10.01.2019 - 15:55 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Unterhaltung auf hohem Niveau

Das Turmtheater Regensburg feiert - und die Welt feiert mit. Zehn Jahre ist es her, dass das Team die ehemalige Spielstätte des Theaters Regensburg als unabhängige Bühne übernommen hat. Zum Jubiläum steht selbst Trump auf dem Programm.

Mit der Eigenproduktion „Endspiel“ von Samuel Beckett startet das Turmtheater in das neue Theaterjahr. Premiere ist am Freitag, 18. Januar (20 Uhr).
von Susanne WolkeProfil

In gönnerhafter Geste überreicht ein Doppelgänger des US-Präsidenten den Machern des Turmtheaters eine Urkunde. Zwar nicht für schauspielerische Leistungen, sondern für die adäquate berufliche Unterbringung von Chinesen - aber immerhin. Es sei nicht alles ernst gemeint, was an diesem Abend auf der Bühne gesagt werde. Marin Hofer richtet diesen Hinweis gleich zu Beginn ans Publikum. Zwar sind zur Jubiläumsrevue des Turmtheaters in der ersten Runde nur geladene Gäste erschienen, die auf ein gewisses Kunstverständnis hoffen ließen. Sätze wie "Wir brauchen doch keine Steuergelder!" könnten aber, werden sie für bare Münze genommen, durchaus nach hinten losgehen.

Geringe Fördermittel

Doch trotz geringer Fördermittel: Das Turmtheater beißt sich durch. Seit zehn Jahren beschert es dem Publikum das, wofür die Bühne im Goliathhaus hoch über den Dächern Regensburgs schon vor ihrer Privatisierung stand: beschwingte Unterhaltung auf hohem Niveau. Aus dem ursprünglich schelmisch angedachten "Neunspartenhaus" inklusive Kuschelsparte ist zwar nur ein Einspartenhaus geworden, dafür aber mit gemütlichem Kuschelfaktor. Und, so Martin Hofer: "Immer noch besser als ein Nullspartenhaus."

Dass es die Sparte Schauspiel, gerne und oft in Begleitung von Musik, in sich hat, beweist das Turmtheater mit einer Revue von Highlights aus zehn Jahren Spielzeit. Urgesteine des Turmtheaters wie Martin Hofer, Heinz Müller und Undine Schneider haben sich auf der Bühne versammelt, gemeinsam mit anderen Aushängeschildern des Theaters: Eva Sixt alias "Mei Fähr Lady" steht hinter der hauseigenen Bar, souffliert nebenher bei Schillers Bürgschaft, die auf der Bühne rezitiert wird - und kümmert sich wenig um die von "Donald Trampel" befürwortete Verbannung ihrer Landsleute in Putz- oder Fährdienste.

Prof. Jürgen Zulley, Koryphäe der Schlafforschung und zugleich fester Bestandteil des Ensembles im Turmtheater, spricht kabarettistisch-lehrreich zum Thema "Schlafen oder Wachen". Die Kuh kommt mit drei bis vier Stunden Schlaf am Tag aus, der königliche Löwe hingegen schlummert 16 von 18 Stunden - das ist nur ein Denkanstoß des Abends

Populäre Stücke

Wem auch immer man sich nun mehr verbunden fühlt: Schlaffreundliche Ambitionen muss das Publikum für die Zeit nach der Jubiläumsrevue verschieben. Denn deren Programm ist erwartungsgemäß zum Wachbleiben. Heinz Müller gibt mit Undine Schneider und Heike Ternes Sketche von Loriot zum Besten, die fundamentale Themen aufgreifen. Die bescheidene, aber auf Unverständnis stoßende Forderung "Ich will hier nur sitzen" etwa geht durchaus in Richtung der zuvor von Zulley kritisierten Schlafverachtung. Andere Schauspieleinlagen des Abend - und zwar nicht nur die nach Loriot - widmen sich dem stets für Zündstoff sorgenden Verhältnis zwischen Mann und Frau.

Aufgegriffen werden dabei populäre Stücke des Turmtheaters wie "Honigmond", "Am Hang" oder "Die Wunderübung". Martin Kubetz am Klavier und Petra Fierlbeck an der Gitarre sorgen fürs Musikalische - und am Schluss gibt es ein gemeinsames Dankeslied.

Das Turmtheater feiert. Und auch wenn sich die frohe Kunde noch nicht in alle Welt verbreitet hat - der einigermaßen ahnungslose Donald Trump wird in diesem Fall durch den emeritierten Volkswirtschaftsprofessor Wolfgang Wiegard dargestellt: Es feiern doch viele mit. Zehn Jahre Turmtheater lassen hoffen auf weitere Dekaden der Regensburger Bühne. www.regensburgerturmtheater.de

Martin Hofer führt durch die Revue zum zehnjährigen Jubiläum des Turmtheaters Regensburg.
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