15.03.2019 - 13:09 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Spanische Stunden

Es geht spanisch zu, am Donnerstagabend im Audimax: Das "Real Orquesta Sinfónica de Sevilla" musiziert Bizet, Torroba und Rodrigo, natürlich darf das „Nationalinstrument“ Gitarre nicht fehlen, gespielt von Grandseigneur Pepe Romero (75).

Pepe Romero berührt noch immer mit seiner Gitarrenkunst das Publikum.
von Peter K. DonhauserProfil

Der amerikanische Dirigent John Axelrod (er leitet das 1990 gegründete Orchester seit 2014) rahmt das Programm mit George Bizets (1838-1875) beiden „L’Arlesienne-Suiten“, einer erst in dieser Version erfolgreichen Schauspielmusik. Die Zahl der Streicher ist in Relation zu den Bläsern fast zu klein (nur drei Celli und zwei Bässe), gerade wenn das füllige Blech loslegt, gerät die Balance etwas aus dem Lot. Einige Intonationstrübungen bei den hohen Passagen der ersten Violinen im Minuetto seien verziehen. Axelrod liebt einen geschmeidig verwobenen Orchesterklang, dies hat für ihn mehr Gewicht als feinst differenzierte Klangnuancen oder Tempoübergänge. Die scharfen Punktierungen des provenzalischen Weihnachtsliedes im Prélude nimmt er überraschend weich und sanglich. Raffiniert die Instrumentierung (Carillon!), die Harfe als „große Schwester“ der Gitarre, die Celesta, das Schlagwerk, das viel spanisches Timbre verbreitet.

Stunde der Solisten

Immer wieder bestechen die hervorragenden Bläser, besonders die leuchtende Querflöte, das füllig-milde Saxofon, das weiche Horn. Glorios endet die „Farandole“, der stürmische Applaus beschert eine grandiose Zugaben-Überraschung: Eine im Publikum versteckte Sopranistin singt die Habanera der Carmen „L’amour est un oiseau rebelle“.

Gruppiert um die Pause stellt sich der aus einer Gitarrendynastie hervorgegangene Pepe Romero mit zwei Konzerten vor. Um die Balance zu erleichtern, wird die Besetzung reduziert und das hervorragende Instrument mit Mikrofon und Lautsprecher gestützt. Romero steht technisch wie musikalisch voll im Saft, faszinierend seine virtuosen Zupf- und Schlagtechniken, die ungeahnte Farben wecken, die Ober- und Unterstimmen klanglich apart differenzieren. Zum Glück haben sowohl Frederico Moreno Torroba (1891-1982) wie auch Joaquin Rodrigo (1901-1999) der Gitarre Freiraum und Kadenzen mit auf den Weg gegeben, bei denen Romero seine improvisatorisch freie, poetische, berührende Gitarrenkunst entfalten kann.

Spanisches Kolorit

Torroba reiht vier Tanz-inspirierte Sätze mit unterschiedlichem Charakter aneinander: Fandango de Huelva, Farruca, beschwingt der Alegrias de Cadiz, ausgelassen der Bulerias. Die Spanier zaubern sowohl magisch-exotische wie fröhliche Stimmungen in das Audimax. Ein noch mehr überzeugender Treffer ist Rodrigo mit seinem dreiteiligen Konzert gelungen. Das Real (königliche) Orquesta ruft mit Ricochet-Springbogen spanische Rhythmen auf die Bühne, die Cellistin steuert ein leidenschaftliches Solo bei. Melancholie und Schwermut im berühmten zweiten Satz, höchst einfühlsam, quasi Hand in Hand Englischhorn und Gitarre. Scheinbar naiv wie ein Kinderlied das Thema im Allegro gentile. Das ist die Musik des Pepe Romero, da ist er zu Hause, als Zugabe eine Fantasia seines Vaters Celedonio.

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