31.08.2021 - 17:11 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vom Flüchtling zum Helfer: Karim Haydari gründet Verein "Second Chance"

Karim Haydari kam vor sechs Jahren als Flüchtling in die Oberpfalz. Nun hat der 22-Jährige einen Verein gegründet, um anderen Asylsuchenden zu helfen. "Second Chance" trifft sich am Freitag zum ersten Mal in der Max-Reger-Halle Weiden.

Seit 2015 lebt Karim Haydari aus Afghanistan in Deutschland. Um auch andere Flüchtlinge bestmöglich unterstützen zu können, gründet er den Verein "Second Chance".
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Den Wunsch, mit seinem Wissen und seinen Erfahrungen, anderen Flüchtlingen unter die Arme zu greifen, hegt Karim Haydari schon lange. "Ich habe mir vor ein paar Jahren vorgenommen, einmal einen Verein zu gründen", erzählt der 22-Jährige, der aus Afghanistan stammt. Doch bevor er sich um andere kümmert, wollte er seine eigene Ausbildung in trockenen Tüchern wissen. Nach der Mittleren Reife wechselt er ans Kepler-Gymnasium Weiden, um 2020 sein Abitur zu machen. Mittlerweile studiert er Politikwissenschaften, Geschichte und Medienwissenschaften.

Auch wegen Corona ging die Vereinsgründung nicht so schnell von statten, wie sich der junge Afghane das vorgestellt hat. Doch ist er froh, am Freitag, 3. September, um 19.30 Uhr zur Gründungsversammlung in die Weidener Max-Reger-Halle einladen zu können. Interessierte sind noch willkommen, müssen sich aufgrund der Coronapandemie allerdings per E-Mail (secondchance-verein[at]web[dot]de) anmelden.

Die ersten schweren Monate

Haydari kann bereits jetzt mit Unterstützung rechnen. "30 bis 40 Leute wollen kommen", erzählt er. Insgesamt sind 100 Personen bei der Veranstaltung zugelassen. Ziel des Vereins soll sein, sich um alle Flüchtlinge zu kümmern, die in den ersten schweren Monaten in einem neuen Land Hilfe benötigen. Karim Haydarin erinnert sich an die Zeiten zurück, als er auf Unterstützung angewiesen war. Der AK Asyl habe ihn beispielsweise bei Behördengängen begleitet. "Es hat viele Menschen gegeben, die an mich geglaubt haben", ist er all seinen Freunden und Helfern dankbar.

Doch auch die momentane Lage in Afghanistan beschäftigt ihn sehr. Mit großer Sorge verfolgt er die Geschehnisse in seinem Heimatland. Seiner Meinung nach ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis aus Afghanistan ein islamischer Staat geworden ist. Auch wenn sich die Taliban aktuell noch zurückhalten würden. Gemeinsam mit weiteren Flüchtlingen will er am Freitag bei der Versammlung über die Probleme und die aktuellen Entwicklungen in seiner Heimat sprechen.

Mit 9 Jahren in die Türkei

Die Kindheit und Jugend von Karim Haydari war nicht einfach. Der Vater starb, als er 5 Jahre alt war. Nachdem er eine Zeitlang in einer Koranschule im Iran gelebt hat, holt ihn mit 9 Jahren ein Bruder zu sich in die Türkei. Dort geht er nicht zur Schule, sondern arbeitet in einer Fabrik. Nach mehreren Fluchtversuchen schafft es Karim 2015 endlich nach Deutschland zu kommen. Als er nach etlichen Wochen voller Angst und eingepfercht in Lkw in Waidhaus ankommt, ist er 16 Jahre alt.

Fußball und Freundin

Der aufgeschlossene Jugendliche integriert sich schnell, schließt sich einer Fußballmannschaft an und findet schnell Freunde. 2017 beginnt eine erneute Zitterpartie, als ihm ein Abschiebungsbescheid ins Haus flattert. Doch mit der Hilfe von Freunden und Unterstützern legt er mit Erfolg Widerspruch ein. Ein weiterer Grund nun anderen zu helfen. Mittlerweile wohnt er mit seiner Ehefrau in Schirmitz. Den Aufenthaltstitel erreichte er aber durch die Möglichkeit eines neuen Gesetzes, es Jugendlichen vor Vollendung ihres 17. Lebensjahrs ermöglicht, durch Bildung, Arbeit und Integrationsleistungen in die Gesellschaft einzubringen.

Eigentlich hatte Karim Haydari geplant, in sein Heimatland Afghanistan zu reisen und vor Ort seine Hilfe anzubieten, doch daraus wird vorerst nichts. "Das geht nun leider nicht mehr", bedauert er. "Vielleicht beruhigt sich die Lage irgendwann. Wir müssen abwarten."

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