23.10.2019 - 16:19 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Souveränität und Gespür für Details

Felix Klieser und "Festival Strings Lucerne" begeistern bei Regensburger "Odeon Concerte"

Felix Klieser.
von Stefan RimekProfil

Wenn man es zum ersten Mal sieht, möchte man es kaum glauben: Da kommt ein 28-jähriger junger Mann im schwarzen Anzug auf die Bühne, der keine Arme hat. Er setzt sich auf einen Stuhl, vor welchem auf einem Stativ ein Horn fixiert ist. Er streift seine schwarzen Halbschuhe ab bis er barfuß ist, schwingt seinen linken Fuß auf Kopfhöhe und fängt an, dieses schwer zu handhabende Blasinstrument zu spielen, indem er mit seinen Zehen die Ventile drückt. Dabei ist äußerst beeindruckend, welch virtuose "Fingerfertigkeit" - wenn man diesen Ausdruck hier überhaupt gebrauchen will - er sich in Bezug auf seine Zehen angeeignet hat.

Fesselnde Energie

So begeisterte Felix Klieser nun auch das Regensburger Publikum als er im Rahmen der "Odeon Concerte" zusammen mit dem Schweizer Kammerorchester "Festival Strings Lucerne" im Audimax der Regensburger Universität gastierte. Der Solist widmete sich an diesem Abend zwei Hornkonzerten von Wolfgang Amadeus Mozart. Seine Souveränität und sein Gespür für die Details der Partitur wurden schon in den Anfangstakten des Konzertes für Horn und Orchester Nr. 2 in Es-Dur (KV 417) deutlich. Mit fesselnder Energie setzte er die Jagdhornmotivik im Rondo-Finalsatz um.

Saubere Intonation

Noch deutlicher traten Felix Kliesers musikalische Qualitäten im nach der Pause interpretierten Konzert für Horn und Orchester Nr. 4 in Es-Dur (KV 495) ans Licht. Das lag natürlich auch daran, dass diese Komposition dem Solisten noch etwas mehr abverlangt als das Hornkonzert Nr. 2. Klieser nahm alle Virtuositäten, wie die schnellen Läufe oder die anspruchsvollen Triller mit vorbildlich sauberer Intonation und rhythmischer Exaktheit.

In der Kadenz des Kopfsatzes bewies er seine Ausdrucksstärke durch ein selbstbewusstes Rubato. Die lyrische Tiefe des zweiten Satzes erfassten Solist und Orchester gleichermaßen beeindruckend. Im lebhaften Finalsatz entwickelte Klieser das nötige Klangvolumen. Danach wurde das zurecht begeisterte Publikum von Felix Klieser noch mit einer Solo-Zugabe in Form einer imposanten Bearbeitung von Rossinis "Rendevouz de Chasse" belohnt.

Dass Klieser im Kammerorchester "Festivals Strings Lucerne" einen kongenialen Partner gefunden hat, deutete der von Konzertmeister Daniel Dodds geleitete Klangkörper bereits in der zu Beginn des Abends interpretierten Suite für Orchester op. 1 von Carl August Nielsen an. Ebenso geschlossen wie hier agierte das Orchester auch während der Hornkonzerte, in welchen es zudem einen lebendig kommunikativen Kontakt zum Solisten hielt.

In der vom Orchester abschließend interpretierten Mozart-Sinfonie Nr. 29 in A-Dur (KV 201) beeindruckten die ausdrucksstark und geschlossen umgesetzten Accelerandi und Ritardandi sowie der Sinn für Dynamik-Nuancen. Als Zugaben erfreuten das Publikum dann noch ein paar Takte Mozart und drei kurze Tänze von Bartók.

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