagte in seinem Jagdrevier den streng geschützten Luchs gefangen und anschließend mit einer Kurzwaffe erschossen haben. Bei einer Hausdurchsuchung im Dezember 2016 wurde bei ihm überdies ein verbotenes Nachtsicht-Zielgerät für Schusswaffen sichergestellt. Er war deshalb im September vergangenen Jahres vom Amtsgericht Cham zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 25 Euro verurteilt worden. Sowohl er als auch die Staatsanwaltschaft hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt. Seit Montag wird der Fall vor dem Landgericht Regensburg neu verhandelt.

Angeklagter prahlt mit Tötungen

Den Stein ins Rollen gebracht hatte der Angeklagte selbst. Gegenüber zwei Jägern, die sich für eine Rotwildjagd bei einem Verwandten einquartiert hatten, soll er geprahlt haben, schon einen Luchs erlegt zu haben. Um die Geschichte zu untermauern, zeigte er ihnen im Revier die dafür aufgestellte Lebendfalle, welche seine Gäste fotografierten. Nicht genug damit, habe er sich zudem gebrüstet, auch schon einen Wolf geschossen und in einem Teich einen Fischotter ertränkt zu haben. Die Zeugen gingen zur Polizei. Die Polizeibeamten entdeckten in einer Vitrine ein Glas mit zwei Luchsohren und -krallen. Später eingeholte Gutachten hatten zudem Spuren von Reh-Haaren und Knochenteilen gefunden - wohl Köder für den Luchs.

Vor dem Amtsgericht Cham verteidigte sich der Angeklagte damit, dass es sich bei den Erzählungen um "reines Jägerlatein" gehandelt habe. Die Falle habe vermutlich sein Vater, der den Hof 2005 an ihn übergeben habe, mal aus Tschechien mitgebracht. Er habe mit der Falle nichts zu tun. Für die Staatsanwältin und den Richter eine reine Schutzbehauptung. Der neue Verteidiger des Angeklagten machte dennoch deutlich, dass man einen Freispruch anstrebe.

Der 64-jährige Hauptzeuge, der sich selbst als Sachverständiger für den Artenschutz bezeichnet, schilderte, dass er wenige Wochen vorher zusammen mit einem BR-Team vor Ort war um eine Dokumentation über die Situation der Luchse im Bayerischen Wald zu drehen. Er sollte Gründe recherchieren, warum Tiere verschwunden seien. Den Angeklagten habe er gefragt, was man hier jagen könne. "Rotwild, Sauen und besonders den Luchs", habe er zur Antwort bekommen. Der Angeklagte habe ihn auch zur Falle geführt, die in einem Luchswechsel aufgestellt gewesen sei. Bereits vor der Anzeige habe er Kontakt zur Umweltschutzorganisation WWF aufgenommen. Diese habe, sollte es zur Verurteilung des Angeklagten kommen, eine "Belohnung" in Höhe von 20 000 Euro ausgelobt.

"Deal" abgelehnt

Nach einstündiger Beratung unterbreitete der Gerichtsvorsitzende, Richter Johann Pindl, dem Angeklagten ein "Friedensangebot". Da nicht feststellbar sei, ob die Tötung des Luchses in die verjährte oder unverjährte Zeit falle, komme im Falle einer entsprechenden Erklärung auch eine Bestrafung nur wegen Nachstellens in Betracht, was zu einer reduzierten Strafe führen würde. Der Angeklagte nahm dieses Angebot nicht an. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.