Rücksicht im Verkehr erspart künftig noch saftigere Bußgelder

Rücksichtslosigkeit wird teurer: Jürgen Herda kommentiert den neuen Bußgeldkatalog, der den jeweils schwächeren Verkehrsteilnehmer besser schützen soll.

Kostet künftig einen Hunni, der blockierte Radweg:
von Jürgen Herda Kontakt Profil
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Die eigene Freiheit endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt: Das ist der Kern unserer Grundrechte. Im Straßenverkehr sind wir allzu oft parteiisch. Der Fußgänger fühlt sich vom Radfahrer bedrängt, der Radfahrer vom Autofahrer und der wiederum vom Lkw behindert. Der neue Bußgeldkatalog zwingt zum Umdenken.

Es ist richtig, im Zweifel die Schwächeren zu schützen. Zwar kann auch ein Radfahrer einen Fußgänger ernsthaft verletzten - die Wahrscheinlichkeit tödlicher Unfälle steigt jedoch mit zunehmender Wucht des Fahrzeugs: Eine Tonne Metall gegen Mensch, das kann nicht gut gehen. Motivation zu mehr Rücksicht ist da nur plausibel - etwa mit 100 Euro fürs Blockieren des Radwegs.

Umgekehrt tun sich Fußgänger und Radfahrer keinen Gefallen, stur aufs eigene Recht zu pochen: Umsichtiges Verhalten und Anpassung an die jeweiligen Gefahrenpotenziale versucht man schon Kleinkindern zu vermitteln. Da könnte es auch erwachsenen Radfahrern einleuchten, dass es wenig klug ist, ungebremst auf der falschen Straßenseite über Kreuzungen zu preschen oder die Autokolonne rechts zu überholen.

Für viele ist die Corona-Pause eine gute Gelegenheit, neue Perspektiven einzuüben: Plötzlich stellen eingefleischte Radhasser fest, wie unangenehm es beim Ausflug ist, wenn ein Auto "Körperkontakt" aufnimmt - künftig gilt auch hier der Pandemie-Abstand. Und auf den vielen Rad- und Wanderwegen, auf denen sich Spaziergänger, Jogger, Radler und Inlineskater gemeinsam tummeln, geht's entspannter zu, wenn Familien nicht die ganze Wegbreite blockieren, und umgekehrt die Lustwandler nicht ständig den drohenden Atem der Schnelleren im Nacken spüren.

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