22.06.2018 - 14:23 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Zeit der Bilderbäcker und Knochenschnitzer

Ausstellung im Historischen Museum Regensburg gibt Einblicke ins teilweise vergessene Handwerk des Mittelalters

Aus dem 15. Jahrhundert stammen diese Lederschuhe.
von Susanne WolkeProfil

"In Regensburg wird noch viel gefunden werden." Für Archäologen wie eine Verheißung, für Bauherren wie eine Drohung klingen die Worte Gertrud Maltz-Schwarzfischers. Die Regensburger Bürgermeisterin, selbst studierte Archäologin, zählt auf jeden Fall zur ersten Gruppe. "Es freut mich, dass eine Ausstellung nun wieder Erkenntnisse der archäologischen Forschung präsentiert", betont Maltz-Schwarzfischer unlängst im Historischen Museum Regensburg.

Konkret geht es dabei um eine Schau, die nicht nur zeitlich über das hinausgeht, was man im allgemeinen Sinne unter "Archäologie" versteht. "Mittelalterliches Handwerk - Archäologische Spuren in Regensburg": Der Name der Ausstellung, die nun im Historischen Museum eröffnet wurde, deutet es schon an. Thematisiert wird nicht die oftmals behandelte Antike oder Frühgeschichte, sondern das Mittelalter.

Und dieser Forschungszweig hat denen über frühere Zeiten einiges voraus. "Es ist ein Zusammenspiel von Bildern, Texten und Funden", bringt es Gertrud Maltz-Schwarzfischer bei der Eröffnung auf den Punkt. "Vorhandene Schrift- und Bildquellen ermöglichen eine vergleichsweise sichere Interpretation." Hier spricht die Fachfrau, die aus dem Bereich der Politik kommend einen Ausflug in ihre erste Interessenswahl machen durfte.

Nichtsdestotrotz wartet die aktuelle Ausstellung im Historischen Museum mit einer ganzen Reihe heute weitestgehend unbekannter Aspekte auf. Denn: Der Fokus der Präsentation liegt auf der Darstellung von Berufen, die mittlerweile vergessen sind.

Eine Mischung aus Fundstücken, zeitgenössischen Bildern und einer wissenschaftlichen Aufarbeitung gewährt einen Einblick in die Zeit etwa zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert. Damals waren in Regensburg nicht nur Lederer, Spinner, Branntweinbrenner und Goldschmiede ansässig. Die Bedürfnisse der damaligen Zeit verlangen ebenso nach Bilderbäckern, Knochenschnitzern, Kammmachern und Paternosterern.

Erklärungen hierzu liefert eine eigens für die Ausstellung herausgegebene Broschüre: Bilderbäcker schufen Kleinplastiken, etwa Spielzeug. Knochenschnitzer fertigten verschiedenste Alltagsgegenstände wie Spielsteine, Würfel oder Flöten an. Und Paternosterer kümmerten sich um die Herstellung von Rosenkränzen und Paternoster-Schnüren.

Zu verdanken ist die Ausstellung über mittelalterliches Handwerk einer ambitionierten Forscherin. Alexandra Berg beschäftigte sich in ihrer Dissertation mit dem Thema. Fürs Historische Museum stellte sie aus ihren Forschungsergebnissen eine vielteilige Ausstellung zusammen, zu der ein Lederschuh, Seidenspulen und gedrechselte Schalen ebenso gehören wie ein verkohlter Backgang.

Diese schwarzen Fragmente mittelalterlicher Brezen waren einer der populärsten archäologischen Funde der vergangenen Jahre. Fürs Auge des Laien sind die nicht mehr ganz appetitlichen schwarzen Brocken durch den hinterlegten Umriss einer herkömmlichen Breze kenntlich gemacht. Für Fachleute dürfte das Gebäck ein Augenschmaus sein. Und gleichsam eine Verheißung: Dank des akribischen Blicks der Archäologie dürfte in Regensburg noch viel gefunden werden.

Info:

Service

Die Ausstellung „Mittelalterliches Handwerk – Archäologische Spurensuche in Regensburg“ läuft bis zum 29. Juli im Historischen Museum der Stadt Regensburg, Dachauplatz 2-4. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Weitere Infos unter Telefon 0941/507-2448 oder unter www.regensburg.de/museen.

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