17.03.2020 - 16:52 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Mit Van Morrison die Straße beschallen

Die Corona-Krise hat auch den Kulturbetrieb kalt erwischt. In einer Serie fragt die Kulturredaktion bei Künstlern aus der Region nach, wie sie mit der schwierigen Situation fertig werden. Diesmal: Hubert Treml, Musiker aus Regensburg

Ein paar ruhige Tage oder auch Wochen kommen jetzt auf den Oberpfälzer Musiker Hubert Treml zu. Diese will er intensiv mit der Familie verbringen - und vielleicht auch das eine oder andere Lied komponieren.
von Anke SchäferProfil

Dem leidenschaftlichen Musiker, Autor und Bühnenmenschen Hubert Treml hat die Corona-Krise schlichtweg den Stecker gezogen. Keine Live-Auftritte, keine Schul-Workshops. Und bis auf weiteres auch keine Begegnungen mehr, die dem Regensburger Künstler wichtig sind. Düstere Aussichten mit einem kleinen Spritzer Hoffnung:

ONETZ: Herr Treml, wo erreiche ich Sie gerade?

Hubert Treml: Sie treffen mich natürlich zu Hause an. "Home office" nennt man das ja.

ONETZ: Befürchten Sie wirtschaftliche Einbußen durch Corona?

Ich befürchte nicht nur wirtschaftliche Einbußen, sondern habe sie natürlich schon ganz konkret. Weil ja schon alles abgesagt wurde. Z. B. letzten Samstag hätte ich im Mühldorfer Haberkasten spielen dürfen. Das wäre ein finanziell sehr vielversprechender Auftritt geworden. Und das geht ja schon bis Ende April/Anfang Mai hinein. Und das trifft natürlich alle meine Kolleginnen und Kollegen auch ganz hart. Und keiner weiß, ob sich bis im Sommer die Lage noch beruhigt. Ein großer Teil meiner Kunst lebt ja von der Begegnung. Und das ist ja nicht mal mehr im kleinen Kreis möglich. Sonst hätte ich da schon Wege gefunden, weil ich ja bekannterweise viel in kleineren Locations unterwegs bin.

ONETZ: Wie geht es jetzt weiter?

Für mich fallen die wesentlichsten Einnahmequellen weg: Live-Auftritte und Workshops in Schulen.
Mein drittes Standbein, mein "Liederatelier" hoffe ich zumindest etwas aufrecht erhalten zu können. Ich schreibe ja maßgeschneiderte Auftragslieder. Und arbeite immer wieder mal an kompletten CDs für Institutionen. Hoffe sehr, dass ich da Aufträge rein bekomme, um die brutalen Ausfälle ein bisschen kompensieren zu können. Denn: Mit meinem kleinen Logic-Programm im Computer und meinem treuen Kawai-Masterkeyboard kann ich doch zuhause auch noch Lieder einspielen. Mal sehen.

ONETZ: Und sonst?

Vielleicht werde ich auch einfach schon mal mit Aufnahmen für eine - längst schon überfällige - CD mit meinen aktuellen Programm-Songs aus "Mei, Oberpfalz" beginnen. Die Fans wissen Bescheid: "Tante Emma Lodn", "Du houst Di guat ghalten", "Aas der Weidn" oder "Schöi saa schadt niat" wären schon längst fällig. Wann das dann mal in Verkauf gehen könnte, steht aber jetzt natürlich in den Sternen. Aber, es wird ja für ganz, ganz viele nicht leicht in den nächsten Wochen und Monaten.

ONETZ: Haben Sie eine Idee, wie die enormen Schäden kompensiert werden könnten?

Ich freue mich sehr zu hören, dass viele Menschen allüberall bereit sind, Solidarität zu zeigen. Und z. B. gekaufte Tickets für abgesagte Veranstaltungen nicht zurückgeben. Vielleicht könnte z. B. der Bayerische Rundfunk die Künstlerinnen und Künstler einladen, Konzerte zuhause aufzuzeichnen, und diese dann täglich am Abend senden - wenn das Publikum diese Live-Programme ja sonst nicht besuchen kann, weil ja alle zuhause bleiben müssen. Und die Öffentlich-Rechtlichen könnten ja zumindest eine kleine Aufwandsentschädigung zahlen.

ONETZ: Und womit füllen Sie jetzt die Tage erzwungener Häuslichkeit?

In der Familie werden wir natürlich viel Zeit mit Spielen verbringen. Die Kids müssen auch Hausaufgaben machen. Das finde ich gut, dass das funktioniert. Wir werden viel telefonieren. Viel nachdenken und die spirituelle Seite nicht zu kurz kommen lassen ...Ich bin ja immer etwas zurückhaltend, weil ich die Leute mit meiner Musik nicht nerven will, aber vielleicht sollten wir uns ja dann doch auch ab und zu mit unseren Instrumenten ans Fenster setzen ... Oder natürlich auch einfach mal die ganze Straße mit einem tollen von Van Morrison beschallen ... Wichtig ist, dass wir uns gesund halten und zusammenhalten.
Fühle mich mit allen da draußen verbunden.

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