10.12.2019 - 14:45 Uhr
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Auf Schülerin aus heiterem Himmel eingestochen: Lagerist angeklagt

Die 15-Jährige Schülerin war zu Fuß in Bad Kötzing unterwegs, als ein 24-Jähriger mit einem Messer auf sie einstach. Nun steht der Mann wegen versuchten Mordes und Körperverletzung vor Gericht in Regensburg.

Symbolbild
von Autor AHSProfil

Seit Montag muss sich ein 24-jähriger Lagerarbeiter aus dem Landkreis vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Regensburg als Jugendschutzkammer unter Vorsitz von Richter Carl Pfeiffer wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Da er seit seiner Jugend unter einer paranoiden Schizophrenie leidet, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass er bei der Tatbegehung zumindest erheblich vermindert schuldfähig war und strebt deshalb seine Sicherungsverwahrung an.

Der Antragsschrift zu Folge fuhr der Beschuldigte am 30. April mit seinem Pkw von Lohberg nach Lam. Vorher hatte er sich mit einem Obstmesser mit einer Klingenlänge von acht Zentimetern bewaffnet. In Höhe des Kreisverkehrs sah er eine 15-jährige, das spätere Opfer, die auf dem Heimweg von der Schule war. Er stellte sein Fahrzeug ab und folgte ihr zu Fuß. Als er sie eingeholt hatte legte er seinen Arm auf ihre Schulter. Völlig verdutzt fragte sie ihn, "ob etwas sei". Daraufhin stieß er ihr unvermittelt das Messer in den Bauch.

Beim Versuch zu fliehen, stach der Beschuldigte erneut zu. Diesmal erwischte er den Teenager im Rücken. Das Messer hinterließ eine tiefe Stichwunde. Beide Verletzungen waren abstrakt geeignet, einen lebensbedrohlichen Zustand herbeizuführen. Trotz dieser Verletzungen konnte die 15-Jährige fliehen. Der stark korpulente Beschuldigte folgte ihr zwar, konnte sie aber nicht einholen. Als er sah, dass sie bei einem Anwohner Schutz suchte, gab er endgültig auf, setzte sich in sein Auto und fuhr davon. Das Mädchen konnte den herbeigerufenen Polizeibeamten das Fahrzeug genau beschreiben und hatte noch ein Teil-Kennzeichen in Erinnerung. Zwei Stunden später nahmen die Beamten den Beschuldigten vor seinem Elternhaus fest, als er gut gelaunt von einem Spaziergang mit seinem Hund zurückkam. Er hatte weder Alkohol noch Drogen konsumiert.

Nach Verlesen der Antragsschrift erklärte Verteidiger Maximilian Strohmayer zunächst, dass sich sein Mandant nicht äußern will. Die daraufhin als Zeugin vernommene Mutter des Mädchens berichtete, dass sie mehrere Anrufe hintereinander von ihrer Tochter erhalten hat. Beim ersten meinte sie "Mama, da fahrt einer umeinander, der schaut so komisch". Beim nächsten Anruf habe sie nur Schreie ihrer Tochter gehört. Sie sei sofort losgefahren. Vor Ort habe sie am Straßenrand nur die Schultasche ihrer Tochter gesehen, anschließend aber am Handy erfahren, in welchem Haus sie sich aufhält. Im Auto sitzend sei sie regelrecht zusammengefallen und habe geklagt "Ich bin gestochen worden. Es tut so weh, ich bekomme keine Luft". Als sie ankam, sei der Beschuldigte seelenruhig zu seinem Auto gegangen. Das stand auch noch da, als sie mit ihrer Tochter zu dem Fahrzeug ging. Dann war schnell der Notarzt vor Ort.

Nach den Spätfolgen befragt erzählte die Zeugin, dass ihre Tochter seitdem unter Verfolgungswahn leidet und alleine keinen Fuß mehr vor die Türe setzt. Auch würde sie schlecht schlafen. Seit dem Vorfall befindet sie sich in psychologischer Behandlung, deren Dauer auch heute noch nicht absehbar ist. Der Beschuldigte habe sich bis heute nicht gemeldet.

Nach einem Rechtsgespräch räumte der Verteidiger für seinen Mandanten die Vorwürfe im Kerngeschehen ein. Zudem übergab er eine handschriftliche, knappe Entschuldigung des Beschuldigten. Anschließend wurde die Öffentlichkeit für die Dauer der Vernehmung des Teenagers ausgeschlossen und der Beschuldigte in den hinteren Bereich des Zuhörerraums verwiesen. Der Prozess dauert an.

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