23.10.2020 - 15:03 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Rockintendant Schweinar: „Söder hat moralischen Pflock eingehauen“

Der Kultur in Bayern geht es schlecht, die Künstler leiden. Clubs und Theater mussten schließen, Konzerte und Auftritte wurden abgesagt. Jetzt wurde nachverhandelt: Die angekündigte Corona-Kulturhilfen des Freistaats stimmen zuversichtlich.

Zum finalen Gespräch beim Ministerpräsidenten Markus Söbder sowie drei weiteren Landesministern wurde der bayerische Rockintendant Bernd Schweinar (links) von renommierten bayerischen Kabarettisten wie (von rechts) Jürgen Kirner, Luise Kinseher, Wolfgang Krebs und Helmut Schleich begleitet.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Bernd Schweinar ist zufrieden: Der Geschäftsführer des Verbands für Popkultur in Bayern e.V (VPBy) und gleichzeitig bayerischer Rockintendant mit Sitz in Alteglofsheim (Kreis Regensburg) hat sich die jüngste Regierungsklärung von Ministerpräsident Markus Söder und vor allem dessen Aussagen zu künftigen Kulturhilfen am vergangenen Mittwoch genau angehört. „Da steckt viel Positives drin“, betont der bayerische Rockintendant Schweinar im Gespräch mit der Kulturredaktion.

Nach Aussage Söders fördere Bayern weiterhin Livekulturbühnen und nun auch kleine bis mittlere örtliche Veranstaltungsagenturen „bis Pandemie-Ende“. Zudem führe Bayern einen fiktiven Unternehmerlohn für Künstler und produktionsbeteiligte Solo-Selbständige wie Techniker etc. ein. „Wir als Verband haben dafür über Wochen und Monate intensiv hinter den Kulissen gekämpft“, so Schweinar. Viele fernseh-bekannte Kulturschaffende wie beispielsweise Luise Kinseher, Wolfgang Krebs, Helmut Schleich, Urban Priol, Jürgern Kirner, Werner Schmidbauer und Frank-Markus Barwasser hätten das Anliegen mit unterstützt. „Dass der Ministerpräsident von einem Zeitraum bis Pandemie-Ende spricht, hat mich positiv überrascht“, räumt Schweinar ein. Das sei nun freilich kein konkreter Rechtsbegriff, aber ein enorm wuchtiger „moralischer Pflock“, den Söder da eingehauen habe.

Besuch in der Staatskanzlei

Schweinar erinnert daran, dass bereits zum 1. Juli (ursprünglich begrenzt bis 31. Dezember) für die bayerischen Clubs und Livebühnen mit mehr als 24 Shows pro Jahr und weniger als 1.000 Besuchern ein wegweisendes Förderszenario gemeinsam mit Verbänden der Kulturveranstalter erkämpft werden konnte. „Das Land Bayern finanziert den Kulturspielstätten alle Betriebskosten und 100 Prozent der Personalkosten für einen Notbetrieb sowie einen fiktiven Unternehmerlohn für den Clubbetreiber“, so Schweinar.

Problematischer sei das Thema für kleine bis mittlere örtliche Veranstaltungsagenturen gewesen, die vor allem den ländlichen Raum bespielen. „Da ging monatelang nichts vorwärts, obwohl die Konzepte auf dem Tisch lagen“, so Schweinar. Die Gefahr, dass diese besonders für den ländlichen Kulturraum wichtige Infrastruktur stirbt, sei immer größer und massiver geworden. Diese dezentralen Agenturen seien es auch, die beispielsweise in Kleinstädten Stadthallen sowie in Dörfern alte Wirtshaussäle bespielen und bayerische Künstler von Rang und Namen auf die Bühne stellen. „Die Zeit hat gedrängt und ich habe mich Mitte September nochmals direkt an den Ministerpräsidenten gewendet“, berichtet Schweinar. Am vergangenen Dienstag sei er dann gemeinsam mit Künstlern, die diese Anliegen unterstützten, in die Bayerische Staatskanzlei eingeladen worden. „Dass das Spielstätten-Förderprogramm nun erweitert wird, ist ein gutes Signal“, freut sich Schweinar. Er hofft, dass die Ankündigungen Söders schnellstmöglich in Ausführungsbestimmungen gegossen werden, damit die Kulturschaffenden davon auch profitieren.

Eine große Hoffnung für die Kulturbranche insgesamt hat Schweinar: „Kulturveranstaltungen gehörten in den vergangenen Monaten aufgrund umfangreicher Hygiene- und Abstandskonzepte zu den sichersten Orten, an denen sich Menschen versammelten“ Das müsse man auch berücksichtigen, wenn bei sinkenden Corona-Zahlen Veranstaltungs- und Besucherzahlen wieder nach oben gefahren werden. „Da darf die Kultur nicht mehr an letzter Stelle stehen!“, fordert Schweinar.

Kulturförderung im Landkreis Schwandorf

Schwandorf

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