12.03.2019 - 15:27 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Münchner Meister-Musiker

Die Odeon Concerte setzen auf Ausgleich: Am Rosenmontag wurde von Canadian Brass ausschließlich geblasen, sonntags darauf vom Münchener Kammerorchester und der Geigerin Midori nur gestrichen.

Ein überzeugendes Konzert lieferte das Münchner Kammerorchester bei seinem Auftritt im Regensburger Audimax.
von Peter K. DonhauserProfil

Los geht es am Sonntag mit Edward Griegs „Holberg-Suite“ op. 40. Bestens disponiert die Münchener, von Anfang an begeistert ihr feinsinnig-eleganter Klang, die langsamen Sätze Sarabande und Air spielen sie mit ätherischem Schmelz, glühendem Ausdruck, aber nicht aufgeschmalzt. Klar wie selten entwickelt sich die raffinierte Harmonik, sie wird ja auch nicht in köchelnder Vibratosoße ersäuft. Mit Spielfreude, lebendiger, geradezu barocker Artikulation die schnellen Sätze, ein extra Lob verdient sich Bratschen-Stimmführer Xandi van Dijk für das präsente, geistsprühende Duett mit dem lebendig inspirierenden Konzertmeister Daniel Giglberger im Rigaudon.

Streicherkunst zum Dahinschmelzen

Eine delikate Interpretation liefern die Münchener auch bei Mendelssohns Streichersinfonie Nr. 8 in D-Dur, ein geniales Jugendwerk des 13-Jährigen, das ihn zum „Wunderkind“ adelte. Unverständlich, dass diese ausdrucksstarke, handwerklich beachtenswerte Musik etwas im Schatten steht. Herzerwärmend das solistisch gespielte Adagio, nur drei Bratschen, Cello und Bass. Bei aller Fugato-Kunst im Finale dann doch ein paar kompositorische Längen.

Auch Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 3 in G-Dur BWV 1048 erklingt solistisch. Differenziert wird das Rede-Gegenrede-Prinzip im 1. Satz heraus modelliert, die Tempi sind zügig aber ohne schweißnasse Mühe. Ohne Nebel, exemplarisch klar und elegant die Akkordbrechungen der Celli.

Größe durch Bescheidenheit

Wie sich bei den Violinkonzerten Bachs (d-Moll BWV 1052R und E-Dur BWV 1042) erweist, zeichnet Midori Goto (47) mit zartem Stift, malt mit feinem Pinsel. Nie graviert sie fette Linien ins Papier, kleistert mit dicker Ölfarbe. Auch in virtuosen Passagen profiliert sie jeden Ton, gibt ihm Individualität, weckt die Affekte, die er transportieren soll. Vordergründig-plakatives Protzen - lauter, höher, schneller - das ist nicht ihr Metier. Midori verlässt sich auf die suggestive Kraft ehrlichen, authentischen Musizierens, und das gewinnt dann wirkliche Größe. Sie und das Ensemble verstehen sich als gleichberechtigtes Team. Man wirft sich die Musik-Bälle nur so zu, wechselt zwischen Führen und Begleiten, ein wahres Hörvergnügen.

Hier und bei den Violinkonzerten konzentrieren sich auch die Erfahrungen der Münchener mit historischer Aufführungspraxis: In den musikalischen Gesten, der Rhetorik, der zielgerichteten Darstellung von Motiven und Themen. Immer wieder lässt die hohe Piano-Kultur aufhorchen, das Orchester wie Frau Midori können immer noch weniger, ohne dass es dünn oder belanglos wird. Schon das Anfangsmotiv von BWV 1042, der oft so lärmend hingefetzte E-Dur-Dreiklang erklingt hier wie ein fragender Geistesblitz der neugierig macht, der mit Spannung durch das Werk leitet.

Als Zugabe spielt die international hochrenommierte Geigerin das Preludio aus Bachs E-Dur-Partita BWV 1006, herüber strahlend wie aus einer anderen Welt.

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