"Erst Pfand, dann Pferien"

Genug Bier, aber zu wenig leere Flaschen: Brauereien produzieren derzeit tatsächlich je nach Leergut-Angebot. Solche Engpässe gebe es immer wieder - derzeit ist es aber besonders schlimm.

Heiße Ware: Leere Bierkästen sind derzeit sehr begehrt.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Trotz "durstigen Wetters": Brauer und Getränkeabfüller der Oberpfalz blicken immer wieder mit Sorge auf ihre Höfe. Wo sonst das Leergut steht,ist derzeit viel zu viel Platz. "Wir füllen nach Leergut ab", sagt Maximilian Winkler, Juniorchef der gleichnamigen Amberger Brauerei. Mit anderen Worten: Die Produktionsmenge richtet sich nach den vorhandenen Flaschen. Vor allem "Urhell" und "Naturradler" gebe es derzeit praktisch immer zu wenig.

Erhard Scheuerer geht noch weiter: "Im Grunde ist jede Sorte betroffen", sagt der Eigentümer der Moosbacher Brauerei. Er würde gerne reagieren und Bierkästen nachkaufen - es gibt nur keine mehr. "Vor zwei Wochen habe ich die letzte Lastwagenladung aufgekauft. Deutschlandweit.", sagt Scheuerer. Die Winkler-Brauerei hat schon vor Saisonbeginn mehrere tausend Kisten nachgeordert, weil es auch 2017 teilweise eng war. "Wir dachten, das Problem wäre so gelöst", sagt Winkler. Doch schon seit Mai ist es zurück, seit dem Amberger Altstadtfest. Für Winkler liegt der Grund auf der Hand: "Seit April ist es überdurchschnittlich warm."

Tatsächlich sorgen vor allem die Feste im Sommer dafür, dass der Bierumsatz steigt. Winkler schätzt, dass in einem August "nicht ganz das Doppelte" eines normalen Februars produziert wird. Für die Engpässe sind aber andere verantwortlich. "Was wir zu Festen und Gasthäusern liefern, bekommen wir schnell zurück", sagt Winkler. Etwa 30 Mal pro Jahr könne so ein Kasten befüllt werden. Im Einzelhandel sehe es anders aus: "Die bleiben oft für ein Jahr im Kellern stehen. Das können wir am Haltbarkeitsdatum erkennen", sagt Winkler. Auch Erhard Scheuerer kennt das. Er erklärt, dass man in der Brauwirtschaft in der Regel mit dem Faktor 2,5 rechnet. Für einen produzierten Kasten müssen zweieinhalb Kisten im Umlauf sein, damit der Kreislauf funktioniert. "Momentan geht diese Rechnung absolut nicht auf, der Faktor ist viel größer."

Maximilian Winkler ist es wichtig, dass er seine Anmerkungen nicht als Kritik am Kunden verstanden wissen will. Das Pfandsystem sei ja so gedacht, dass man sein Leergut zurückbringt, wenn es passt. Und die große Nachfrage sei für die Brauereien prinzipiell positiv, der Engpass eher ein Luxusproblem.

Etwas kritischer ist Erhard Scheuerer: "Der Umgang mit dem Leergut ist teilweise zu sorglos." Ein Kasten mit Bügelverschlussflaschen koste seiner Brauerei im Einkauf 9 Euro. Das Pfand liege nur bei 4,50 Euro. Viel zu häufig verschwinden Kästen oder kommen beschädigt wieder. Für seine Brauerei sei dies ein Kostenfaktor: "Das geht richtig ins Geld."

Auch die Engpässe kosten Geld und engen die Getränkeauswahl durstiger Verbraucher ein. Deshalb würden sich Winkler und Scheuerer freuen, wenn ihre Kunden prüfen, ob im Keller nicht doch ein leerer Kasten steht, der zurück in den Getränkemarkt gebracht werden könnte. Dafür wirbt inzwischen auch der Brauerbund. Die Winkler-Bräu hat es zuletzt mit Aufrufen übers Radio versucht. Vor allem vor der Urlaubsreise wäre es sinnvoll, leere Kästen abzugeben. Die Radeberger-Brauerei in Dresden hat sich dafür sogar eine eigene PR-Kampagne überlegt: "Erst Pfand, dann Pferien"




Hintergrund:

Heimservice hilft

Entspannter als die Kollegen gibt sich Rigobert Bergler in Sachen Leergut. Der Geschäftsführer der Schlossbrauerei Reuth muss keine Engpässe vermelden - weder beim Bier noch beim Artesia-Mineralwasser. Das liege an 30 000 zugekauften Kästen, damit habe die Brauerei den Bestand um fast ein Viertel aufgestockt. Außerdem spiele bei der Schlossbrauerei das Haustürgeschäft noch eine große Rolle. Dabei sei die Leergutrückgabe unproblematisch. "Im Einzelhandel sieht das auch bei uns anders aus", sagt Bergler. Das Problem sei der Pfandbetrag. "Der ist seit 30 Jahren unverändert." Für einen Kasten der Brauerei werden 3,10 Euro fällig. "Das ist zu wenig, um die Leute zu motivieren, das Leergut schnell zurückzugeben."

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