19.04.2021 - 17:12 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Widerstand gegen Süd-Ost-Link wächst

Mit einem Gutachten des emeritierten Wirtschaftswissenschaftlers Professor Lorenz Jarass verschärfen die Landkreise Regensburg und Wunsiedel den Widerstand gegen den Süd-Ost-Link.

Bohrungen zur Baugrunduntersuchung wie hier in Nittenau für den Süd-Ost-Link finden derzeit vielerorts entlang der geplanten Gleichstromtrasse statt.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Mit einer hybriden Veranstaltung - im Landratsamt Regensburg und als Video-Konferenz - verstärken die Landkreise Regensburg und Wunsiedel zusammen mit betroffenen Gemeinden den Widerstand gegen die geplante Gleichstromtrasse Süd-Ost-Link.

Die gastgebende Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler) thematisierte nicht nur das "Ob eines Ausbaus in dieser Dimension", sondern auch die Umsetzung der bisherigen Vorarbeiten durch von Tennet beauftragte Firmen: "Ich finde es bemerkenswert, dass bei uns 11 Hektar Wald abgeholzt werden, bei jedem anderen Vorhaben wäre das ein Riesenthema." Auch eine große Zahl bedrohter Bodendenkmäler würden nicht berücksichtigt. "Jeder, der schon einmal im Umfeld eines Klosters ein Haus bauen wollte, weiß, welche Grabungen da vorher durchgeführt werden müssen."

Gutachten von Professor Jarass

Die zwei Landkreise und betroffene Landkreisgemeinde beteiligten sich finanziell an einem Gutachten des emeritierten Wirtschaftsprofessors Lorenz Jarass. Darin will dieser den Nachweis erbracht haben, dass der geplante massive Ausbau von grenzüberschreitenden Leitungen anders als von der Bundesregierung argumentiert, nicht zwingend wegen EU-Vorgaben erforderlich oder gar alternativlos sei: "Laut den Kosten-Nutzen-Analysen der europäischen Übertragungsnetzbetreiber ENTSOE sind die Kosten von Süd-Ost-Link in allen Szenarien größer der Nutzen." Deshalb dürfe der Süd-Ost-Link gemäß EU-Vorgaben gar nicht gebaut werden.

Für die verstärkte Nutzung regenerativer Energien sei der geplante Süd-Ost-Link ebenfalls nicht erforderlich: "Unsere Berechnungen zeigen, dass der Süd-Ost-Link ausschließlich für den Export von nord- und ostdeutschem Überschussstrom nach Österreich erforderlich ist."

Rechtsanwalt: Klage vor EuGH

Rechtsanwalt Wolfgang Baumann, bekannt geworden durch die Klagen gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf, vertritt unter anderem den Landkreis Wunsiedel bei der Klage gegen den Süd-Ost-Link. Er greift die Steilvorlage des Gutachtens auf: "Es wurden mehrere Verstöße gegen EU-Recht festgestellt, weil die EU-Verordnungen eine Kosten-Nutzen-Analyse verlangen, die nicht vorgenommen wurde."

Ziel sei, "die problematische Netzentwicklungsplanung durch Prüfungsverfahren der betroffenen Landkreise und Umweltverbände vor den EuGH in Luxemburg zu bringen".

N-Ergie: Dezentraler Ansatz

Rainer Kleedörfer, Leiter Unternehmensentwicklung des Nürnberger Energieversorgers N-Ergie zeigt die Alternativen einer dezentralen Strom- und Energieversorgung auf. "Die überwältigende Anzahl der für eine erfolgreiche Energiewende notwendigen technischen Aggregate ist bereits quer über das Land verteilt und am Stromverteilnetz angeschlossen." Gerade durch den schrittweisen Austausch bisheriger Energieträger hin zu "Strom" fänden mehr Anwendungen dezentral verteilt statt. Für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes auf allen Sektoren sowie die effizienten Nutzung Erneuerbarer Energien sei aber der Ausbau der Sektorenkopplung zwingend notwendig.

Stand der Trassenplanung

Tirschenreuth
Info:

Kritik der Landkreise und Gemeinden an Tennet

  • Wunsiedels Landrat Peter Berek: Der Landkreis sei nicht gegen Stromtrassen, sondern für eine subsidiar aufgebaute Energieversorgung nach dem Wundsiedler Weg.
  • Geschäftsstellenleiter Bernhard Baumer, Pfreimd: Nur mit großem juristischen Druck habe man eine Beeinträchtigung der empfindlichen, historischen Wasserversorgung verhindern können.
  • Bürgermeister Johann Schiller, Riekofen: Bei nicht abgestimmten Probebohrungen neben dem Bahngleis sei eine Wasserleitung beschädigt worden, ein eingesunkener Bagger habe tagelang nicht geborgen werden können, der Zugverkehr war beeinträchtigt, die Kosten bis heute nicht beglichen.
  • Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher, Wiesent: Der Trassenvorschlag durchschneidet dfas Wasserversorgunsgebiet der Gemeinde, der Trassenverlauf sei rein über Satellitenbilder festgelegt worden.
  • Bürgermeister Josef Schütz, Wörth: Die Trasse führt durch das Wasserschutzgebiet, mittelfristig werde der Gemeinde das Wasser abgegraben. Einwendungen wegen der Planung eines Gewerbegebiet seien nicht berücksichtigt worden.
  • Irmgard Sauerer, Brennberg: die Gemeinde habe vor der Trassenfestlegung viel Geld in neue Brunnen investiert. Wir müssen man nachweisen, dass man das Wasser brauche.
  • Bürgermeister Toni Schmid, Gemeinde Aufhausen: Die Trasse gehe mitten durch Aufhausen, er setze sich dafür ein, das Bestmögliche für Landwirte und Grundstückeigentümer rauszuholen.
  • Bürgermeister Josef Klaus, Niederaichbach, Niederbayern: Am Endpunkt des Süd-Ost-Links müsse der Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt werden. Dazu sei eine Konverteranlage auf 14 Hektar Fläche nötig, dazu möglicherweise eine neue Hochspannungsleitung – in einer Region, die bereits mit der Einlagerung von Bernnelementen belastet sei.

 

 

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