19.03.2020 - 11:16 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Reisen, entdecken, sammeln

Vor 20 Jahren starb Michaela Riese. Nach ihr ist die Kunstsammlung benannt. Heute im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg untergebracht, ist dort nun ein Teil der "Michaela Riese Stiftung" zu sehen.

Vier tschechische Künstler und ihre Arbeiten bilden den Hauptteil der aktuellen Ausstellung „reisen.entdecken.sammeln“ im Kunstforum Ostdeutsche Galerie.
von Susanne WolkeProfil

Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Sowieso klar. Einen ganz besonderen Reiz nimmt diese Tatsache derzeit im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg an.

Denn einerseits ist da der Journalist Hans-Peter Riese, allein schon berufsbedingt auf ein gewisses Erzähltalent hoffen lassend. Des weiteren: eine Reihe von Künstlern, die das Erlebte auf ganz individuelle Weise zu verarbeiten wissen. Und drittens: der zeitliche Hintergrund. Es ist die Epoche des Eisernen Vorhangs, die in der aktuellen Schau in Regensburg wieder aufgegriffen wird.

"reisen. entdecken. sammeln." Die drei Titelwörter der aktuellen Ausstellung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie sind getippt wie mit der guten alten Schreibmaschine. Als Reminiszenz an längst vergangene Typografie stehen die Lettern ebenso für die momentan im Kunstforum gezeigten Arbeiten wie auch für das Lebenswerk des Hans-Peter Riese.

Letzteres umfasst zwei Bereiche: Als westdeutscher Journalist war Riese zu Zeiten des Eisernen Vorhangs in Osteuropa unterwegs. "Er gehörte zu den Botschaftern zwischen den beiden Welten", diese Äußerung von Seiten des Kunstforums meint nicht nur die reine Berichterstattung.

Denn auf seinen Reisen entdeckte Hans-Peter Riese die Kunst jenseits des Eisernen Vorhangs. Er begann, diese zu sammeln. Gemeinsam mit seiner Frau Michaela, ebenfalls Journalistin, baute er eine Sammlung auf.

Eben diese befindet sich seit dem Jahr 2008 im Kunstforum Regensburg. Die "Michaela Riese Stiftung" wie sie in Erinnerung an Rieses verstorbene Frau genannt wurde, umfasst rund 270 Werke tschechischer, russischer, polnischer und auch deutscher Künstlerinnen und Künstler.

Zum 20. Todestag Michaela Rieses (1942 bis 2000) präsentiert das Kunstforum nun einen ausgewählten Blick auf die Sammlung. "reisen. entdecken. sammeln" lautet dabei das Motto. Als Einführung dienen eigene Reportagen Hans-Peter Rieses aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Begleitet werden diese durch Fotos von dessen einstiger Redaktionskollegin Barbara Klemm.

Vier ausgewählte tschechische Künstler geben anschließend Einblick in die Sammlung. Dabei handelt es sich um sind Jirí Kolár, Jan Kubícek, Milos Urbásek und Zdenek Sýkora.

"Im Fokus stehen Werke aus der jüngsten, 2019 erfolgten Zustiftung", heißt es zur Auswahl. Allen vier Künstlern gemein ist dabei der Aspekt des Konstruktivistischen. Jan Kubícek (1927 bis 2013) griff flächige Elemente oder Linien auf und positionierte diese in vielfältiger Weise. Ähnlich systematisch arbeitete auch Milos Urbásek (1932 bis 1988). Auch er analysiert Formen und zerlegt sie, um die Teile dann auf unterschiedliche Weise wieder zusammenzufügen.

Zdenek Sýkora (1926 bis 2011) nutzte als einer der ersten deutschen Künstler ab 1964 den Computer, um alle Variationen von Elementen und Farben errechnen zu lassen. Jirí Kolár schließlich (1914 bis 2002) fand als Dichter den Einstieg zur bildenden Kunst über das Wort und den Buchstaben. Ein in der Ausstellung gezeigtes "Tiefengedicht" ist ein Beispiel für seine collagierten Schreibmaschinen-Grafiken - "Sinnbilder der Konkreten Poesie", so die Beschreibung von Seiten des Museums.

Es sei eine schöne Idee, die ausgewählten Künstler zum 20. Todestag seiner Frau zu zeigen, äußerte sich Hans-Peter Riese im Vorfeld der Ausstellung. Der Journalist und seine Künstlerfreunde leisten mit der Schau einen besonderen Beitrag nicht nur zur Reiseerzählung sondern auch zur Geschichte.

Die Ausstellung "reisen. entdecken. sammeln" läuft bis zum 3. Mai im Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Dr.-Johann-Maier-Straße 5 in Regensburg. Weitere Infos gibt es unter www.kunstforum.net.

Hans-Peter Riese hat seine Sammlung dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie übergeben. Zum 20. Todestag seiner Frau Michaela zeigt das Museum einen ausgewählten Blick auf die Stiftung.
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