Deutschland und die Welt
17.03.2020 - 10:31 Uhr

Rückholaktion für im Ausland festsitzende Deutsche

Tausende deutsche Touristen sitzen wegen der Corona-Krise im Ausland fest. Außenminister Maas verspricht nun schnelle Hilfe.

Ein Passagierflugzeug befindet sich kurz nach dem Start vom Frankfurter Flughafen im Steigflug. Symbolbild: Silas Stein/dpa
Ein Passagierflugzeug befindet sich kurz nach dem Start vom Frankfurter Flughafen im Steigflug.

Die Bundesregierung hat eine beispiellose Rückholaktion für Tausende Deutsche gestartet, die wegen der Coronakrise im Ausland gestrandet sind. Außenminister Heiko Maas sprach am Dienstag von einer "Luftbrücke" vor allem für Urlauber in Marokko, der Dominikanischen Republik, den Philippinen, Ägypten und auf den Malediven. Für die in den nächsten Tagen geplanten Rückholflüge will die Regierung bis zu 50 Millionen Euro ausgeben.

Weltweite Reisewarnung

Gleichzeitig sprach Maas eine formelle, weltweite Reisewarnung für touristische Reisen aus. Auch das hat es so noch nicht gegeben. Reisewarnungen werden normalerweise nur bei Gefahr für Leib und Leben ausgesprochen, vor allem für Bürgerkriegsländer wie Syrien, Afghanistan oder den Jemen. Sie können kostenlose Stornierungen ermöglichen.

Bisher hatte die Regierung nur von nicht notwendigen Reisen ins Ausland abgeraten und nur vor Reisen in die chinesische Ursprungsregion des Coronavirus gewarnt. "Wir müssen verhindern, dass weitere Deutsche im Ausland stranden", begründete Maas den ungewöhnlichen Schritt. "Bitte bleiben sie zu Hause!"

Grenzen dicht, Flugverbindungen gekappt

In den vergangenen Tagen hatten zahlreiche Länder wegen der rasanten Ausbreitung des Virus Grenzen dicht gemacht und Flugverbindungen gekappt. Da Deutschland inzwischen zu den Hauptrisikoländern gehört, sind deutsche Reisende besonders stark von den Einschränkungen betroffen.

Allein in Marokko sind es nach Angaben von Maas 4000 bis 5000 Personen. Die Regierung in Rabat hatte am Sonntag bis zum 31. März fast alle internationale Verkehrsverbindungen - Flüge und Fähren - eingestellt. Nach Angaben des Auswärtigen Amts fliegt nur noch Air France von einigen Flughäfen ins Ausland.

Passagierverkehr massiv reduziert

Die Dominikanische Republik in der Karibik hat seit Montag für einen Monat alle Flüge von und nach Europa ausgesetzt. Am Donnerstag wird Ägypten folgen. Zunächst bis zum 31. März werden alle internationalen Flugverbindungen ins Ausland gestrichen. Längst nicht allen Touristen dürfte es gelingen, ihre Flüge rechtzeitig umzubuchen.

"Der weltweite Passagierverkehr hat sich in den letzten Tagen massiv reduziert, und wir gehen davon aus, dass das nicht das Ende der Entwicklung ist", sagte Maas. Geplant ist nun, dass Flugzeuge gechartert werden, um vor allem Pauschaltouristen zurück nach Hause zu bringen. "Für diese Luftbrücke werden die Anbieter zusammen mit uns Flüge bereitstellen."

Die Gestrandeten würden "im Laufe der nächsten Tage" zurückgeholt, sagte Maas. Er bat aber auch um etwas Geduld: "Wir bitten um Verständnis, auch wenn wir alles Menschenmögliche tun, dass wir nicht in jedem Fall eine 24-Stunden-Lösung vorhalten können."

Genügend Kapazitäten für Charterflüge

Für die Rückführung der Deutschen aus dem besonders stark betroffenen Marokko hat der Reiseveranstalter TUI nach Angaben des Auswärtigen Amts schon erste Flüge organisiert. Wegen der massiven Einschränkungen der Linienflüge weltweit gebe es ausreichend Kapazitäten für die Charterflüge, sagte Maas. Sie sollen vor allem von der Lufthansa durchgeführt werden.

Betroffene können sich auf der Internetseite des Auswärtigen Amts (http://dpaq.de/A2xmq) über die weiteren Planungen informieren und sich in eine Krisenvorsorgeliste eintragen. So will das Ministerium einen Überblick darüber bekommen, wie viele Leute zurückgeholt werden müssen. Maas sprach von einem "einmaligen Programm" und machte damit deutlich, dass es zu einem späteren Zeitpunkt doch deutlich schwieriger sein wird, nach Deutschland zurückzukehren.

Video
Oberpfalz16.03.2020
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.