08.04.2020 - 14:42 Uhr
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Maßregelvollzug: Serienbrandstifter will selbst hinter Gitter

Die Strafkammer in Regensburg kommt der Bitte eines alkoholkranken 48-Jährigen nach und schickt ihn in eine Entzugsklinik. Der Arbeitslose hatte bei mehreren Gelegenheiten mit dem Feuer gespielt - und mit dem Leben Unschuldiger.

Für sein Spiel mit dem Feuer muss ein 48-jähriger Regensburger in eine Entzugsklinik.
von Autor AHSProfil

Die 8. Strafkammer des Landgerichts Regensburg hat einen arbeitslosen 48-jährigen aus Regensburg unter anderem wegen Einbruchdiebstahls mit versuchter schwerer Brandstiftung, vorsätzlicher Brandstiftung, Trunkenheit im Verkehr sowie Fahren ohne Fahrerlaubnis zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Der Mann muss in den Maßregelvollzug - damit entsprachen die Richter nicht nur dem Wunsch des Angeklagten, sondern folgten auch dem Antrag der Staatsanwaltschaft und des Verteidigers.

Zur ersten Straftat kam es bereits im März 2018: Der lange Zeit unbekannte Täter drang nachts im Regensburger Stadtwesten in ein Restaurant ein. Er hebelte die Eingangstüre auf, brach einen Spielautomaten auf und entwendete insgesamt 325 Euro Münzgeld. Außerdem erbeutete er drei Flaschen Whiskey. Um seine Spuren zu vernichten, ging er in die Küche und wollte mit zwei Fritteusen und den geöffneten Gasreglern eines Grills einen Brand verursachen. Dazu kam es jedoch nicht, weil der Hauptgashahn nicht geöffnet war und es für eine Brandentwicklung in der Fritteuse an ausreichender Sauerstoffzufuhr fehlte. Gott sei Dank, denn in dem Gebäude befanden sich außer dem Lokal auch 14 Wohnungen.

Knapp ein Jahr später, im Februar 2019, verschaffte sich der Angeklagte mit Hilfe eines Schlüssels aus dem Besitz seiner Exfreundin Zutritt zu einem ebenfalls im Stadtwesten gelegenen Sechsfamilienwohnhaus. In einem Kellerabteil zündete er dort gelagerte Bücher an. Das Feuer konnte jedoch durch die Bewohner rechtzeitig entdeckt und von der Feuerwehr gelöscht werden.

Unmittelbar danach fuhr er zu einem nahe gelegenen zweigeschossigen Wohnhaus und einer dazugehörigen Garage. Hier setzte er die offenstehende Garage, in der Möbel, Pappkartons und Holzkisten gelagert waren, in Brand. Das Feuer loderte bereits durch das Dach, als es von den Bewohnern entdeckt wurde. Mit Wasser aus Regenwassertonnen konnte diese das Feuer bis zum Eintreffen der Feuerwehr in Schach halten.

Beim Absuchen der näheren Umgebung nach dem Täter fiel einer Polizeistreife ein Auto auf, das mit eingeschaltetem Licht und laufendem Motor auf einem Parkplatz stand, von wo aus man den Tatort beobachten konnten. Als sie den Fahrer kontrollieren wollten, fuhr dieser hastig davon. Der Angeklagte fuhr in Schlangenlinien in Richtung einer Tankstelle, wo er gestellt werden konnte. Eine bei ihm gut eine Stunde später entnommene Blutprobe ergab eine Blutalkoholkonzentration von 2,03 Promille.

Die letzte Brandlegung war im Juli vergangenen Jahres in der Kleingartenkolonie Erzbischof-Buchberger-Allee. Hier brannte ein Gartenhaus nahezu vollständig nieder. Bei der Brandlegung wurde der Angeklagte von einer Zivilstreife beobachtet. Wenige Tage später kam er in Untersuchungshaft.

Über seinen Verteidiger gab der extrem alkoholabhängige Angeklagte ein Geständnis ab und bat um Einweisung in eine Entzugsklinik. Das befürwortete auch der vom Gericht hinzugezogene psychologische Sachverständige. Der ebenfalls von der Strafkammer angeordnete Vorwegvollzug von sechs Monaten ist durch die Untersuchungshaft abgegolten.

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