09.05.2019 - 16:07 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Sternstunde im Sternzeichen Mozart

Wolfgang Amadeus Mozart war am Mittwoch Dreh- und Angelpunkt bei den Odeon Concerten: Am Angelpunkt drehten das Kammerorchester Basel unter der inspirierenden Leitung von Paul McCreesh und die Klarinettistin Sabine Meyer.

Die international renommierte Klarinettistin Sabine Meyer, die die 120 Männer der Berliner Philharmoniker 1983 nicht als Kollegin haben wollten. Mit den Baslern kann sie prima!
von Peter K. DonhauserProfil

Gleich bei der einleitenden Ouvertüre zu „Le Nozze di Figaro“ KV 492 setzt das lebendig-temperamentvoll zupackende Spiel der Basler ein leuchtendes Zeichen, das Erwartungen weckt: Auf ein klares Mozart-Spiel mit Farbe und Esprit, in aufrechtem Gang, die Muskulatur ausgearbeitet, kein Fettansatz. Der profilierte Klang des Orchesters entsteht auch durch die Verwendung von ventillosen Naturhörnern, der Pauke mit hartem Schlegel. Die Streicher musizieren großenteils mit klassisch-historischen Bögen, weiter innen geführt im „Barockgriff“.

Klarinettissimo

Dieser Interpretationsansatz harmoniert bestens mit dem superben Spiel von Sabine Meyer (50) beim Konzert A-Dur KV 622 für Bassett-Klarinette und Orchester. Seidensamtig in allen Registern der Klang ihres Instruments, in der Höhe auch einmal wie eine Holztraverse, in der Tiefe mal wie eine knurrige Schalmei, immer schwerelos schwebend, singend und sprechend wie die menschliche Stimme. Meyer korrespondiert auf Augenhöhe mit den elegant geführten Streichern. Gerade weil diese auf penetrantes Vibrato-Wabern verzichten gelingt der Gleiswechsel von Melodien zwischen beiden hervorragend. Vorwärtsstrebend aber ohne Hetze das Allegro, das Adagio schlicht und innig, von ergreifender Wärme erfüllt, nie pappig-schleppend. Die Grundhaltung des Rondo swingend und tanzend, eine Basis, auf der die melancholisch-ernsten Couplet-Einschübe um so eindrucksvoller wirken. Das darf nicht ohne Folgen bleiben: Als Zugabe solistisch das Menuett aus dem Klarinettenquintett A-Dur KV 581.

Nach der Pause ein furioser Einstieg in Ausschnitte aus der Ballettmusik zur Oper „Idomeneo“ KV 367. Man scheint die Opernerfahrung von Paul McCreesh schier mit Händen greifen zu können, wie er die Kontraste anspitzt, mit lyrischen, witzigen, ernsten Charakteren zu jonglieren scheint.

Tschaikowsky meets Mozart

Für Peter Tschaikowskys Orchestersuite Nr. 4 G-Dur op. 61 „Mozartiana“ wechseln die Streicher zu modernen Bögen, die vier Hornisten zu Ventil-Instrumenten, das Ensemble wandelt sich zu einem kleinen aber feinen romantischen Orchester. Der Komponist hat für jeden Satz auf bestehende Musik zurückgegriffen und diese mit viel Fingerspitzengefühl bearbeitet: Die eigenwillige Gigue nach KV 574, das Menuett nach KV 355, die abschließenden Variationen auf KV 455 nach einer Arie von Gluck. Die Basler zeigen nun ihr virtuoses Können (vorzüglich Konzertmeister Baptiste Lopez), immer scheint ihr Musizieren von gewitztem Spaß am Spiel, ja auch von süffisanter Ironie geprägt. Zentral die „Preghiera“, das „Gebet“ nach dem „Ave Verum“ KV 618, das Tschaikowsky mit Bläser-Weihrauch und Lohengrin-Streicherklängen zu vermeintlich höheren Weihen aufgekitscht hat. Frisch gewagnert ist halb gewonnen, oder doch nicht?

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.