21.01.2020 - 15:19 Uhr
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Was tun, wenn eine Pandemie ausbricht? Große Übung in Krankenhaus

Was ist bei einem Patienten mit einer hoch ansteckenden Krankheit zu tun? Wie lässt sich eine Pandemie vermeiden? Im Krankenhaus St. Josef üben die Einsatzkräfte den Ernstfall.

von Urte ScheubeckProfil

Der Verdacht auf Ebola: Fieber, Halsschmerzen Kopfschmerzen, Durchfall, Einblutungen in der Haut und ein schlechter Allgemeinzustand einer Patientin, die im Kongo im Urlaub war, lassen beim diensthabenden Personal in der Notaufnahme bei der ersten großangelegten Pandemieübung im Krankenhaus St. Josef Regensburg die Alarmglocken schellen. Könnte das eine ansteckende Krankheit sein, die letztendlich zu einer Pandemie führen könnte? Schutzanzüge anlegen, alle Erstversorgungsmaßnahmen mit Fieber messen und Blut abnehmen, sind erste Schutzmaßnahmen vor einer Pandemie. In den warmen dicht geschlossenen orangefarbenen Schutzanzügen mit eingeschränktem Sichtfeld und mit dreifach übereinander angezogenen Gummihandschuhen ist das kein leichter Job. Während die diensthabende Ärztin und das medizinische Pflegepersonal bei der Patientin bleiben und empathisch auf diese einwirken, laufen im Hintergrund die Schutzmaßnahmen an: Der Krisenstab würde die Notaufnahme evakuieren, weiterführende Rettungskräfte alarmieren, die Sondereinsatzgruppe der Malteser in Gang setzen und den Katastrophenbeauftragten des Krankenhauses in Breitschaft versetzen, der seinerseits den Pandemiestab aus Personen aus dem Krankenhaus und externen Personen einberufen würde, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Polizei und Gesundheitsamt müssten informiert werden, um Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung einzuleiten. Es müsste in Erfahrung gebracht werden, wer noch mit der Patientin in der Notaufnahme, während der Reise im Flugzeug oder in der Bahn oder im Familienumfeld Kontakt gehabt hat. Die Patientin müsste zur Behandlung in eine dafür ausgelegte Klinik mit Sonderisolationsstation wie in München-Schwabing oder Würzburg transferiert werden. Selbst das hoch infektiöse Blut könnte nicht im eigenen Labor untersucht werden, es würde das komplette Labor des Krankenhauses lahmlegen. Es müsste mit der Patientin zur Sonderinfektionsstation gebracht werden.

Eine Ausbreitung verhindern

Für eine noch sichere Schutzausrüstung, die für einen Weitertransport der Patientin notwendig ist, wird in der Übung die Sondereinsatzgruppe Infektion der Malteser, mit dem das Krankenhaus einen Kooperationsvertrag hat, angefordert. Diese rücken mit vier bis fünf Einsatzwagen innerhalb von 30 Minuten nach Alarm in der Malteser-Rettungsleitstelle vor der Notaufnahme an und laden ihr Equipment ab. Laut Dominik Matt, Notfallsanitäter und stellvertretender Einheitsführer der Einsatzgruppe Infekt, gehören dazu ein speziell mit schwarzer Folie ausgekleideter Krankentransporter, blaue Schutzanzüge mit Umluftfilter, Gummistiefel, Gummihandschuhe, Gesichtsmasken. Die Berufsfeuerwehr baut die Kontaminierungsmatte mit roten gelben und grünen Bereichen und das Kontaminierungsbecken auf und mischt das temperaturunabhängige Desinfektionsmittel an. Dominik Mischko und Marc Pietz, Rettungssanitäter und im dritten Lehrjahr der Ausbildung zum Notfallsanitäter, machen sich im Schutzanzug mit einer fahrbaren Trage auf den Weg in den Behandlungsraum der Notaufnahme. Sie informieren sich über die bereits eingeleiteten Maßnahmen und fragen die Patientin über Beschwerden und den Hintergrund der Erkrankung aus, um Vertrauen herzustellen. In Absprache mit den Kollegen vor der Notaufnahme wird die Patientin für den Transport vorbereitet. Sie wird in einen weißen Schutzanzug gehüllt und auf die rollbare Trage gelegt. Der Transport zum Krankenwagen erfolgt nicht innen durch die Notaufnahme, sondern durch eine spezielle Tür, die direkt in Freie führt und vor der der Krankentransporter parkt. Nach dem Kontakt mit der Infizierten werden die beiden Einsatzkräfte der Einsatzgruppe Infekt im Kontaminationsbecken desinfiziert. Sie müssen sich im Schutzanzug gegenseitig abwaschen und werden von der Feuerwehr zum Schluss mit klarem Wasser abgespritzt. Die Schutzanzüge müssen in den Kontaminationseimern so ausgezogen werden, dass sie nicht mit der Außenseite in Berührung kommen.

Einzige aktive Schutzgruppe Infekt in Bayern

Kosten für ihre Ausrüstung trägt die Einsatzgruppe Infekt selbst und sie wird von Spenden finanziert. Eine finanzielle Unterstützung vom Freistaat gibt es nicht. Die Schutzgruppe Infekt wurde 2002 gegründet, als für jeden Regierungsbezirk in Bayern ein schnelle Einsatzgruppe Infekt aufgestellt wurde. Im Bereich Oberpfalz erging der Auftrag an die Malteser, die heute die einzige schnelle Einsatzgruppe sind, die noch existiert. Eine Grundausstattung gab es im Jahr 2002 vom Innenministerium mit Schutzanzügen leichterer Art, leichten Gummistiefeln und Feinstaubmasken. “Das hat uns nicht gereicht“, sagte Dominik Matt. Auf Eigeninitiative wurden Schutzauszüge mit Gebläse beschafft, welche die Innenluft im Anzug filtern, um die Schutzstufe zu erhöhen. Die orangefarbigen Schutzanzüge von der Feuerwehr mit ABC-Schutzmaske trägt das Kontaminationsteam der Berufsfeuerwehr. Die höherwertigen Schutzanzüge von der Sondereinsatzgruppe Infekt sind blau. Die Übung ist nach Einschätzung der Verantwortlichen zufriedenstellend verlaufen. Es schloss sich eine Nachbesprechung an, bei der Feinheiten besprochen wurden, die noch modifiziert werden könnten. „Man weiß, es ist nicht so ein normaler Einsatz wie sonst“, sagte Dominik Mischko. Trotzdem versuche man dem Patienten die Angst zu nehmen und ihn zu beruhigen. Die Arbeit im Schutzanzug hinterlasse ein komisches Gefühl, weil der Schall schlecht übertragen wird aber der Anzug gebe auch ein Gefühl von Sicherheit, sich nicht mit einem vielleicht vorhandenen Keim zu infizieren. An der Übung nahmen rund 30 Einsatzkräfte teil.

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