03.12.2019 - 12:20 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Vater und Meister-Lehrbub

Bei den "Odeon Concerten" spielten die Berliner Barock Solisten Musik des „Berliner“ Bachs Carl Philipp Emanuel.

In memoriam Mariss Jansons: Die Berliner Barock Solisten und die herausragenden Solisten Julia Fischer (Violine) und Nils Mönkemeyer (Viola) musizieren auf Augenhöhe.
von Peter K. DonhauserProfil

Carl Philipp hat mehr Entwicklungen in die Wege geleitet als sein Papa. Johann Sebastian hat die stilistischen Errungenschaften der Epoche Barock zu einem finalen Höhepunkt geführt; man denke nur an die Kontrapunktik (gleichwertige Führung aller Stimmen) oder die Einheit des Affekts (Gefühlslage) in einem Satz. Seine Kinder sind Wegbereiter der Klassik, sie festigen neue Parameter: In der Sinfonie Es-Dur Wq (Wotquenne-Verzeichnis) 179 von 1757 ist die alte Kontrapunktik entsorgt, da gibt es führende Melodie und untergeordnete Begleitung. Die Affekte wechseln oft jäh von Takt zu Takt - die Wetterlage ist „Sturm-und-Drang“, in den langsamen Sätzen anrührende „Empfindsamkeit“. Diesen Musikdialekt sprechen die Berliner perfekt – ihr künstlerischer Leiter (nicht vor Ort) ist immerhin Reinhard Goebel: Jedes Motiv, jedes Thema ist wie bei einem hervorragenden Redner ausgefeilt, verständlich, bewegend. Die überraschenden Rede-Pausen („Ellipsen“) lassen den Atem stocken, lassen aufhorchen, erstaunen. Viele nutzen auf ihren modernen Instrumenten die besser artikulierenden Barock-Bögen.

Sturm und Drang

Mit Prestissimo-Feuer geht es los, Pianissimo-Stimmungen im Larghetto, Jagdatmosphäre im Finale. Die Berliner (Konzertmeister Willi Zimmermann) wissen auch, dass sie diese schroff kontrastierende Musik nicht noch histerisch überzeichnen dürfen.

Nils Mönkemeyer hat das Cellokonzert a-Moll Wq 170 für Bratsche transkribiert, statt eines Tenors spricht nun eine Altstimme. Tiefe Lagen hat er hochtransponiert, das funktioniert bestens. Viele der auf dem Cello bogentechnisch recht sperrigen Passagen laufen auf der Viola geschmeidig und elegant. Beeindruckend, wie Mönkemeyer sein Instrument sprechen lässt (singen kann es sowieso), wie er jedem Ton mit sensitiver Bogenführung Leben einhaucht, wie er mit den Kollegen dialogisiert. Ein Glücksfall ist die inspirierende Partnerin Kristin von der Goltz am Violoncello, sie hat die höchsten Künste des Continuo-Spiels auf der Palette. Man musiziert übrigens ohne Cembalo.

Wiener Delikatessen

„Er ist der Vater, wir sind die Bub’n. Wer von uns was Recht’s kann, hat von ihm gelernt“ – so Mozart über Emanuel. Er hat aufgepasst: Beide lieben punktierte, anstachelnde Rhythmen, wie auch in Adagio und Fuge c-Moll KV 546. Die spart nicht mit Finessen wie dem Thema original und in Umkehrung. Dann tritt Julia Fischer (Violine) auf den Plan und musiziert mit Mönkemeyer hinreißend eloquent und in kollegialem Austausch die Sinfonia Concertante Es-Dur KV 364. Parallele Passagen spielen sie auf Augenhöhe in traumwandlerischem Einverständnis. Motive, die nacheinander erklingen hören wir mit reizvoll unterschiedlichem Zungenschlag: Fischer dezidiert virtuos, durchaus auch mit romantisch bebendem Vibrato, Mönkemeyer berückend natürlich und mit opulenter Farbpalette. Die Künstler widmen das Konzert verstorbenen großen Dirigenten Mariss Jansons.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.