17.07.2020 - 20:13 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Im Auto zum Abizeugnis

"Sowas hat’s noch nie gegeben und wird es wahrscheinlich nicht wieder geben." Studiendirektor Johannes Wagner beendet mit diesen Worten die „verrückte Abifeier“ des Weidener Kepler-Gymnasiums. Eine Einserschülerin hatte die rettende Idee.

Studiendirektor Johannes Wagner spricht zu Autos – in denen natürlich seine Abiturienten und deren Begleiter sitzen.
von Ernst FrischholzProfil

Die Abifeier als großer Festakt mit Zeugnisübergabe in der Max-Reger-Halle oder im Vereinshaus. Die Hauptakteure in Anzug und Festkleid. Danach gemeinsam Feiern in der Stadt. Das war mal. Heuer ist vieles anders.

Am Autokino „Bergler-Rasthof“ in Windischeschenbach wurde gefeiert. "Das Kepler-Gymnasium beschreitet in einer besonderen Zeit einen besonderen Weg", sagte am Freitagabend stellvertretender Schulleiter Johannes Wagner.

Die Abifeier hatte Schülerin Franzi Sammet gerettet. Sie hatte, als man vor dem „Sein oder Nichtsein“ gestanden war, die Idee „Autokino Bergler“. Daraufhin war die Organisationsmaschinerie der beiden Oberstufenkoordinatoren Markus Koller und Peter Schönberger angelaufen. Und am Freitag zeigte sich: Die Idee funktionierte, mehr noch, sie klappte hervorragend.

116 Abiturienten waren auf dem weiten Platz vor der Bühne im bis 200 Autos zugelassenen Areal verteilt. Eine Kinoleinwand gab das Geschehen auf der Bühne wieder. Es war sogar ein Roter Teppich für den Gang zum Zeugnisempfang ausgerollt. Es gab kein Abstandsproblem. Vernünftige junge Leute holten sich ihr Zeugnis, teils im Abendkleid und Anzug mit Fliege, teils in Jeans und Shirt. Statt Applaus hupten die Autos – so begeistert wurde bei keiner Abifeier der vergangenen Jahre per Hand applaudiert wie hier mit dem Druck aufs Lenkrad.

Wagner leitete die Feier mit dem Aufruf: "Ab ins Auto, Frequenz 105,6 im Autoradio" ein. Solch Umstände der besonderen Art – Schulleiterin und Oberstudiendirektorin Sigrid Bloch musste erkrankt passen – hätte er sich nie in seinem Leben vorstellen können. Stressige und nervöse Wochen seien vorbei, "und nicht nur Sie, liebe Abiturienten, sondern auch alle Lehrkräfte des Keplers, haben Anlass, glücklich und zufrieden zu sein".

Wagners Botschaft war das Schlagwort „Zukunft“, das auf der limitierten Kepler-Tasse stand, die alle mit dem Zeugnis erhielten. "Sie machen Zukunft", rief der Pädagoge per Autoradio ins weite Rund und ein lang anhaltendes Hupkonzert ertönte. Wagner gab den jungen Menschen auf den Weg, dass es gelte, soziale Wahrnehmungen und Kreativität zu paaren. "Kümmern Sie sich um Ihre Zukunft, denn Sie werden Ihr Leben darin verbringen", sagte Wagner per Funk in die Autoradios.

"Ihr seid klüger als zuvor, denn ihr konntet wohl den verrücktesten Abiturjahrgang hier am Kepler erleben", sagten die Schülersprecher Johannes Loibl, Aurelia Bodenmeier und Naemi Prähofer. Franzsika Sammet und Gabriel Tretter ließen als „Abi-Sprecher“ ein Jahr in Situationen Revue passieren. Beginnend in der noch heilen Welt mit Studienfahrten in die Bretagne, Wandern in London und einem unerklärlichen Besuch in Edinburgh bis zum Oberstufenfasching. "Wir sind gerne ins Kepler gegangen", betonten sie, begleiten von langem Hupen. Das Wichtigste, das sie in den vergangenen Monaten vermittelt bekommen haben: „Aufgeben gibt es nicht.“

"Wir alle haben, von der Schulleitung beginnend zusammengehalten", sagten Sammet und Tretter. Deshalb der Dank ans Lehrerkollegium. „Wir können uns glücklich schätzen, Sie im Unterricht gehabt zu haben.“

Die Abifeier in Neustadt

Neustadt an der Waldnaab
Das sind die Spitzenabsolventen des Kepler mit einem Schnitt bis 1,5. Die Idee zur Autokino-Abifeier hatte Schülerin Franzi Sammet (Zweite von links).
Die besten Schüler:

Abiturienten mit 1,0: Johanna Pöllath, Marius Kloos. Abiturienten bis einschließlich 1,5: Philipp Aderbauer, Teresa Bodenmeier, Sara Butz, Korbinian Friedl, David Hentschke, Simon Hoffmann, Carsten Kellner, Sebastian Kneidl, Miriam Lindner, Lara Marterer, Linus Meierhöfer, Rebecca Reichl, Franziska Sammet. (fz)

Etwas menschlichen Kontakt gibt es dann doch auf der Bühne bei der Zeugnisübergabe.
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