19.01.2020 - 14:45 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Reinhold Messner baut weltweite Kette von Zonenmuseen auf

Reinold Messner geht neue Wege: Der Südtiroler Extrembergsteiger plant weitere Bergmuseen. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erzählt der 75-Jährige über seine Zukunftspläne.

Reinhold Messner plant weltweite Bergmuseen-Kette.
von Helmut KunzProfil

Extrembergsteiger Reinhold Messner ist dabei, eine weltweite Kette von Zonenmuseen aufzubauen. Über Himalaja, Kaukasus oder Hohe Tatra. In Südtirol existiert bereits ein entsprechendes Museum. Hier stellt der 75-jährige das Spannungsverhältnis zwischen Mensch und Berg dar. "Ein großer Erfolg, das einzige Museum, wo das wirklich funktioniert." Die von ihm neu konzipierten Häuser seien richtige Gebirgsmuseen, in denen er die Geologie, Geographie, die Menschen, die dort leben, aber auch die Erschließung dieser jeweiligen Gebirge beleuchten wolle.

„Das ist eine andere Zugehensweise, als in Südtirol. Ich nenne das ‚Mountain Heritage‘, also das Erbe dieser Gebirge.“ Messner: „Das mache ich nicht auf eigene Rechnung, wie in Südtirol, sondern arbeite mit den entsprechenden Ländern und den Fachleuten vor Ort zusammen, die dann auch verantwortlich sind.“ Über seine weiteren Zukunftspläne: „Und dann werde ich noch eine Vortragsreise rund um die Welt machen, um diesen traditionellen Alpinismus nicht verloren gehen zu sehen.“

Messner hat einen Film über den „Mythos Cerro Torre“ gedreht, der heuer im BR-Fernsehen ausgestrahlt wird und bei dem für Buch und Regie verantwortlich zeichnete. In dem Film befasst sich der Südtiroler mit der angeblichen Erstbesteigung eines der größten Streitfälle der Alpingeschichte. Der Cerro Torre in Patagonien ist ein einmaliger Berg, wild, haltlos steil, eher ein Kunstwerk, denn einfach nur ein Gipfel. Noch 1952 galt er als unbesteigbar.

Messner erzählt die Geschichte von Toni Egger und Cesare Maestri, die beide 1959 eine Erstbesteigung versuchten. Während Kameramann Egger abstürzte, behauptete Maestri am Gipfel gewesen zu sein. 1968 wurden erste Zweifel laut. Blind vor Zorn besorgte sich Maestri einen benzingetriebenen Bohrkompressor und bohrte sich Haken für Haken die 1600 Meter hohe Wand hinauf.

Messner glaubt nicht, dass Maestri 1959 oben war. „Mir war das 1970 klar, nach seiner dritten Expedition und angeblich zweiten Besteigung, als er mit diesem Kompressor über eine andere Route hochging.“ Er habe sich damals Maestris Vortrag angehört. „Da war klar, das erste Mal war es ein Fake." Über Jahrzehnte hinweg hätten später junge Klettergenerationen versucht, den Gipfel zu besteigen. „Inzwischen ist es gemacht. Aber mit ganz anderen Schuhen.“ Erst 2005 sei schließlich die Route, die Maestri vorgab, gestiegen zu sein, gemeistert worden.

„Und die Routenbeschreibung stimmt in keiner Weise mit dem überein, was er erzählt hat. Weil er nicht dort war. Das können wir ihm in hunderten Punkten nachweisen.“ Er selber sei nie oben gewesen, erzählt Messner. „Das war nach meiner Kletterzeit. Da hab ich schon angefangen, Höhenbergsteiger zu sein." Messner hatte sich 1970 die Zehen abgefroren und war somit kein guter Kletter mehr. "Mit meinen Zehen wär das nicht mehr gegangen. Und 2005 war ich ja schon ein bisschen zu alt, um auf den Cerro Torre zu steigen."

Es ist bereits Messners zweite Geschichte, die er über diesen Mythos verfasste. „Die erste habe ich für Werner Herzog geschrieben, der allerdings eine ganz andere, eigentlich eine fiktive daraus gemacht hat.“ Messner wollte die wirklichen Geschehnisse am Berg aufgearbeitet , wollte das Narrativ korrigieren und der Öffentlichkeit die Möglichkeit geben, alles neu zu sehen. „Ich sehe das als eine Verpflichtung.“ Denn: „Das Narrativ im Alpinismus ist so wichtig, wie die Aktion auch.“

Im Moment werde das Klettern mehr und mehr zum Sport in der Halle. „Ein großartiger Sport. Es wird olympisch.“ Olympioniken kletterten 15 Meter hohe Wände aus Plastik hoch. „Und ich möchte nicht, dass eine Milliarde Menschen auf der Welt sagen, das sei Alpinismus.“ Dies sei auch der Grund, warum er seine Museen jetzt aufbaue. „Ich erzähle, was Alpinismus ist.“

Das Hallenklettern empfinde er als Randerscheinung. „Das ist Sport.“ Was allerdings am Mount Everest veranstaltet werde – Sherpas präparierten die Piste bis zum Gipfel hoch – sei nichts als Tourismus für Reiche. "Alpinismus geht in Eigenverantwortung dort los, wo ich in der Wildnis bin und keine anderen Leute für mich die Vorbereitungen treffen. Alpinisten gehen dorthin, wo andere nicht sind."

Reinhold Messner plant weltweite Bergmuseen-Kette.
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