05.12.2019 - 21:47 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Mehr Kosten und mehr Karpfen

Zwei Bundesgesetze lassen die Sozialausgaben des Bezirks nach oben klettern. Das werden auch die Oberpfälzer Kommunen spüren: Der Bezirksumlagesatz soll 2020 um 0,6 Prozentpunkte auf 18,8 Prozent steigen.

Es geht ums Geld für den Bezirkshaushalt.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Mit 95 Prozent macht die Sozialhilfe den Löwenanteil des 486-Millionen-Euro-Haushalts des Bezirks Oberpfalz aus. Hier liegen auch die größten Kostensteigerungen. Zum einen greift die dritte Reformstufe des Bundesteilhabegesetzes. Zum anderen tritt das Angehörigen-Entlastungsgesetz in Kraft. Bezirkstagspräsident Franz Löffler betonte am Donnerstag im Bezirksausschuss, dass er für beide Gesetze große Sympathien habe, doch der finanzielle Mehraufwand für den Bezirk sei enorm. „Wir zahlen die Mehrkosten zunächst, aber die Refinanzierung in einer Solidargemeinschaft ist eine Frage, die es in den nächsten Wochen und Monaten zu klären gilt“, sagte Löffler.

Der Zuschussbedarf in der Sozialhilfe beträgt 2020 rund 34 Millionen Euro. Eigentlich läge er mit 54 Millionen noch höher – doch Rückzahlungen aus früheren Leistungen für unbegleitete minderjährige Ausländer helfen dem Bezirk, das Loch etwas zu stopfen. 13,5 Millionen will der Bezirk aus der Rücklage entnehmen – was die Umlagezahler entlastet. Damit schrumpft die Rücklage allerdings auf sieben Millionen Euro. Viel Spielraum bleibt hier in den nächsten Jahren nicht.

Die allgemeine wirtschaftliche Eintrübung wird sich wohl auch auf die bis zuletzt gestiegene Umlagekraft negativ auswirken. „In der Tendenz wird sich eine weitere Erhöhung des Umlagesatzes in den nächsten Jahren nicht vermeiden lassen“, erklärte Bezirkskämmerer Karl Hirsch. Der Bezirksausschuss sprach sich – gegen eine Stimme von AfD-Bezirksrat Wolfgang Pöschl – für die Anhebung des Hebesatzes auf 18,8 Prozent aus. Die finale Entscheidung darüber fällt der Bezirkstag am nächsten Donnerstag

Ein Anliegen ist es dem Bezirk, die Oberpfälzer Teichwirtschaft als Kulturgut stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen. Dafür soll die Ausrichtung des teichwirtschaftlichen Beispielsbetriebs Wöllershof (Kreis Neustadt/WN) erweitert werden. Seit 1971 bietet der Betrieb eine Fachberatung und eine teichwirtschaftliche Ausbildung an, betreibt einen Fischverkauf und verschiedene Artenhilfsprojekte.

Nun soll als weitere Säule eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit dazu kommen. Dafür soll auf dem Betriebsgelände ein Lehrpfad zur Karpfenteichwirtschaft entstehen. Auch ein Schlacht- und Räucherraum, eine Küche und ein Lehrsaal sollen dazu kommen, erklärte Thomas Ring, Fischereifachberater des Bezirks. Ring möchte vermitteln, wie wichtig die Teichwirtschaft für die Oberpfälzer Kulturlandschaft ist. Viele der 14 000 Teiche seien Natur- und Vogelschutzgebiete. Ein Arbeitskreis soll nun das genaue Konzept ausarbeiten. Es gehe auch darum, die regionale Vermarktung etwa des Karpfens zu verbessern, sagte Bezirkstagspräsident Löffler. „Wir haben in der Oberpfalz ein großes Potenzial an Fischen, aber sie landen nicht unbedingt auf unseren Tellern.“

Info:

Kulturausschuss

Bezirksheimatpfleger Tobias Appl erklärte im Kulturausschuss, dass sich das immaterielle Kulturerbe zu einem Schwerpunkt beim Bezirk entwickelt hat. Dazu gehörten die Zwiefachen- oder Zoigltage an wechselnden Orten, die regelmäßig viele Besucher anziehen würden. Gut angenommen würden auch die Trachtennähkurse oder die Laienspielberatung, die seit einem Jahr angeboten wird. Bezirkstagspräsident Franz Löffler betonte, es gehe bei der Bezirksheimatpflege um Werte und Identitätsförderung. Eine Großaktion steht im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen an. Weil Holzbauten auf dem Museumsgelände von Schädlingen betroffen sind, sind sogenannte „Begasungen“ geplant. Dafür werden Häuser gruppenweise eingehüllt und mit Gas befüllt, das nach einer Einwirkzeit wieder abgesaugt wird. Die Maßnahme, die von 2020 bis 2025 laufen soll, kostet insgesamt knapp 800 000 Euro.

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.