06.11.2019 - 16:50 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Der Veitstanz des Lebens

Albtraumhafte Szenerien in meisterhafter Manier wiedergegeben: der Sinzinger Maler Erich Gohl stellt im "Leeren Beutel" aus

von Susanne WolkeProfil

"Kann man ein Star sein, ohne dies zu wissen?'" Ein Schüler hat diese Überlegung einst hinsichtlich seines ehemaligen Kunstlehrers Erich Gohl aufgestellt. Gertrud Maltz-Schwarzfischer, die das Zitat wiederum aus einem Chat gefischt hat, kann darauf keine objektive Antwort geben. Die Regensburger Bürgermeisterin kennt und schätzt den Künstler Erich Gohl schon lange als Freund.

Allerdings spricht die groß angelegte Ausstellung für sich, mit der die Stadt Regensburg den in Sinzing wohnhaften Erich Gohl derzeit würdigt. Opulent angelegt ist dabei nicht nur die Schau selbst, die sich auf drei Stockwerke erstreckt. Auch die teils riesigen Formate der Bilder mit einer kaum zu überblickenden Fülle an Szenerien zeigen das Werk eines großen Meisters. "Wunderkammer Gohl - Rückschausammlung zum 60." lautet der Titel der Ausstellung in der Städtischen Galerie Regensburg im "Leeren Beutel". Erich Gohl selbst hat den Namen ausgewählt - in ironischer Anspielung auf das Wort Schausammlung, von dem er sagt, dass "kein Mensch weiß, was das ist".

Den Humor hat er sich also geradezu auf die Fahnen geschrieben, dieser Künstler, der vielleicht während seiner Jahre als Professor in China und an anderen Orten klammheimlich zu Star geworden ist. Der Witz seiner Arbeiten springt ins Auge - tritt aber oftmals zurück angesichts der beunruhigenden Atmosphäre der virtuosen Darstellungen Erich Gohls. Ein Mann, der sich selbst auffrisst, menschliche Körper in Auflösung und jede Menge Mischwesen: All dies tritt hier in einem unübersichtlichen Gewusel auf, einem Geflecht aus Abnormitäten.

Doch der Künstler kann auch anders. "Ich habe mich in meinem Leben nicht auf einen Stil festlegen lassen", verkündete Erich Gohl bei der Vernissage in Regensburg. Mit einem bunten Tuch um den Kopf gebunden geht der Künstler sozusagen eine Corporate Identity ein mit seinen Werken. Wobei er sich bei diesen nicht nur auf albtraumhafte Schreckgespinste beschränkt. Das Aushängeschild seiner aktuellen Ausstellung ist das abstrakte Bild "Silvester". Die geradezu gefällige Farbkomposition prangt auf der Einladung zur Schau.

Dennoch: Es sind die apokalyptischen Fantasien gekoppelt mit technischer Meisterschaft, die Erich Gohl ausmachen. Diese Kombination setzt den Schierlinger Künstler in direkte Folge der großen Surrealisten. Die Gestalten aus Erich Gohls "Veitstanz" - so der Titel des Buches, das zur Ausstellung erschienen ist - sind nicht so weit entfernt von denen eines Salvador Dalí. Und der ist ja bekanntlich ein Star.

Die Ausstellung "Wunderkammer Gohl - Rückschausammlung zum 60." läuft bis zum 17. November in der Städtischen Galerie im "Leeren Beutel", Bertoldstraße 9 in Regensburg. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr.

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