Freudenberg
06.03.2026 - 10:23 Uhr
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Abriss des Gasthauses Schuller: Ein Stück Freudenberger Geschichte verschwindet

Nun ist es verschwunden, das Wirtshaus, in dem sich über Jahrzehnte Stammtische getroffen und rauschende Partys stattgefunden haben. Das Gasthaus Schuller, der „Freudenberger Hof“, wurde abgerissen.

Die Vorbereitungen für den Abriss des Gasthauses Schuller in Freudenberg waren schon seit einigen Wochen im Gange. Die Inneneinrichtung wurde ausgeräumt, der Wintergarten abgebaut. Am Donnerstag, 5. März, schritt schließlich der Baggerführer zur Tat. Die mächtige Schaufel der Baumaschine riss eine Wand nach der anderen um, sodass das traditionsreiche Gebäude binnen weniger Stunden dem Erdboden gleichgemacht war. Damit ist ein Stück Dorfgeschichte verschwunden.

Das gelbe Haus mit seiner weißen Bänderung am Ortseingang hat das Dorfbild geprägt. Gebaut wurde es 1928 in einer massiven Würfelform als Polizeistation. Der letzte Besitzer, Hans Schuller, hat immer erzählt, dass ein Fenster in einem Kellerraum vergittert war. War das die Arrestzelle? Eingesperrt wurde darin scheinbar niemand, zumindest kann sich heute kein Freudenberger an eine hier vollstreckte Haft erinnern. Wohl aber erzählt man sich noch von den zwei bis drei Polizisten, die hier stationiert waren. Sie gingen mit einem Dienstfahrrad auf Patrouille.

Zuerst als Café eröffnet

1959 wurde die Polizeistation geschlossen. Das Gebäude bekam eine neue Nutzung. Familie Schuller kaufte das Haus und richtete die Innenräume zum „Café Johannesberg“ her. Das war die Zeit, als Hedwig Schuller am Sonntagnachmittag zum Tanztee einlud. Das Konzept ging voll auf, wenn das Café öffnete, war die Hütte voll. Gern gesehene Gäste waren dabei die US-Soldaten, die damals noch in einem Feldlager an „Point 25“ auf dem Hirmerberg stationiert waren. Einige Zeit später gab es einen Namenswechsel: Aus dem „Café Johannesberg“ wurde der „Freudenberger Hof“.

Wirtin Hedwig Schuller hat das Schicksal hart getroffen. Im Jahr 1977 starb plötzlich ihr Ehemann Hans, zwei Jahre später brach im Obergeschoss ein Brand aus, der ganze Dachstuhl stand in Flammen. 1982 verunglückte auch noch ihr Sohn Norbert tödlich bei einem Autounfall. Er war mit dem Auto nach Spanien zur Fußball-WM aufgebrochen, bei Bordeaux passierte der Unfall. Doch die Frau ließ sich nicht unterkriegen. Als eines der wenigen Gasthäuser in der Gegend schenkte der „Freudenberger Hof“ Bier von der fürstlichen Regensburger Brauerei von Thurn und Taxis aus. Das sorgte für Aufsehen, besonders Mitte der 1980er Jahre, als Fürstin Gloria Freudenberg besuchte und mit der Wirtin in einer Kutsche durch das Dorf fuhr.

Ansonsten ging es am Stammtisch eher leger zu. „Beim Schuller kamen alle zusammen: Büromenschen und Bauarbeiter, Alte und Junge“, hieß es immer. 1990 übernahm Sohn Hans den Betrieb. Besonders beliebt waren die Spielgeräte. In den Gasträumen gab es zeitweise einen Billardtisch, einen „einarmigen Banditen“ und eine Musikbox, die mit Schallplatten bestückt war.

Die Musikbox ist legendär. In ihrem letzten Lebenszyklus, zu Euro-Zeiten, musste man sich beim Wirt ein Zwei-Mark-Stück ausleihen, um sie in Betrieb zu setzen. Das geschah immer nur spätnachts, wenn bestimmte Leute aufeinandertrafen und die Stimmung als reif erachteten. Das liebliche „Frauenkäferl“ tönte dann aus den Lautsprechern, der Schlager „Schatten überm Rosenhof“ oder gar die Trucker-Schnulze „Teddybär 1-4“.

Neuer Wohnblock entsteht

Hans Schuller legte sich in den 1990er Jahren noch einmal richtig ins Zeug. Immer mittwochs war italienischer Abend mit Pasta und Pizzen. Die Gäste rannten dem Wirtshaus die Bude ein. Besonders schön waren die lauen Abende auf den Sitzgarnituren draußen. Weil das Gasthaus am Ortseingang lag, musste jeder hier vorbei. Und für so manchen führte kein Weg vorbei. Im Jahr 2014 wurde das Wirtshaus geschlossen.

Jetzt sind Polizeistation und Gaststätte Geschichte. Das Bauunternehmen Luber & Freller hat die Immobilie erworben und den Abriss beauftragt. An der selben Stelle soll ein Neubau errichtet werden, der Platz für Wohnungen und im Erdgeschoss vielleicht für eine Gewerbeeinheit bietet. Für den Baubeginn gibt es noch keinen festen Termin.

Hintergrund:

Gasthaus Schuller

  • 1928 gebaut als Polizeistation
  • 1961 gekauft von Familie Schuller
  • 1963 Umbau zum Cafe Johannesberg, danach "Freudenberger Hof"
  • 1979 Dachstuhlbrand
  • 1990 Übernahme durch Hans Schuller
  • 2005Wirtin Hedwig Schuller stirbt
  • 2014 Schließung der Gaststätte
  • 2026 Abriss des Gebäudes
Kommentare

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Martin Pfeifer

Ein schöner Rückblick auf ein Wirtshaus mit viel Tradition!

Ein kleiner Hinweis zum Raum mit dem vergitterten Fenster: ja, das war eine Arrestzelle für Gefangene. Allerdings hat dort niemand seine Haftstrafe abgegessen. Diese Arrestzellen dienen nur zur Unterbringung vorläufig festgenommener Personen. Nach der erfolgten vorläufigen Festnahme muss die Person innerhalb von 24 Stunden dem Haftrichter vorgeführt werden, der über Haft oder keine Haft entscheidet. Wenn der Haftrichter auf "Haft" entscheidet, muß der / die Verdächtige in ein ordentliches Gefängnis mit einen speziellen Abteilung für Untersuchungshäftlinge gebracht werden.

06.03.2026
Kristin Winderl

Guten Abend, Herr Pfeifer! Vielen Dank für diesen interessanten Einblick und die Ergänzung zu unserem Bericht!

Beste Grüße aus der Redaktion, Kristin Winderl

06.03.2026
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