13.02.2020 - 16:57 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Platz frei für Aaron Aachen

Bislang lief alles gut: Im Rahmen der "Position R" stellte der "Leere Beutel" in Regensburg regelmäßig Künstler der Stadt vor. Aber bei Florian Toperngpong läuft plötzlich alles anders.

Florian Toperngpong ist immerhin Kulturpreispräger der Stadt Regensburg. Seine schon aufgebaute Ausstellung im „Leeren Beutel“ muss daher auch nicht allzu schnell weichen.
von Susanne WolkeProfil

Die Erde ist eine Kugel und kein Oval, und ein Ei kann die Welt ebenso wenig erklären wie eine Honigmelone. So und nicht anders lässt sich das Vorgehen des "Bayerische Zentralfonds für Kunst und Kultur" (BZFKK) erklären. Buchstäblich aus dem Nichts ist das "Zentralfonds" in Erscheinung getreten, macht sich dieser in Regensburg auf der Stelle unbeliebt.

Angeblich zeigt sich nämlich gerade diese nebulöse Macht des Kulturlebens dafür verantwortlich, dass auf den aktuellen Einladungen der Städtischen Galerie Regensburg zwei dicke rote Balken prangen. Knallhart durchgestrichen ist hier die Fotografie einer Melone samt Ei auf dem Rücken. Die zensierte Arbeit stammt von Florian Toperngpong, Kulturpreisträger der Stadt Regensburg. "Position R 9 mit Florian Toperngpong entfällt", lässt der Leere Beuel wissen. Stattdessen: "100 Fundstücke, die die Welt erklären."

Bislang nicht vertraut

Die Sammlung eines gewissen Aaron Aachen, dem sinnigen Kunstpublikum bis dato ebenso wenig vertraut wie der dahinterstehende "BZFKK", wird Regensburg nun also ersatzweise vorgesetzt. Zu sehen sind dabei mehr oder weniger bekannte Gegenstände, oftmals aus dem Alltag gegriffen. Schallplatten, Stofftiere aber auch ein Stein, der angeblich einst Mahatma Gandhi als Kopfkissen gedient hat.

Die teils hanebüchenen Erklärungen zur Sammlung Aaron Aachens gehen einher mit einer ungewöhnlich laxen Haltung vonseiten der Städtischen Galerie. Dort hat man sich nämlich nicht einmal die Mühe gemacht, die bereits aufgebauten Ausstellungsstücke des aus dem Rennen geworfenen Florian Toperngpong zu entfernen.

"Keine Zeit", kommentiert Direktor. Reiner Meyer das Versäumnis. Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer ruft gar zum allgemeinen Ungehorsam auf. Man dürfe ruhig in den verbotenen Ausstellungstrakt hineinlugen, gibt sich die Bürgermeisterin ungewohnt rebellisch. Allzu schwierig ist das nicht. Nur ein notdürftig angebrachter Vorhang trennt Florian Toperngpong von Aaron Aachen. Was der wissbegierige Eindringling dahinter entdeckt, ist dem Ansatz der offiziellen Schau nicht so unähnlich. Vermeintliche Wegwerfobjekte oder auf Zettel gekritzelte Gedanken zu verschiedenen Themen dieser Welt rücken Toperngpong und Aachen verdächtig nah zusammen.

"Ich schaffe Verwirrung"

"Ich spiele gerne mit dem Publikum und schaffe Verwirrung", zu diesem Statement lässt sich der offiziell hoch beleidigte Florian Toperngpong hinreißen. Reiner Schmidt, der angesichts des aufgedrängten Ausstellungsprogramms eigentlich "stinksauer" ist, lächelt dazu wohlwollend.

Ein rotes Kreuz überzieht Einladung und Plakate der aktuellen Schau im "Leeren Beutel". Ein großes Fragezeichen hinterlässt die Aktion beim Besucher. Die Welt lässt sich nicht so leicht erklären. Und diese Ausstellung schon gar nicht.

Info:

Service

Die Ausstellung „100 Fundstücke, die die Welt erklären“, öffnet am Freitag, 14. Februar (18 Uhr), in der Städtischen Galerie im „Leeren Beutel“, Bertoldstraße 9, und läuft dann bis zum 22. März. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Am Faschingsdienstag ist geschlossen. Am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei. Weitere Infos unter Telefon 0941/507-2440 oder unter www.regensburg.de/museen. (wsu)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.