13.07.2018 - 21:38 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Tosca und der schwarze Todesengel

Bombastischer hätten die Regensburger Schlossfestspiele kaum beginnen können. Das Nationaltheater Brünn sorgt mit Puccinis "Tosca" für einen gelungenen Start. Und auch Gastgeberin Gloria Fürstin von Thurn und Taxis war angetan.

von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

Regensburg (dpa/lby) - Mit dem Opernklassiker „Tosca“ von Giacomo Puccini haben am Freitag im Schloss Thurn und Taxis in Regensburg die diesjährigen Festspiele begonnen. Gloria Fürstin von Thurn und Taxis (58) und ihre Tochter Elisabeth begrüßten die Zuschauer vor der Bühne im Innenhof des Schlosses. Die Besucher erlebten den Auftritt des Nationaltheaters Brünn bei milden Temperaturen und unter bewölktem Himmel.
Zu den Höhepunkten des bis 22. Juli dauernden Festivals zählen ein Abend mit Popstar Anastacia sowie Konzerte mit den englischen Superstars Bryan Ferry und Jamie Cullum.

Die Liebe als Fels in der Brandung. Es ist ein schönes Videobild, das die Szene einhüllt. Welle um Welle bricht sich am Gestein und kann es doch nicht bewegen. Ebenso unerschütterlich scheint das Glück von Sängerin Tosca und Künstler Mario zu sein. Doch auch der lüsterne Polizeichef Scarpia begehrt Tosca. Und bald schon mischt sich der Todesengel in die Tragödie um Begierde, Lügen, Verrat und Macht.

Ein wahres Wechselbad der Gefühle erleben die Gäste beim gelungenen Auftakt der Regensburger Thurn-und-Taxis-Schlossfestspiele mit Giacomo Puccinis dramatischer Oper „Tosca“. Das Wetter hält, nur einige dunkle Wolken hängen am Freitag über dem Innenhof des Schlosses Emmeram. Die perfekte Atmosphäre für eine fulminante Inszenierung des düsteren Librettos nach Victorien Sardous Vorlage „La Tosca“ durch das Nationaltheater Brünn.

Der politische Gefangene Angelotti (Igor Loškár) versteckt sich mit Hilfe seines Freundes Mario Cavaradossi (Luciano Mastro). Polizeichef Scarpia (Überzeugend: Jirí Sulženkos als stocksteif-bedrohlicher Despot) verhaftet Cavaradossi und lässt ihn foltern. Damit und mit dessen angekündigter Hinrichtung setzt er Cavaradossis Geliebte Floria Tosca (Maida Hundeling) unter Druck. Sie verrät Angelotti, der sich umbringt.

Toscas tödlicher Kuss

Ein unmoralischer Deal ist gemacht: Tosca gibt Scarpias Avancen nach, wenn dieser Mario nur zum Schein hinrichten lässt. Als die verzweifelte Tosca – wunderbar: Hundelings ergreifende Arie „Vissi d’arte“ („Ich lebte für die Kunst“) – zwischen Selbstaufopferung und Abscheu Scarpia tötet, scheint ein glückliches Ende möglich. Doch die Parzen haben die Lebensfäden der drei bereits unheilvoll miteinander verwoben.

Neben Maida Hundeling, die das emotionale Auf und Ab ihrer zerrissenen Figur nuanciert in ihren Gesang einfließen lässt, begeistert vor allem der glänzende Luciano Mastro. Mit seiner inspirierenden Version der berühmten Arie „E lucevan le stelle“ („Es leuchteten die Sterne“) sorgt er für einen Gänsehautmoment. Ohnehin sind die Stimmfarben der Protagonisten perfekt aufeinander abgestimmt. Während Hundelings voluminöser Sopran mit dem weichen Tenor Mastros verschmilzt, klingt im Duett mit Sulzenkos’ kantigem Bariton Abstoßung heraus. All das untermalt vom starken Orchester der Janácek-Oper um Ondrej Olos, das im Gebäude hinter der Bühne musiziert.

Auch das rund 80-köpfige Ensemble meistert etwaige Restriktionen der Bühne. Zwar bleibt schon mal der Flügel des Todesengels beim Abgang hängen oder der Spot findet Mastro zu spät – geschenkt. Denn gerade die Fülle an Details ist es, die die ambitionierte Inszenierung zu einem Erfolg macht.

Jirí Hermans stimmige und straffe Bearbeitung erzeugt ein enormes Spannungsfeld und eine dichte Atmosphäre auch durch drei omnipräsente, schweigende Figuren: die weiß gekleidete Novizin (Kristýna Karchová), den schwarzen Engel (Ondrej Biravský) und Maria Callas (Jitka Osicka). Neben der Reinheit der Novizin und dem Grauen des Todesengels bringt der Regisseur mit Callas eine ätherische Aura ins Spiel. Die zusätzliche Figur ist eine schöne Hommage an jene Opernsängerin, die wie keine andere in der Musikgeschichte mit der Figur Tosca verbunden ist.

Schwarz-Weiß-Malerei

Auch sonst dominieren harte Kontraste und reduzierte Farben die kühle Atmosphäre der Bühne. Teelichter auf Obelisken sorgen für andächtige Stimmung im intensiven Bühnenbild Pavel Svobodas, das bis auf wenige weiße Elemente in schwarz gehalten ist. Die grau-schwarzen Kostüme Alexandra Gruskovás verstärken den stylischen Effekt. Farbtupfer bleiben Tosca und Tomáš Hruzas punktuellen Videoprojektionen vorbehalten.
Das Ende ist düster. Nacheinander liegen die Novizin und Maria Callas in den Armen des Todesengels. Der Tod der Unschuld, der Tod der Kunst. Und schließlich auch der Tod der Liebe – zur traurigen Reprise von „E lucevan le stelle“. Denn als Mario tatsächlich hingerichtet wird und Tosca sich daraufhin in den Tod stürzt, verschwindet der Felsen im Meer, als die Wellen über ihn hereinbrechen.

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