09.10.2018 - 18:11 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Ein Schlachter mit sensiblem Blick

Wenn jemand als "Schlachter" in die Kunstgeschichte eingeht, spricht dies für seinen eigenwilligen Charakter. Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie belegt dies mit einer faszinierenden Ausstellung über den Zeichner Paul Holz.

Ein Blick in die Ausstellung „Schlachter des guten Gewissens. Der Zeichner Paul Holz 1883-1938“ in Regensburg.
von Susanne WolkeProfil

Er wird in einem Atemzug genannt mit Künstlern wie Paul Klee, Käthe Kollwitz, Alfred Kubin und George Grosz - bislang allerdings nur von Kennern. Denn obwohl Paul Holz bereits in den 1980er-Jahren durch Ausstellungen im Berliner Kupferstichkabinett und auch in der Ostdeutschen Galerie in Regensburg gewürdigt wurde, gilt er nach wie vor als "spezieller Typ".

Vielleicht liegt dies an der in unschöne Bereiche abdriftenden Fleischeslust des Künstlers. Paul Holz (1883 bis 1938) ist als "Schlachter" in die Kunstgeschichte eingegangen. Anlässlich seines 80. Todestages präsentiert das Kunstforum Ostdeutsche Galerie nun erneut Werke des virtuosen Zeichners.

Eher Fleischer als Künstler

"Schlachter des guten Gewissens. Der Zeichner Paul Holz" heißt dort die aktuelle Ausstellung. Bemerkenswert ist daran zunächst der Titel. Denn der blutige Aspekt ist bei Paul Holz nicht nur im übertragenen Sinne zu sehen. Der Schwager des Künstlers war Schlachter. Das Erscheinungsbild von Paul Holz selbst ähnelte laut der Beschreibung von Freunden "eher dem eines Fleischermeisters als dem eines Künstlers". Paul Holz verstand es, mit diesem Bild zu kokettieren. Er selbst hat sich zweimal als Schlachter dargestellt. Das Motiv begleitete ihn sein Leben lang. "Das Schlachter-Thema stellte Paul Holz noch häufiger dar als etwa sein Zeitgenosse George Grosz", heißt es vonseiten des Kunstforums.

Die aktuelle Schau, die zur Hälfte aus eigenen Beständen des Museums zusammengestellt ist, zum Teil aus Leihgaben der Akademie der Künste in Berlin, zeigt allerdings nicht nur Schlachterszenen. Auch schwer arbeitende Bauern, trauernde Frauen, Bettler, Kranke und Figuren aus den Romanen Fjodor Dostojewskis sind zu sehen. Tiere waren ein bevorzugtes Motiv des Künstlers - oftmals in ausgenommenem Zustand.

Ungeschönt und düster

Wer über den rund 100 im Kunstforum gezeigten Zeichnungen nun einen eher düsteren Charakter vermutet, liegt einigermaßen richtig. Zirkusszenen allerdings, die Paul Holz einmal nicht auf den Randgruppenfaktor reduziert hat, sind ein anderer, teils geradezu fröhlicher Aspekt im Schaffen des Künstlers. Ungeschönt und zugleich mit sensiblem Blick festgehalten sind alle Werke des Paul Holz, der nur äußerlich grobschlächtig war. Seine Arbeiten präsentieren sich als ebenso virtuose wie faszinierende Liniengeflechte, die sich zu charakterstarken Gesichtern und Gestalten verdichten.

Begonnen hat Paul Holz als Autodidakt. Erst mit mehr als 40 Jahren legte er sein Staatsexamen als Zeichenlehrer ab. Durch seine innovativen Methoden, die weniger auf naturgetreue Wiedergabe sondern vielmehr auf emotionale Ausdrucksstärke ausgerichtet waren, avancierte er alsbald zum tonangebenden Kunstpädagogen in Schlesien. Nach der Schließung der Breslauer Akademie musste Holz die ehemalige Kunstmetropole verlassen.

"Seine Arbeiten zeichnen Paul Holz als Künstler aus, der innerhalb der Moderne eine konsequent eigenwillige und überaus qualitätsvolle Position vertrat", sagt die Regensburger Kuratorin Nina Schleif über ihren aktuellen Schützling. Dass der Künstler durchaus in einem Atemzug genannt werden kann mit bekannteren Kollegen, führt die Ausstellung direkt vor Augen: Den Werken von Paul Holz sind dort Arbeiten gegenübergestellt von Max Beckmann, George Grosz, Erich Heckel, Käthe Kollwitz oder Alfred Kubin.

Die Ausstellung läuft bis zum 13. Januar im Kunstforum Ostdeutsche Galerie (Dr.-Johann-Maier-Straße 5 im Regensburger Stadtpark). Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag (10 bis 17 Uhr), Donnerstag (10 bis 20 Uhr). Es gibt ein Begleitprogramm. Informationen unter Telefon 0941/297140 oder im Internet unter www.kunstforum.net.

Paul Holz: „Im Schlachthaus“.

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