09.10.2019 - 15:39 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Ungebrochen vielseitig

Kunst- und Gewerbeverein präsentiert in seiner 93. Jahresschau regionales Schaffen im Geist der Zeit

Bei der Eröffnung der 93. Jahresschau präsentierten sich (von links) Tony Kobler, vertretender Sprecher des Kunst- und Ausstellungsausschusses, die Preisträger Jonas Höschl und Johannes Steubl sowie Vorsitzender Georg J. Haber.
von Susanne WolkeProfil

"Manfred Weber." Dass der Europapolitiker in einer eben ausgezeichneten "Video- und Soundarbeit" zur Hauptperson wird, ist Zufall und nicht schmeichelhaft. Weder für den ursprünglich aus der CSU kommenden Vertreter des europäischen Parlaments noch für seine im jüngsten Europawahlkampf angetretenen Kollegen aus SPD, Linke, AfD und was es sonst noch alles gibt.

Genau das will ein Zusammenschnitt aus Werbefilmen verschiedener Parteien zeigen: Das Schema ist immer dasselbe. Politiker sind austauschbar. Die Arbeit "Manfred Weber" von Jonas Höschl wurde in der 93. Jahresschau des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg als "interessanteste Arbeit der Altersgruppe unter 40 Jahren" ausgezeichnet.

Aktuelle Strömungen

Die etwas tragische Berühmtheit, die Manfred Weber durch die prämierte Arbeit des Regensburger Nachwuchskünstlers Jonas Höschl erlangt, mag Pech sein. "Ich selbst kenne Manfred Weber persönlich als integren Politiker", beeilte sich der Vorsitzende des Kunst- und Gewerbevereins, Georg J. Haber, bei seiner Einführungsrede zur Ausstellung zu sagen. Manfred Weber wird auf den Arm genommen. Aber er ist nicht alleine damit.

Die Wahl Jonas Höschls zum interessantesten Nachwuchs markiert nun nicht unbedingt eine allgemeine Hinwendung zum Politischen in der Kunst. Vielmehr ist es die Technik, die auf aktuelle Strömungen hinweist.

Unter 40 Jahren

Erstmals hat man sich im Kunst- verein beim alljährlich vergebenen Preis an junge Künstler für eine Videoarbeit entschieden. Das passt ins Bild. Ein Großteil der in der unlängst eröffneten Schau präsentierten Arbeiten sind Fotografien. Moderne Medien halten im traditionellen Kunst- und Gewerbeverein schon seit Jahren verstärkt Einzug. Doch alleine ist hier keiner. Nicht Manfred Weber, nicht Jonas Höschl mit der Kamera in der Hand - und auch nicht Jonas Höschl als Preisträger.

Auch dieses Jahr sind es nämlich zwei Künstler unter 40 Jahren, die die Auszeichnung für die interessanteste Arbeit ihrer Altersgruppe erhalten haben. Neben Jonas Höschl ist dies Johannes Steubl, gebürtig in Roding, wohnhaft in Regensburg. Und der malt. Solide mit Acryl auf Hartfaserplatte und in virtuosem Stil. Was allerdings auf den zwei eingereichten Bildern des Vertreters eines alten Genres zu sehen ist, tendiert schon wieder stark in den digitalen Bereich. "Twitterer" heißen die beiden skurrilen Gestalten, die Johannes Steubl festgehalten hat, wie sie in vergammelter Erscheinung auf Computertastaturen einhacken. Die Welt steht den beiden offen - und sie müssen dazu nicht einmal aus Schlafrock und Pantoffeln schlüpfen.

Die Jahresschau fasst ihre Präsentation als Auswahl an "Malerei, Grafik, Fotografie, Videokunst, Plastik, Skulptur, Objektkunst, Rauminstallation und Kunsthandwerk" zusammen. Der Einblick in das Schaffen zeigt sich gewohnt vielfältig. Da gibt es auch einen "Nachtmahr", den Claudia Borchert aus Strandgut zusammengesetzt hat. Oder die Tuschezeichnung "Gardenig" von Gisela Conrad. Oder sich paarende Kartoffelkäfer, mit Bleistift und Kreide gezeichnet von Hein Schmid.

Ganz allgemein kann sich die diesjährige Ausstellung, insbesondere durch ihre Preisträgern, aber aufs Banner schreiben: "Fortschritt!" Phrasen sind im Geist der Zeit. Ein Vorbild dafür heißt: "Manfred Weber."

Info:

Service

Die „93. Jahresschau 2019 des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg läuft bis zum 20. Oktober im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg, Ludwigstraße 6. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Weitere Infos gibt es unter www.kunst-und-gewereverein.de.

Die „Twitterer“ von Johannes Steubl verkörpern auf beunruhigende Weise den Geist der Zeit.
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