04.12.2019 - 16:29 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Sparkassen-Sparer erhalten Kündigung

Jüngst wurde bekannt, dass die Sparkasse Regensburg rund 9000 hochverzinste Sparverträge kündigt. Auch in der mittleren und nördlichen Oberpfalz haben sich Sparkassen zu diesem Schritt entschieden, wie unsere Umfrage ergab.

Sparkassen-Kunden haben in jüngster Zeit möglicherweise unerfreuliche Post bekommen.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Konkret geht es um den Sparvertrag „S-Prämiensparen flexibel“. Der beliebte Vertrag ist für die Sparkassen in Zeiten des Niedrigzinses zum Problem geworden. Bei den hoch verzinsten Langzeitsparverträgen erhält der Sparer nach einer gewissen Zeit zusätzlich eine Prämie auf die im abgelaufenen Sparjahr eingezahlten Beträge. Der Bundesgerichtshof hatte im Mai dieses Jahres entschieden, dass bestimmte unbefristete Sparverträge gekündigt werden dürfen – wenn der Kunde wenigstens einmal den höchsten Bonuszins erhalten hat.

Die Sparkasse Oberpfalz Nord kündigt Verträge „S-Prämiensparen flexibel“ nach und nach, jedoch zunächst erst nach einer Laufzeit von über 20 Jahren. Das teilt Alexander Brittinger, stellvertretendes Vorstandsmitglied, auf Nachfrage mit. „Die Verträge haben nach dieser langen Zeit das Sparziel erreicht und ihre Besitzer konnten bereits seit mehreren Jahren von der höchsten Prämienstufe profitieren.“ Das anhaltende Niedrig- und Negativzins-Umfeld lasse eine Fortsetzung der Verträge über eine Laufzeit von mehr als 20 Jahren nicht mehr zu, erklärt Brittinger. Mit den betroffenen Kunden werde man persönliche Gespräche führen, um eine Anlagemöglichkeit für den freigewordenen Betrag zu finden.

Ähnlich sieht es bei der Sparkasse Amberg-Sulzbach aus. Auch sie hat Prämiensparverträge gekündigt, die auf unbestimmt Zeit abgeschlossen wurden und bei denen mindestens einmal die höchste Prämienstufe ausbezahlt wurde. Die in den Verträgen vereinbarten Leistungen würden sich nicht mehr erwirtschaften lassen, heißt es vom Vorstand. Oberstes Ziel sei es, die Sparkasse langfristig betriebswirtschaftlich leistungsfähig zu halten, um „unsere Aufgaben als Kreditgeber und Förderer der Region auch weiterhin zuverlässig erfüllen zu können“. Weitere Kündigungen sollen künftig jährlich, nach Erreichen der höchsten Prämienstufe, erfolgen.

Auch die Sparkasse Schwandorf kündigt Prämiensparverträge, die die höchste Prämienstufe erreicht und somit rechtlich gesehen den Vertragszweck erfüllt haben. Vorstandsvorsitzender Werner Heß erklärt den Schritt mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die insbesondere die regionalen Kreditinstitute belaste. Zur Zahl der gekündigten oder noch zu kündigenden Verträge äußern sich die befragten Sparkassen nicht.

Allein die Vereinigten Sparkassen Eschenbach-Neustadt-Vohenstrauß nennen eine grobe Größenordnung: Sie führen eine vierstellige Anzahl an „S-Prämiensparen flexibel“-Verträgen. Bislang sei kein einziger davon gekündigt worden. „Bisher haben wir in der bereits mehr als zehn Jahre andauernden Niedrigzinsphase verschiedene Wege gefunden, zurückgehende Erträge zu kompensieren“, teilt das Geldinstitut mit. Allerdings seien Kündigungen zukünftig nicht auszuschließen, „da sich die Kapitalmarktsituation unseres Erachtens mittel- bis langfristig nicht ändern dürfte“.

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.