20.01.2019 - 13:49 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Unterhaltsames absurdes Theater

Bühnenwerke aus der Gattung des sogenannten „absurden Theaters“, die auch eine humoristische Komponente aufweisen, unterhaltsam zu inszenieren, stellt einen Regisseur vor keine geringe Herausforderung.

Der Diener Clov (Paul Kaiser) und sein Herr Hamm (Martin Hofer) agieren in Samuel Becketts "Endspiel" im Regensburger Turmtheater mit Leidenschaft und großem Ausdruck.
von Stefan RimekProfil

Besonders schwer zu inszenieren ist Samuel Becketts 1975 uraufgeführtes Stück "Endspiel". So gilt es hier dem komödiantischen Potential ebenso Rechnung zu tragen, wie dem zermürbenden Dadaismus, der zuweilen auch recht depressive Züge trägt.

Wie man diesen Spagat auf ebenso unterhaltsame wie fesselnde Weise umsetzt, zeigt die aktuelle Inszenierung von Becketts "Endspiel" durch Regisseur Michael Bleiziffer am Regensburger Turmtheater. Bleiziffers Regie erkennt das humoristische Potential des Stoffes und setzt es derart wohldosiert und raffiniert in Szene, dass es unterhält und belustigt ohne jedoch in kitschigen Klamauk abzugleiten.

Besonders die Figur des Dieners Clov ist mit ihrem slapstickartigen Charakter von Bleiziffer genial angelegt und strotzt nur so vor amüsanten Details. Allein schon wie er mit der rechten Hand der linken Schwung geben muss, um diese auf die Stuhllehne seines Herrns Hamm zu setzen, oder wie er mit der Leiter umgeht, um aus den Fenstern schauen zu können, sorgt immer wieder für Amüsement.

Aber auch die Rolle des blinden Hamm, den Bleiziffer als ins Alter gekommenen Hippie anlegt, vermag zu fesseln. Ebenso gilt das für dessen Eltern Nell und Nagg, die in einer gut durchdachten Konstruktion der Ausstatterin Katharina Claudia Dobner in ihren Mülltonnen dahinvegetieren.

Mit viel Ausdruck, Energie und Leidenschaft nutzen in den Hauptrollen Martin Hofer als Hamm und Paul Kaiser als Clov die Spielräume, die ihnen die Rollen an sich sowie Bleiziffers Inszenierung bieten. Dabei artikulieren die beiden bis in große emotionale Ausbrüche hinein vorbildlich verständlich. Aber auch Undine Schneider als Nell und Heinz Müller als Nagg tragen zum hohen Niveau dieser Produktion bei.

Zurecht spendete das Publikum im ausverkauften Auditorium des Regensburger Turmtheaters am Premierenabend intensiven und anhaltenden Applaus für diese sehenswerte Produktion.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.