14.02.2020 - 18:56 Uhr
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Die mühsame Suche nach der Wahrheit

Was als gemütlicher Angelausflug begann, eskalierte am Ende zur Gewalttätigkeit. In Regensburg steht ein 59-Jähriger wegen versuchten Mordes vor Gericht, aber die Beweisaufnahme ist bisher ein Fischen im Trüben.

Vor dem Landgericht Regensburg wird ein kniffliger Fall verhandelt.
von Autor AHSProfil

Die bisherige Beweisaufnahme im Prozess gegen einen 59-jährigen Lageristen aus dem Raum Kelheim wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg gleicht auch nach zwei Verhandlungstagen einem „Stochern im Nebel“.

Der Angeklagte war an einem Abend im Juli vergangenen Jahres nahe der Gronsdorfer Schleuse beim Angeln, als ihn ein Aufseher des Kreisfischereivereins Kelheim kontrollieren wollte. Es kam zu einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Angeklagte versucht haben soll, seinen Kontrahenten unter anderem mit einer Axt zu traktieren. Der Geschädigte trug eine Schwellung und Kontusion am rechten Ohr, diverse Schnitt- und Schürfwunden, ein großes Hämatom am Bauch, eine Bisswunde an der rechten Schulter und eine aufgeplatzte blutende Lippe davon. Er war zunächst ein Vierteljahr krankgeschrieben und befindet sich nach wie vor in psychologischer Behandlung. Erst als eine Gruppe junger Männer hinzukam, fand die Auseinandersetzung ein Ende.

Da der Angeklagte bereits in der Vergangenheit aufgefallen war und ihm ein Ausschlussverfahren aus dem Verein drohte, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass er den Aufseher töten wollte, um dies zu verhindern und hat deshalb Anklage wegen versuchten Mordes erhoben. Seit Ende August vergangenen Jahres sitzt der Lagerist in Untersuchungshaft.

In einer von Verteidiger Jörg Sodan am ersten Verhandlungstag abgegebenen Erklärung sollen die Aggressionen vom Aufseher, der dem Prozess als Nebenkläger beiwohnt, ausgegangen sein. Auch habe er auf den Geschädigten nicht mit der Axt einschlagen wollen. Diese habe er vielmehr in der Hand, Richtung Boden hängend, gehalten, um sein Gegenüber auf Abstand zu halten. Der Geschädigte selbst blieb bei seiner Zeugenvernehmung bei seiner bereits vor der Polizei gemachten Schilderung des Tathergangs, die sich auch im Anklagesatz wiederfindet.

Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages erklärte der Verteidiger, dass er nach der Berichterstattung in den Medien über den ersten Prozesstag mehrere Anrufe erhalten hat, die das Kontrollverhalten des Geschädigten zum Inhalt hatten. Drei der Anrufer seien auch bereit, als Zeugen auszusagen. Daraufhin gab der Gerichtsvorsitzende, Richter Michael Hammer, zu erkennen, dass die Schwurgerichtskammer diese Zeugen auch zu einem der nächsten Verhandlungstage laden wird.

Der Vorsitzende des Fischeivereins berichtete dann als Zeuge, dass der Angeklagte in der Vergangenheit überdurchschnittlich oft negativ aufgefallen sei. Dabei habe es sich um Verstöße gegen das Naturschutzgesetz gehandelt. Deshalb sei ihm 2017 für den Wiederholungsfall mit einem Ausschluss aus dem Verein gedroht worden. Am Tattag habe er einen Anruf von dem Aufseher erhalten, der den Angeklagten am Nachmittag zuerst kontrolliert hatte. Er sei sofort zum Tatort gefahren und dort noch vor Eintreffen der Polizei angekommen. Der Geschädigte habe am ganzen Körper gezittert. Er habe ihm erzählt, dass er die Axt ins Gebüsch geworfen hat, damit der Angeklagte nicht mehr dran kann. Zum Fangbuch befragt erklärte er, dieses habe eine „große Bedeutung“. Jeder Fang müsse sofort eingetragen werden, damit kontrolliert werden kann, ob auch das gesetzlich vorgegebene Limit eingehalten wird. Über den Geschädigten, der seit 2009 Aufseher ist, habe es schon Beschwerden über sein Verhalten gegeben. An Details könne er sich nicht mehr erinnern. Aber so etwas sei bei allen Aufsehern an der Tagesordnung. In den vergangenen zwei bis drei Jahren habe es keine Beschwerden über den Geschädigten mehr gegeben.

Ein Arzt des Krankenhauses berichtete als Zeuge, dass er sich bei der Blutentnahme mit dem Angeklagten unterhalten habe. Dieser habe ihm den Geschehensablauf in groben Zügen erzählt, aber nichts davon, dass er angegriffen worden sei. Der Vorgesetzte des Angeklagten berichtete, dass dieser seit rund 20 Jahren in der Firma gearbeitet hat. Er selbst kenne ihn seit fünf Jahren. Er gilt als sehr zuverlässiger und ruhiger Mitarbeiter. Deshalb würde man ihn sofort wieder beschäftigen. Vom Erzählen her wisse er, dass ihn der Angelsport sehr viel bedeutet.

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