26.01.2020 - 15:13 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Union europäischer Freunde

Das Royal Scottish National Orchestra unter Leitung des Dänen Thomas Søndergård und die Violinistin Nicola Benedetti, Tochter eines Italieners und einer Schottin, hatten die Odeon Concerte eingeladen.

Der Klang ihrer Gariel-Stradivari hat Schmelz, ist farbig, süffig, seelenvoll: Die schottische Geigerin Nicola Benedetti legt einen begeisternden Auftritt hin.
von Peter K. DonhauserProfil

Im Gepäck war Musik von Ralph Vaughan Williams, Max Bruch und Antonín Dvořák. Das veritabel aufspielende Orchester hat seinen Sitz in Glasgow, musiziert aber auch in der Küstenstadt Aberdeen, mit der Regensburg eine Städtepartnerschaft pflegt. Musiker wie Programm setzen ein willkommenes Zeichen für kulturelle Verknüpfungen und Freundschaften in Europa.

Musik des Max-Reger-Zeitgenossen Williams (1872-1958) wird bei uns leider zu selten aufgelegt. Mit der Fantasie über ein Thema von Thomas Tallis (1505-1585) aus den Jahren 1910/13 erweist er dem Kollegen seine respektvolle Reverenz. Luxuriös die reine Streicher-Besetzung mit großer und zwei solistischen Gruppen, da ist Raumzauber einkomponiert.

Dazu treten wie schottisch-gälische Barden Solo-Violine und Solo-Bratsche. Das ergibt einen raffinierten „Sound“ mit schier unerschöpflichen Abstufungen und Echowirkungen. Williams lässt die phrygische Kirchentonart als Basis immer wieder durchscheinen. Wie aus einem sphärischen Traumbild naht die Melodie, fein schattiert und dynamisch wogend beleuchtet Søndergård ihre Aspekte. Ein Schmankerl erster Güte!

Mit Herzblut gespielt

Mehr wohlwollende Freundschaft möchte man der Musik von Max Bruch (1838-1920) wünschen; nur das 1. Violinkonzert g-moll op. 26 hat sich Popularität erworben. Die schottische Geigerin Nicola Benedetti (32) nimmt sich dieses Werks mit Herzblut und Enthusiasmus an. Gleich bei den ersten rhapsodischen Rezitativen zeigt sie ihre bemerkenswerte Klasse: Wie aus dem Nichts zaubert sie das einleitende tiefe G, ihr Forte-Ton ist weich, geschmeidig, strahlend, hat Adel und Majestät, das gelingt auch namhaften Kollegen nicht immer so überzeugend.

Die heiklen Doppelgriffe und Oktaven strahlen und leuchten – auch ein Verdienst ihrer Stradivari-Violine (1717), deren farbenreicher Klang den Raum mühelos füllt. Expressives, seelisch bewegtes Spiel im Adagio, Temperament und Beweglichkeit im Finale, feurig blitzend die Terzgänge. Da muss eine Zugabe sein, Nicola Benedetti serviert eine Fantasie über das schottische Freundschafts-Lied „Auld Lang Syne“, hierzulande bekannt als „Nehmt Abschied Brüder“.

Musik aus Böhmen

Nach der Pause Musik des Böhmen Dvořák. Die Sinfonie Nr. 8 in G-Dur (1890) trägt den Beinamen „Englische“ und wurde von ihm 1891 in Cambridge dirigiert. Søndergård und das Orchester treffen den musikantisch-optimistischen Grundton der schnellen Sätze – das Blech manchmal mit allzu sportlichem Winddruck. Sie heben die warmen „böhmischen“ Klarinettenfarben hervor, wecken die vielfachen der Natur abgelauschten Vogelstimmen, führen durch die Stimmungshöhen und –tiefen im langsamen Satz. Zwei Zugaben: Delikatissimo und doppelbödig verschleiert der „Valse Triste“ op. 44 von Sibelius, zum Mitklatschen der schottische Volkstanz „The Eightsome Reel“.

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