Update 11.04.2019 - 09:44 Uhr
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Raffiniertes Spiel eines Klangfarben-Magiers

Schon wieder haben die Odeon Concerte ein Ensemble von Weltrang ins Audimax gelotst: Das Japan Philharmonic Orchestra unter dem finnischen Dirigenten Pietari Inkinen mit Rautavaara, Beethoven (Klavier: Jonathan Biss) und Tschaikowsky.

Der finnische Dirigent Pietari Inkinen lässt aufhorchen.
von Peter K. DonhauserProfil

Der hochtalentierte Dirigent Pietari Inkinen (38) fing das Konzert am Sonntagabend im Regensburger Audimax mit Musik seines Landsmanns Einojuhani Rautavaara (1928-2016) an. Passend gewählt "In the Beginning", das letzte vollendete Werk des für seinen religiös-transzendentalen Ansatz bekannten Finnen. Aus dem Dunkel eines mystischen Gongschlags heraus meditiert er über Bausteinen der Moll-Tonleiter, sucht in impressionistischem Dissonanz-Nebel immer wieder Rückhalt bei bekannten tonalen Akkorden, strebt gleichsam zum Licht der Schöpfung. Kaum hat man sich eingehört, endet das Opus abrupt nach knapp sieben Minuten.

Beethovens Klavierkonzert c-Moll op. 37 ist das dritte von fünf Geschwistern. Es ist das einzige Moll-Konzert des Meisters, Mozarts düstere Werke KV 466 (in d) und KV 491 (in c) scheinen inspirierende Paten gewesen zu sein. Alle Achtung: Beethoven hat 1803 bei der Uraufführung den Klavierpart weitgehend improvisatorisch gespielt und erst 1804 für den Druck aufgeschrieben. Der 38-jährige amerikanische Pianist Jonathan Bliss - ein Klangfarben-Magier erster Güte - wagt den Spagat, die notierten Töne zwar mit aller Akkuratesse aber doch mit dem Freigeist der Improvisation zu spielen.

Traumhaft organisch und natürlich phrasiert er die Themen, beschleunigt sie, lässt sie atmen, auslaufen, streut raffiniert rhythmisches Salz darüber. Eine große Herausforderung für das Zusammenspiel. Doch dank des hellwachen, glasklaren, vokal-weichen Dirigats von Pietari Inkinen musiziert Japan Philharmonic unglaublich präsent und reaktionsschnell. Da navigiert kein träges Fährschiff, sondern ein wendiges Schnellboot. Sie beherrschen die Kunst des leisesten Spiels, des Zuhörens, den geschmeidigen Wechsel von Motiven zwischen Klavier und Orchester. Ob düstere, ernste, drohende, versöhnende, liebliche Affekte, Inkinen gestaltet mit Empfindung, überzeichnet aber nicht mit schroffen Kontrasten. Jonathan Biss musiziert mit bewundernswerter Souveränität, hochdifferenziertem Anschlag, Kraft, Spontaneität und Spannung. Den Soloanfang des berückend ausdrucksvollen 3/8-Takt-Largos nimmt er allerdings so langsam, dass der Achtelpuls wie auch die rhythmische Kontur des Themas nur schwer zu fassen sind. Spannend ausgeleuchtet die Zugabe, das Adagio cantabile aus der "Grande Sonate Pathetique" op. 13.

Nach der Pause steht die Symphonie Nr. 4 f-Moll op. 36 von Peter Tschaikowsky an. Inkinen setzt auf erhabene Größe, nicht vorlauten Lärm, ergreifende Tragik, nicht Rührseligkeit. Perfektes, ungemein schattiertes Pizzicato-Spiel im Scherzo. Er zielt auf das Finale und lässt erst dort den Emotionen freien Lauf. Japan Philharmonic zeigt konzentrierte Disziplin, Perfektion, beachtenswerte Qualität der Solisten: Klarinette im ersten Satz, Oboe, Fagott im Andantino, Blech im Finale. Wie es war am Anfang, so ists am Ende: Als Zugabe finnische Musik, "Valse triste" op. 44 von Sibelius, die man selten so delikat verschattet gehört hat.

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