17.05.2019 - 13:39 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Stillleben mit Vögeln und Gummihandschuh

Die Städtische Galerie im "Leeren Beutel" in Regensburg zeigt den Leipziger Maler Jan Dörre

Angebrochenes Brot, Insekten und der Blick auf eine ideale Landschaft: Jan Dörre bedient sich aus dem Formschatz barocker Stillleben.
von Susanne WolkeProfil

Am Anfang steht der Bienenfresser. Die Skizze des Vogels, der sicherlich keine Provokation sondern eher sogar Unterstützer des jüngsten Volksbegehrens sein will, markiert bei Jan Dörre den Beginn alles anderen. So zumindest ist der Werdegang von Dörres Arbeiten in der aktuellen Ausstellung im "Leeren Beutel" dargestellt. Die Städtische Galerie Regensburg zeigt momentan eine Werkschau des Leipziger Malers.

"Jan Dörre. Vögel und Schatten": Der Titel der Ausstellung ist Programm. Neben diversem anderen Getier sind es vor allem Vögel, die die Arbeiten des Malers bevölkern. Die eingangs gezeigten Skizzen werden dabei verarbeitet - und zwar vor allem in Stillleben. In seinem unverwechselbaren Stil, der zwischen altmeisterlicher Manier und Neuer Leipziger Schule steht, feiert Jan Dörre das traditionelle Genre. Anordnungen aus Büchern, Brotstücken, halb geschälten Orangen und Totenschädeln: Bei Dörre findet sich die ganze Bandbreite barocker Stücke. Der Vanitas-Hauch strömt dem Betrachter entgegen, wenn Kerzen halb am Abbrennen sind und Insekten über noch pralle Früchte krabbeln. Aber auch Attribute der Gegenwart tauchen auf - ein Gummihandschuh oder ein elektrisches Kabel.

Memento Mori mit Stilbruch und Schmunzelfaktor also. Die Vögel allerdings lässt er am Leben. Bienenfresser, Rotkehlchen und Buchfinken beschauen sich die Szenerie in bester körperlicher Verfassung - halten dabei jedoch artig still. Die Stille nämlich ist das Element, das Jan Dörres Werke ganz besonders auszeichnet. Sie wirkt bei ihm so eindringlich aufgrund der eigentlich lebendigen, im Bild jedoch erstarrten Elemente.

Es ist eine lautlose, ein bisschen surreale Welt, die sich in der Ausstellung im Leeren Beutel öffnet. Etwas schade, dass diese Poesie hin und wieder gestört wird durch Ausreißer aus dem Stillleben-Kanon. Eine Gartenbank und eine grüne Gießkanne in einem Gartenstück wirken in ihrer allzu realistischen Ausführung etwas grell. Nicht einmal der Bienenfresser hat sich hier niedergelassen. Aus dem Brunnen im Zentrum dieses Bildes trinkt eine Krähe.

Info:

Service

Die Ausstellung „Jan Dörre. Vögel und Schatten“ läuft bis zum 16. Juni in der Städtischen Galerie im „Leeren Beutel“, Bertoldstraße 9 in Regensburg. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag und feiertags von 10 bis 16 Uhr. Weitere Infos gibt es unter Telefon 0941/5071440.

Skizzen, wie hier die eines Bienenfressers, verarbeitet Jan Dörre zu altmeisterlichen Stillleben mit Bezug zur Gegenwart. Die Bilder des Leipziger Malers zeigt momentan der Leere Beutel in Regensburg.
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