10.02.2020 - 16:23 Uhr
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Reiches Musikerbe

Der bekannte Regensburger Gitarrist Helmut Nieberle ist mit 63 Jahren gestorben. Er hinterlässt ein reiches Musikerbe

Der Regensburger Gitarrist Helmut Nieberle ist mit 63 Jahren an Krebs verstorben.
von Autor MSRProfil

Vor weniger als zwei Monaten konnte man ihn noch bei einem Konzert mit Bolero Berlin im Theater Regensburg erleben. Da frass sich der bösartige Tumor bereits seit Monaten durch sein Knochengewebe. In einem Telefoninterview vor dem Konzert hat er noch untersagt die Erkrankung zu erwähnen. Helmut Nieberle wollte, dass die Menschen wegen der Musik kommen und nicht, um ihn ein letztes Mal zu hören.

Diese Haltung ist typisch für den großen Gitarristen gewesen, der jetzt an den Folgen seiner Erkrankung gestorben ist. Nieberle war ein introvertierter, bescheidener Künstler, dem es immer wichtiger war, die Musik in den Vordergrund zu stellen als sein eigenes immenses Können. "Es gab in Regensburg niemand, der ihn je erreicht hätte", seufzt der Pianist Hans Huber traurig über seinen Freund, der bei ihm Unterricht in Komposition und Harmonielehre genommen hat.

Hartnäckiger Ehrgeiz

Über 30 Jahr lang war der 1956 in Kaufbeuren geborene Nieberle an der städtischen Musikschule in Regensburg als Pädagoge tätig. In dieser Zeit hat er zahlreiche Instrumentalisten beeinflusst und Regensburg zur Stadt der (Jazz-)Gitarristen gemacht. Dabei ist er selbst Autodidakt gewesen und hat sich mit hartnäckigem Ehrgeiz in Workshops bei Attila Zoller, Barney Kessel, Jim Hall und Joe Pass stetig verbessert und entwickelt.

Viele Anhänger in Bayern

Als 17-Jähriger entdeckte er die Musik Django Reinhardts, die in zeitlebens nicht mehr losließ. In hoch gelobten Duos mit den Gitarrenkollegen Helmut Kagerer, Jim Mullen und Milorad Romic, sowie mit dem von ihm 1983 gegründeten Quintett Cordes Sauvages spielte er sich mit Standards und älteren Jazztiteln in neuen Arrangements, Latinjazz und eigenen Kompositionen in die Herzen zahlloser Anhänger in Ostbayern und weit darüber hinaus.

Zudem hat Nieberle Musik für Theater und Film geschrieben, Kinderstücke kreiert, verarbeitete Barockmusik in swingenden Sounds und etliche Alben im Bobtale-Studio seines ebenfalls früh verstorbenen Freundes Bob Rückerl aufgenommen. Er war auch an Plattenaufnahmen von Sam Rivers, Chico Freeman und Arthur Blythe beteiligt. Für sein Duoprojekt mit Kagerer erhielt er den Kultur-Förderpreis des Freistaats Bayern. Nieberle war mit der Saxofonistin und Flötistin Franzi Forster verpartnert, die beiden traten oft zusammen auf.

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