14.04.2019 - 12:43 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Zeitreise auf dem Karussell

Zwei Stunden lang nur Hits: Standing Ovations für die Hollies im Regensburger Audimax

Die tragenden musikalischen Eckpfeiler der britischen Band The Hollies: Schlagzeuger Bobby Elliott, Sänger Peter Howarth (Mitte) und Gitarrist Tony Hicks. Elliott und Hicks waren im Jahr 1963 Gründungsmitglieder der unterdessen längst legendären Gruppe, die ihren Namen von dem Rock -’n’-Roll-Sänger Buddy Holly ableitete.
von Autor HOUProfil

Die Dinosaurier begannen ihren Weg durch den "Jurassic Park des Rock 'n' Roll 1963". Kaum waren die Beatles mit "Please Please Me" in den Charts, konterten die Hollies mit "Bus Stop". Die Fab Four sind längst Geschichte, die Hollies gibt es heute noch. Seit 56 Jahren.

Soft-Pop zum Schwofen

Es ist wie dieser Ritt "On A Carousel". Ein Déjà-Vu mit der Vergangenheit für ein Publikum, das die Last des Alters längst auf dem Buckel trägt. Männer und Frauen, die mit "Carrie Ann" und "Jennifer Eccless" aufgewachsen sind. Kein knallharter Rock. Eher Soft-Pop zum Schwofen. Da sind sie also nach all den Jahren. Ein Knaller nach wie vor: The Hollies. Stehende Ovationen im Regensburger Audimax.

Die Band aus dem Land des Brexit hat ihr Personal so oft gewechselt wie kaum eine andere. Immer wieder andere Mitglieder. Damals Graham Nash und Allan Clarke, später Terry Silvester und Mikael Rikfors. Auf ihren Posten sind bis heute nur Gitarrist Tony Hicks (73) und Schlagzeuger Bobby Elliott (77) geblieben. Der vierköpfige Rest dieser Truppe besteht aus Ersatzleuten. Aber wirklich guten.

Erstmals in Regensburg, Premiere in der Oberpfalz. Zwei Stunden lang nur Hits. Ohrwürmer zum Mitsingen und Songs, die den Wellenbrandungen der Zeit wie ein Fels trotzten. Die Hollies waren, ähnlich den Beach Boys, für ihren mehrstimmigen Gesang bekannt. Das klappt heutzutage nicht mehr ganz ohne Stolperstein. Doch dank des seit 2004 zur Band gehörenden Sängers Peter Howarth kommt "Stop, Stop, Stop" noch immer lupenrein über die Rampe.

Grandioser Tony Hicks

Wie bei den Beatles unterlagen die 1960er Jahre auch für die Hollies einem mehrfachen Richtungswechsel. Erst "Bus Stop", später "King Midas in Reverse" und ganz zum Schluss der Hitparadenzeit "Long Cool Woman". All das gibt es vor dem Regensburger Publikum. Manches wie im Original. Dank des grandiosen Tony Hicks, der diese Truppe anführt.Er lässt Leute wie Bernie Calvert und Graham Nash nicht vermissen. Nash hatte sich ja schon 1968 losgesagt und war mit David Crosby, Stephen Stills und Neil Young zum Superstar der Rockgeschichte aufgestiegen.

Schöner Abend in der Betonburg namens Audimax. Mit Rittern des Soft-Rock, die ihre Hit-Singles in die Jukebox legen. Zum Schluss "The Air That I Breathe" und "He Ain't Heavy". Dann treten sie vor wie einst die Mitglieder der Tafelrunde und holen sich in der Manier von Sir Lancelot ihren Applaus ab. Der soll ja auch schon im fortgeschrittenen Alter gewesen sein, als er zum letzten Mal das Visier hob und die Ladies grüßte.

Sechs Männer, Standing Ovations. Ein Gang durch die eigene Vita. Ohne Eintagsfliegen und irritierendes Geschunkel. Mit "Sorry Suzanne", "I'm Alive" und der Songzeile "As we traveled through the night". Eine Reise durch die Nacht - entspannt, mit guten Gedanken und in der Erinnerung an eine Ära, die den musikalischen Peinlichkeiten unserer Tage wie eine Steinfront die Stirn bietet. Denn das, was bei den Hollies geschieht, kommt noch immer von Hand und nicht aus der Retorte.

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