München
09.12.2022 - 15:24 Uhr

Rohstoffnachschub für die bayerische Wirtschaft: Laut Studie nimmt Unsicherheit bei Firmen zu

Die Krisen auf der Welt und die Abschottung Chinas gefährden den Rohstoffnachschub für die bayerische Wirtschaft. Um unabhängiger von Importen zu werden, soll nach Ersatzmaterialien geforscht und das Recycling verstärkt werden.

Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e.V. (vbm), Bertram Brossardt. Archivbild: Matthias Balk/dpa
Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e.V. (vbm), Bertram Brossardt.

Für die bayerische Wirtschaft nimmt die Unsicherheit bei der Versorgung mit wichtigen Rohstoffen wie Metallen, Mineralien und Seltenen Erden zu. Das belegt eine Studie der IW Consult GmbH im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW). Demnach gehören aktuell 25 von 47 bedeutenden Rohstoffen in die "Hochrisikogruppe", darunter vor allem Grundmaterialien für die Elektromobilität und die Umsetzung der Energiewende. Gründe sind neben der wachsenden weltweiten Konkurrenz um Rohstoffe auch Abhängigkeiten von wenigen, oft politisch kritischen Ländern wie China, Russland oder Staaten Afrikas.

Gerade geopolitische Risiken hätten sich in den vergangenen Jahren zum Hauptproblem entwickelt, erklärte VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. "Abhängigkeiten sind gefährlich, weil sie als Druckmittel in Konflikten eingesetzt werden könnten", sagte Brossardt. Russland zum Beispiel gehöre bei 18 der 45 ausgewerteten Rohstoffen zu den fünf größten Produzenten der Welt. Deutschland beziehe von dort vor allem Nickel, das für Stahllegierungen oder für Batterien in der Elektromobilität wichtig sei, und Palladium, das in der chemischen Industrie, der Elektrotechnik und für Katalysatoren benötigt werde. Anders als bei Gas und Öl laufe der Rohstoffhandel mit Russland allerdings derzeit noch.

Um die Situation zu entschärfen, forderte Brossardt die Politik auf, die Unternehmen bei internationalen Rohstoffpartnerschaften zu unterstützen und mehr in die Substitutions- und Recyclingforschung zu investieren. Die Rückgewinnung von Rohstoffen aus alten Produkten sei "mehr als der Tropfen auf den heißen Stein", erklärte Studienleiter Karl Lichtblau. Dazu sei es auch wichtig, dass Produkte recyclingfähig gemacht würden. Zurückhaltend äußerte sich Lichtblau über die Forderung Brossardts, verstärkt heimische Rohstoffvorkommen zu erschließen. Der Abbau hierzulande lohne sich nur, wenn die Rohstoffpreise dauerhaft hoch blieben. Zudem könne sich die Förderung im dicht besiedelten Europa aus Umweltgründen als problematisch erweisen.

 
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