05.03.2019 - 12:18 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Rosenmontags-Konzert ohne Blechschaden

Tatsächlich: Viele Musikfreunde folgten der Einladung der Odeon Concerte zu einem Rosenmontagszug ins Audimax. „Canadian Brass“ versprach einen jahreszeitlich passenden vergnüglichen Abend.

Canadian Brass.
von Peter K. DonhauserProfil

Auch die fünf famosen und sympathischen Blechbläser beginnen mit einem bluesigen Rosenmontagseinmarsch von hinten die Stufen herab zur Bühne. Die kanadische Flagge führen sie nicht mit, aber sie tragen Ultra-Boost-Sneaker in deren Farben - weiß, mit drei Adidas-Streifen in Kanada-Rot. Dabei ist "Canadian Brass" eigentlich irreführend: Keiner ist dort geboren, nur Chef-Tubist Chuck Daellenbach dorthin umgezogen.

Das vielseitige Programm wechselt locker die Fronten zwischen Stilen und Gattungen, Klassik und Jazz, Ernst und Witz. Die launig-humorigen Moderationen (deutsch wie englisch) fügen erstaunlich gut zusammen, was eigentlich gar nicht zusammen gehört. Gleich bei dem einleitenden Tanzsatz "Damigella Tutta Bella" von Claudio Monteverdi blitzt das hochvirtuose instrumentale Können der Fünf auf - und ganz ordentlich singen können sie auch noch.

Blitzsauber, abschattiert und leichtfüßig die Ouvertüre zu Mozarts "Zauberflöte". Wunderbar transparent und beweglich zwei Bach-Fugen: Diesmal nicht vom I-Pad, sondern auswendig gespielt die g-Moll BWV 578 für Orgel (so lebendig atmend würde jeder Organist sein Instrument gern tönen lassen) und die c-Moll aus dem Wohltemperierten Clavier I mit triolisch swingenden Sechzehntelnoten. Prima gelingt die Umsetzung der pianistischen Klänge aus Schumanns "Carneval" op. 9.

Von da eilt man zum Karneval in Venedig: Trompeter Caleb Hudson hat sich eine höchst herausfordernde Variationenkette auf den Leib geschrieben, die mehrfach Szenenapplaus provoziert. Dann lauert schon der bekannte "Tiger Rag", musiziert mit Esprit und Witz. Hier schlägt die große Stunde von Chef Daellenbach: Beim runden Klang seines Instruments möchte man wie einst Gerard Hoffnung hintersinnig eine "Stradivari-Tuba" wittern.

Auch die Kollegen stehen beiden nicht nach: der schelmische Hornist Jeff Nelson und der elegante Posaunist Achilles Liarmakopoulos. Im Ensemble erreichen sie einen geschlossenen, weichen, farbenreichen Klang, der sogar Assoziationen zu Klarinette und Saxofon liefern kann. Trompeter und singender "Ritter des hohen C", Christopher Coletti, serviert nach der Pause eine grandiose Improvisation über "Amazing Grace" - man hat eben Jazz mit der Muttermilch aufgenommen.

Wie eine nächtliche Meditation (mit Blaulicht) das Quintett des Filmkomponisten Michael Kamen. Dann der tänzerische Sprung nach Lateinamerika mit "Vals Venezolano" und dem hinreißenden "Libertango" von Piazolla.

Als abschließendes Highlight "Carmen" von Georges Bizet, mit gekonnt dezenter Choreographie, vom Gesange befreit und auf die zehn wesentlichen Minuten der Oper eingedampft. Begeisterung für diesen Abend mit Anspruch und Niveau, frei aller platten Blödeleien. Zwei Zugaben.

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