Regensburg
15.03.2020 - 22:12 Uhr

Regensburg bekommt eine Frau als OB

Die große Überraschung ist im Regensburger Wahl-Krimi ausgeblieben. Der wegen Korruptionsvorwürfen suspendierte OB Joachim Wolbergs erzielte zwar einen Achtungserfolg, schaffte es aber nicht in die Stichwahl. Dort stehen nun zwei Frauen.

Kein Handshake wegen Corona: Die beiden OB-Kandidatinnen, die es in die Stichwahl geschafft haben, im Sicherheitsabstand: Astrid Freudenstein (links) und Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Bild: gib
Kein Handshake wegen Corona: Die beiden OB-Kandidatinnen, die es in die Stichwahl geschafft haben, im Sicherheitsabstand: Astrid Freudenstein (links) und Gertrud Maltz-Schwarzfischer.
Gefasst reagierte Joachim Wolbergs (Brücke) auf das Ergebnis. Bild: gib
Gefasst reagierte Joachim Wolbergs (Brücke) auf das Ergebnis.

Tummelten sich bei früheren Regensburger Wahlveranstaltungen die Menschen dichtgedrängt im urigen „Leeren Beutel“, hieß es an Sonntagabend im modernen Marinaforum: Abstand halten. Wegen des Coronavirus waren nur Medienvertreter sowie die OB-Kandidaten mit je zwei Stadtratskandidaten zugelassen. Unspektakulär verlief die Verkündung der ersten Ergebnisse gegen 18.30 Uhr: Von den vier heiß gehandelten Kandidaten war nur Stefan Christoph (Grüne) anwesend und der war mit am Ende 14,41 Prozent aus dem Rennen.

Abgeklärt, und doch enttäuscht betrat Joachim Wolbergs (Brücke) später den Saal. 17,71 Prozent der Stimmen holte der suspendierte OB. Sein Ziel, in die Stichwahl zu kommen, habe er verfehlt, statierte er nüchtern. Später machte er in Gesprächen doch deutlich, wem er es zuschreibt, dass er seinen Wahlerfolg von 2014 nicht wiederholen konnte. Ohne die – aus seiner Sicht haltlosen – Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hätte es keine Stichwahl gegeben, meinte er. Er wäre im ersten Wahlgang wiedergewählt worden. „Man kann es sich im Leben nicht aussuchen“, bemerkte er frustriert.

Gelöst und siegessicher erschienen die beiden Gewinnerinnen des Wahlabends: Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD), die seit Wolbergs‘ Suspendierung 2017 als zweite Bürgermeisterin die Amtsgeschäfte führt, freute sich über ihr Ergebnis: 22,16 Prozent der Regensburger gaben ihr ihre Stimme. Mit Blick auf die Stichwahl gab sich Maltz-Schwarzfischer optimistisch. Sie glaube, dass die Wähler der nun ausgeschiedenen Parteien zum Großteil ihr das Vertrauen schenken werden, sagte die 59-Jährige.

Am längsten auf sich warten ließ Wahlgewinnerin Astrid Freudenstein (CSU), die am Ende 29,49 Prozent der Stimmen auf sich versammeln konnte. Entsprechend ungeduldig erwarteten die Journalisten sie schon an der Eingangstüre. Freudenstein desinfizierte sich – wie alle Gäste – noch schnell die Hände und trat dann freudestrahlend vor die Kameras: In dem zersplitterten Kandidatenfeld sei das Ergebnis ein „riesiger Erfolg“, sagte die 46-Jährige. „Wir hoffen, dass wir den Schwung mitnehmen können für die zweite Runde.“

Ganze elf Kandidaten hatten sich um den Regensburger OB-Sessel beworben. Ludwig Artinger (Freie Wähler) erhielt 5,26 Prozent, Benedikt Suttner (ÖDP) 3,71 Prozent. Für Horst Meierhofer (FDP) stimmten 2,14 Prozent, für Irmgard Freihoffer (Linke) 1,81 Prozent. Christian Janele (CSB) erhielt 1,35 Prozent, Ingo Frank (Die Partei) 1,26 Prozent. Jakob Friedl (Ribisl) holte 0,72 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,37 Prozent – etwa drei Prozentpunkte höher als 2014.

Jubel gab es im Regensburger Landratsamt bei Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler). Sie wurde mit überwältigender Mehrheit im Amt bestätigt: 68,15 Prozent der Wähler stimmten für die 41-Jährige. Sie ließ ihre Gegenkandidaten Rainer Mißlbeck (CSU, 20,33 Prozent), Sonja Kessel (Grüne, 7,71 Prozent) und Reinhard Peter (SPD, 3,81 Prozent) weit hinter sich.

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