"Alle Jahre wieder..." - für die Regensburger Krippenausstellung gilt dies leider nicht. Und das ist schade. Nur im vierjährigen Turnus halten die prächtigen Aufbauten des Krippenvereins Regensburg Einzug in die Räume des Historischen Museums. Umso erfreulicher, dass es heuer wieder so weit ist - übrigens bereits zum 17. Mal. Unter dem schnörkellosen Titel "Krippenausstellung" beschert die Schau den Besuchern eine prächtige Einstimmung auf Weihnachten.
Mitglieder des Krippenvereins haben die Ausstellung mit privaten Leihgaben bestückt. Diese schöpfen zwar die Möglichkeiten der Krippenszenerien nach Kräften aus. Abweichungen des Geschehens hin zu zeitgenössischen Aspekten sind dabei aber selten. Helene Wiethalers Adaption der Flucht nach Ägypten, die sie in die "Abschiebung nach Ägypten" verwandelt hat, und bei der die heilige Familie in einen Geländewagen steigt, ist die Ausnahme.
Regionale Motive
Was die Schau vor allem ausmacht, sind stimmungsvolle Hintergründe, sei es die trockene Landschaft um Bethlehem oder ein tief verschneites Stück Bayerischer Wald. Die Hinwendung zur Oberpfälzer Umgebung ist ebenfalls bemerkbar. Die Krippenausstellung vor vier Jahren widmete sich fast ausschließlich regionalen Motiven - diese Tendenz ist auch in diesem Jahr spürbar: Die heiligen Drei Könige halten Einzug vor dem Alten Regensburger Rathaus, die heilige Familie tritt ihre Flucht vom Dreifaltigkeitsberg aus an, der Verkündigungsengel erscheint Maria unter dem gotischen Gewölbe des Dollingersaals.
Liebevolle Darstellungen
Die Krippendarstellungen beschränken sich nicht nur auf das direkte Geschehen rund um die Geburt Christi. Die "Hochzeit zu Kana" etwa, die das Ehepaar Pöllmann in prachtvoller Ausstattung geschaffen hat, macht den Sprung zum späteren Leben Jesu. Die Schöpfer der figurenreichen Szenerie greifen damit nicht nur thematisch eine italienische Krippentradition auf. Auch die detailreiche Ausstattung des theatralisch in Szene gesetzten Aufbaus erinnert an neapolitanische Krippen - dass Christine und Raimund Pöllmann in Schwandorf ein Marionettentheater betreiben, sei nur nebenbei bemerkt.
Schauen und staunen lässt es sich bei all den liebevoll gestalteten Darstellungen der Ausstellung. Die Krippen sollen Bilder des Glaubens sein, so Franz Glas, Vorsitzender des Krippenvereins Regensburg. In der Regel haben die Regensburger Krippenfreunde dabei die Gebäude und die Landschaften hergestellt, einige von ihnen die Figuren selbst geschnitzt.
Der Teufel in der Krippe
Ihrer Fantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt. Da gibt es die "Heilige Nacht im Schnee" von Thomas Glas, "Weihnachten in den Dolomiten" von Eberhard Hofmann - die Regensburger Krippenfreunde haben eine besondere Verbindung zu Südtirol. Oder aber die "Versuchung Jesu" - der Teufel selbst erscheint in dieser eindrucksvollen Figurenkomposition von Maria Anna und Rupert Fuchs.
Maria und R. Hans Rauch haben die Krippendarstellung als solche in einer bäuerlichen Stube platziert. "Advent - Zeit der Erwartung und Vorfreude", so der Titel ihrer Szenerie. Auch ein prominenter Regensburger hat eine Krippe zur Verfügung gestellt: Bischof Rudolf Voderholzer ist Schirmherr der Ausstellung im Historischen Museum. Eine Aufgabe, die der Bischof mit Freuden angenommen hat. Schließlich ist er selbst passionierter Krippenliebhaber- und sammler. Krippendarstellungen sind für Voderholzer "Evangelium in leichter Sprache".
Die Darstellung, die Voderholzer ausgewählt hat, steht normalerweise bei ihm selbst zu Hause. "Die Geburt des verheißenen Friedenskönigs" hat eine Verwandte des Pfarrers und Krippenbauers Franz Mitterhuber ins Haus des Bischofs gebracht. Bei dieser Weihnachts- mitsamt Jesaja-Krippe handelt es sich um eine Rarität: "Die Verknüpfung zwischen alttestamentlicher Messias-Verheißung und neutestamentlicher Erfüllung ist äußerst selten", heißt es in der Beschreibung der Ausstellung. Nun bereichert die Krippe die Ausstellung im Historischen Museum. Die Schau selbst ist gleichsam visueller Genuss wie biblische Lehrstunde.
Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 6. Januar, im Historischen Museum (Dachauplatz 2-4, Regensburg). Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag (10 bis 16 Uhr).





















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