15.05.2020 - 21:57 Uhr
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Studieren und Corona: Vor allem der Kontakt fehlt

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Studentenleben ohne Partys und Mensa-Treffen: Die Hochschulen in der Region setzen in Corona-Zeiten auf Online-Lehre. Das funktioniert unterschiedlich gut.

Vorlesung in der WG-Küche: Für Studenten läuft das Sommersemester – aber anders als gewohnt.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Fast vier Wochen läuft das Sommersemester an den Hochschulen der Region. Die Studenten müssen sich an Video-Vorlesungen und wenig Kontakt zu Kommilitonen gewöhnen. Es gibt aber auch Vorteile.

Julian Gärtner (20) studiert Medientechnik an der OTH Amberg. Zurzeit wohnt er nicht in seiner Studentenwohnung, sondern bei den Eltern nahe Neumarkt. "Da gibt es ein warmes Mittagessen", erzählt er lachend. Die Anwesenheitspflicht entfällt aktuell an der OTH, Gärtners Lehrveranstaltungen finden alle online statt. "Das funktioniert mehr oder weniger gut", erzählt der Student. Sein Stundenplan habe sich nicht geändert - nur, dass er nicht in den Hörsaal geht, sondern an den Laptop, vor dem er die Vorlesung verfolgt.

Lahme Leitung behindert

"Schleppend" verlaufe manchmal die anschließende Fragerunde, bei der die Studenten über ihr Laptop-Mikrofon Fragen stellen können, erzählt Gärtner. Das Internet der Teilnehmer sei teils so langsam, dass sie Fragen drei oder vier Mal stellen müssen. Gut findet der Student, dass die Vorlesungen als Video abrufbar bleiben. Der 20-Jährige vermisst den persönlichen Kontakt. Abends tauscht er sich in Skype-Runden aus: Alle seien etwas genervt, stundenlang am PC Vorlesungen zu verfolgen, erzählt er.

Sebastian Fiedler (20), Maschinenbau-Student in Amberg, kann hingegen viel Positives an der digitalen Lehre entdecken. In seinem Studiengang werden Vorlesungen als Videos hochgeladen, so dass sie jederzeit abrufbar sind. "Ich kann mir einteilen, wann ich sie anschaue, kann eine Pause machen oder zurückspulen, wenn ich etwas verpasst habe", sagt der Weidener. Er sei weniger abgelenkt und konzentrierter bei der Sache.

Teils müsse der Stoff schneller durchgezogen werden, weil das Semester Corona-bedingt statt Mitte März erst am 20. April begann. "Insgesamt sind mir aber wenige Nachteile entstanden", findet Fiedler. Das soziale Leben vermisse er natürlich. Und er bedauert, dass das Projekt "Rennteam", bei dem er technischer Leiter ist, auf Eis liegt. Die Teamarbeit in der Werkstatt sei einfach nicht möglich.

Digitale Aufbruchsstimmung

Aus Sicht von Ulrich Müller, Vizepräsident der OTH Amberg-Weiden, verläuft die digitale Lehre bislang "sehr gut". Über Mail- und Chatkanäle könnten Studenten und Dozenten Kontakt halten. "Für die Lehre ist die Corona-Pandemie ein Innovationsschub", sagt Andrea Klug, Präsidentin der OTH Amberg-Weiden. Bei Dozenten und Mitarbeitern sei eine Art digitale Aufbruchsstimmung spürbar und der Wunsch vorhanden, die Formate nachhaltig zu verankern.

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Weiden in der Oberpfalz

Wie geht es weiter? "Der Schutz der Studierenden und der Mitarbeitenden hat oberste Priorität", erklärt Klug. "Deshalb werden im Sommersemester 2020 keine Vorlesungen und kein seminaristischer Unterricht in Präsenzform stattfinden." Sie hofft, dass normaler Vorlesungsbetrieb zum Wintersemester wieder möglich ist. Die Prüfungen sollen im Juli regulär stattfinden, an die aktuelle Situation angepasst.

"Nicht perfekt, aber gut"

"Die Umstellung auf Online-Lehre ist besser als erwartet geglückt", berichtet Klugs Amtskollege Wolfgang Baier, Präsident der OTH Regensburg. Der virtuelle Austausch miteinander sei neu und ungewohnt. "In der Summe funktioniert es aber ganz gut." Die Online-Lehre erfordere bei den Studenten ein hohes Maß an Selbstorganisation und Disziplin, sagt Baier. Außerdem fehle das Campusleben. Als Vorteil sieht er es, dass Studenten aufgezeichnete Lehrveranstaltungen jederzeit ansehen können.

Klassische Präsenzlehrveranstaltungen wird es an der OTH Regensburgim Sommersemester genauso wenig geben wie an der benachbarten Universität. Nikolaus Korber, Vizepräsident der Uni Regensburg, nennt die aktuellen Lehrbedingungen "nicht perfekt, aber gut". Studenten, die nicht über geeignete Computer verfügen oder deren Internetanbindung mangelhaft ist, könnten Notfallplätze an der Uni in Anspruch nehmen. Er habe nicht den Eindruck, dass Studenten "verlorengehen". Mündliche Prüfungen könnten online laufen, bei schriftlichen Prüfungen sei das noch nicht geklärt. Glücklicherweise verfüge der Campus mit den 70er-Jahre-Gebäuden über sehr große Räume, in denen Abstandsregeln bei Prüfungen eingehalten werden können.

Antworten auf Fragen unserer Leser

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Stefan Leible, Präsident der Universität Bayreuth, spricht von einem "gewaltigen Unterfangen". Der Übergang in die Online-Lernumgebung habe den Campus aber auch einen großen Schritt weitergebracht. Alleine in der ersten Vorlesungswoche wurden nach Angaben der Universität 886 000 Minuten an Vorlesungsaufzeichnungen übertragen. Auch in Bayreuth wird das Sommersemester ein reines Online-Semester. Ganz verwaist ist der Campus dennoch nicht: Seit dieser Woche sind unter strengen Hygienevorschriften Praktika und Präsenzprüfungen wieder erlaubt.

Der leere Campus der OTH in Amberg. Normalerweise tobt hier im Sommersemester das Leben.

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