09.08.2020 - 16:44 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Song-Nacht als stimmungsvoller Schlussakkord

Starke Stimmen beenden das bisher ungewöhnlichste Palazzo-Festival. Anne Haigis und Mathias Kellner bestreiten in Regensburg eine Song-Nacht, die gut zu dem viel strapazierten Motto "Lieder an einem lauen Sommerabend" gepasst hätte.

Liedermacher und Geschichtenerzähler: Mathias Kellner (35) bei der ersten Palazzo-Song-Nacht.
von Wilhelm Amann Kontakt Profil
Starke Stimme: Anne Haigis (64) erinnert sich beim Gastspiel in der Oberpfalz noch gerne an ihren Auftritt beim Anti-WAAhnsinns-Festival in Burglengenfeld.

Mathias Kellner eröffnet die abschließende Song-Nacht. Seine Lieder klingen melancholisch. Für die Sparte "Happy" hat er wenig beizutragen, wie er selber bekennt. Die Lieder, zu denen er sich auf der Gitarre begleitet, handeln von der ersten großen Liebe, einem Ford Fiesta, vom Besuch bei der Sprit zahlenden Oma und im kultigen Dorfwirtshaus sowie von der "Zeitmaschin'". Auch mit Corona setzt er sich auseinander und stellt fest: Alles was sich da so abspielt, ist immer noch besser als in der "Gruabn" zu landen. Kellner bleibt an diesem Abend ganz der Niederbayer und verzichtet auf englischsprachige Titel. Das bekommt auch Peter Palmers "Johnny and Mary" zu spüren, aus dem ganz einfach "Johnny und Mary" mit dem so simplen Ohrwurm-Refrain wird. Kellner beweist, dass er in den hohen wie tiefen Stimmlagen sehr gut vertreten ist. Dazwischen bemüht er viele Worte, setzt sie pointiert ein und wirkt unterhaltsam. Der Spaß kommt nicht zu kurz, die Stimmung ist gut.

Im zweiten Teil des Abends folgt - auch mit Gitarre - eine der begnadetsten Jazz- und Rock-Sängerinnen Deutschlands. Anne Haigis, die kurz vor ihrem 40-jährigen Bühnenjubiläum steht, hat mit ihrer robusten Stimme Lieder aus allen Phasen ihrer Karriere mitgebracht. Songs, die Wolf Maahn, Wolfgang Dauner oder Tony Carey für sie geschrieben hat, sind genauso darunter wie eigene Nummern. Von "No man's land" handeln sie, von "Life is wonderful" oder von "Emily im Park". Anne Haigis erzählt zwischendurch von ihrer ersten, aber niemals vergessenen Bekanntschaft mit der Oberpfalz: dem Anti-WAAhnsinns-Festival im Sommer 1986, zu dem sie mit einem Pianisten angereist sei, ohne zu wissen, was auf sie zukommt. Im Kreise von Wolfgang Niedecken, Rio Reiser, der Toten Hosen und Co. fühlte sie sich wohl auf dem Lanzenanger in Burglengenfeld. Von der damaligen fröhlichen Stimmung hätte sie offenbar gerne auch eine Mini-Portion beim Palazzo-Auftritt gehabt. Doch die Fans springen darauf nicht an; Zuhören im romantischen Lichterschein ist angesagt, von überbordender Begeisterung keine Spur. Zu ernst ist offenbar das von Corona geprägte Umfeld für diese Song-Nacht, die mit sanften Tönen im Duett Haigis/Kellner endet. Eigentlich hätte an diesem Abend ja auch noch Michael Fitz dabei sein sollen - aber er hat dann im Einvernehmen mit dem Veranstalter verzichtet. Anstelle eines Auftritts unter Corona-Regeln schreibe er lieber neue Lieder, hieß es zur Begründung.

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Lange Zeit war es in der Schwebe, ob die Konzertreihe 2020 im Innenhof des Thon-Dittmer-Palais überhaupt stattfinden kann. Am Ende war es doch ein großer Erfolg. Das 23. Palazzo-Festival gab Künstlern wieder eine lange ersehnte Auftrittsgelegenheit. Und die Nachfrage beim Publikum bewies: Kultur ist keine Nebensache, sondern für viele Menschen ein Stück Lebensinhalt. Darüber freute sich Veranstalter Alex Bolland.

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