02.09.2021 - 17:11 Uhr
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Oberpfälzer Preisträger: Sie helfen Geflüchteten auch in Pandemie

Integration lebt von Nähe, in Corona-Zeiten heißt es aber Abstand halten. Dennoch haben Initiativen und Einzelpersonen in der Oberpfalz die Integration von Geflüchteten und Migranten vorangetrieben. Fünf von ihnen wurden nun ausgezeichnet.

Den Oberpfälzer Integrationspreis nahmen entgegen: (von links) Tim Schlierkamp-Voosen, Taqwa Gad, Nezamuddin Haydari, Alexandra Geiger, Esther Burkert, Brigitte Ertl und Roland Troidl. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Axel Bartelt gratulierten.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Der Distanzunterricht war für viele Familien eine Herausforderung. Geflüchtete Familien mit wenig Deutschkenntnissen und fehlendem technischem Equipment traf es besonders hart. Hier setzte der Verein „Hilfe für Geflüchtete und Menschen auf der Flucht Regensburg“ an. Die Vereinsmitglieder halfen durch eine Sprachbarriere benachteiligten Schülern dabei, den Homeschooling-Unterricht vor- und nachzubereiten. Sie unterstützten auch bei der Anschaffung von digitalen Endgeräten. Nachhilfe erteilten sie teils selbst oder sammelten Spenden dafür. Für sein Engagement wurde der Verein mit dem ersten Preis ausgezeichnet, der mit 2000 Euro dotiert ist. Alexandra Geiger und Esther Burkert nahmen die Urkunde stellvertretend entgegen.

Der zweite Preis ging an zwei Projekte, die jeweils 1000 Euro Preisgeld erhielten. An der Grund- und Mittelschule Ammersricht in Amberg gibt es eine Praxisklasse, in der viele Schüler einen Migrationshintergrund haben. Sie werden nicht nur auf das spätere Berufsleben vorbereitet, sondern lernen auch offen gegenüber Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zu sein, ohne dabei ihre eigene Identität aufgeben zu müssen – etwa mit dem Projekt „Glaube bedeutet Toleranz“. Klassenlehrer Roland Troidl nahm den Preis entgegen. Ebenfalls mit einem zweiten Preis ausgezeichnet wurde der Verein Migrantenmedizin Regensburg, der von Medizinstudenten geründet wurde. Die Mitglieder betreuen Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund etwa bei Arztterminen. Sie organisieren Dolmetscher und vermitteln bei bürokratischen Hürden. Taqwa Gad und Tim Schlierkamp-Voosen nahmen den Preis stellvertretend in Empfang.

Preisträger aus Schirmitz

Mit je 500 Euro waren die zwei dritten Preise dotiert. Nezamuddin Haydari aus Schirmitz (Kreis Neustadt/WN) kam selbst als Geflüchteter nach Deutschland und ist schon länger beim Netzwerk Asyl in Weiden engagiert. Vom ehemaligen Analphabeten brachte er es bis zum Abitur am Kepler-Gymnasium in Weiden. Innerhalb des Netzwerks Asyl leitet Haydari die „Gruppe Jugendliche“. Mit dem Preisgeld möchte er einen neuen Verein namens „Second Chance“ aufbauen, um die Integration von anerkannten Geflüchteten in Weiden zu erleichtern. Ebenfalls ein dritter Preis ging an Brigitte Ertl aus Bad Kötzting (Kreis Cham). Sie ist seit Jahren in der Gemeinschaftsunterkunft Bad Kötzting ehrenamtlich tätig – und verstärkte ihr Engagement in der Pandemie noch. Sie erledigte Besorgungen für Heimbewohner, die in Quarantäne mussten, half bei bürokratischen Angelegenheiten und stand mit Rat und Tat zur Seite – sogar nachts und am Wochenende.

Integration als Daueraufgabe

„Die Preisträger verdeutlichen, dass es im Freistaat unglaublich viele Erfolgsgeschichten von engagierten Menschen gibt, die sich täglich für eine gelingende Integration einsetzen“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Donnerstag bei der Verleihung des Oberpfälzer Integrationspreises im Spiegelsaal der Regierung der Oberpfalz in Regensburg. Für die Gesellschaft bleibe Integration eine Daueraufgabe – auch weil Deutschland wegen seiner Altersstruktur weiter auf Zuwanderung angewiesen ist.

„Sie sind ein Vorbild für uns alle“, sagte der Oberpfälzer Regierungspräsident zu den Preisträgern. Ihre Beispiele würden zeigen, dass Integrationsarbeit auch in der Pandemie möglich ist. Bartelt nutzte seine Begrüßungsworte, um einen Impf-Apell an alle zu richten. Auch Geflüchtete und Migranten sollten mit einer Corona-Impfung einen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten, meinte der Regierungspräsident.

Verein "Second Chance"

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:
  • Der Integrationspreis der Regierung der Oberpfalz wird seit 2008 verliehen und ist mit insgesamt 5000 Euro dotiert.
  • Bewerben können sich Initiativen und Projekte in der Oberpfalz, die in besonderer Weise die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund fördern.
  • Der Preis soll das Engagement ehrenamtlich engagierter Bürger im Bereich der Integration bekannt und sichtbar machen.
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