10.08.2018 - 17:22 Uhr
Deutschland & Welt

Der Schlüssel für eine andere Flüchtlingspolitik liegt in Afrika

Auch Zäune halten die Menschen nicht ab. Immer wieder versuchen Flüchtlinge, über die spanische Enklave Ceuta nach Europa zu gelangen.
von Albert Franz Kontakt Profil
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Der Hofnarr ist nicht ausgestorben. Es gibt ihn auch heute noch. Und wie im Mittelalter hat er zwar nichts zu melden, aber er darf den Mächtigen ungestraft die Wahrheit ins Gesicht sagen. Auch das Bundeskabinett leistet sich einen solchen Hofnarren. Er ist von der CSU, ist Entwicklungshilfeminister und heißt Gerd Müller. Müller fordert seit Jahren einen Marshallplan für Afrika. "Wenn wir weitermachen wie bisher, haben die Menschen in vielen Teilen Afrikas gar keine andere Chance, als sich zu uns auf den Weg zu machen", predigt Müller.

Weit vor Müller war es Ex-Bundespräsident Horst Köhler, der auf ein neues Verhältnis zu Afrika pochte. Schon in seiner Antrittsrede im Jahr 2004 warb Köhler für weniger koloniale Denkmuster, für mehr Partnerschaft. "Für mich entscheidet sich die Menschlichkeit unserer Welt am Schicksal Afrikas", so Köhler. Seitdem ist viel passiert, aber wenig hat sich zum Guten gewendet. Die größte Hoffnung, der arabische Frühling, ist in den meisten Ländern geplatzt wie eine Seifenblase. Stattdessen regieren in vielen Ländern weiter Diktatoren, Korruption und Armut. Ehrgeizige Projekte wie "Desertec", der Versuch, Europas Energieversorgung durch Solarstrom aus Afrika sicherzustellen, wurden drittklassig begraben.

Müller weist gern darauf hin, dass Afrika nach wie vor ein rasantes Bevölkerungswachstum hat, dass auch die wirtschaftliche Dynamik locken und lohnen könnte. Dass China, Russland und die Türkei weit besser als Deutschland oder Europa das Potenzial sehen, das der afrikanische Kontinent bietet. Fairer Handel aber sieht anders aus als nur Afrikas Rohstoffe auszubeuten, die Märkte dort mit subventionierten Waren und mit Waffen zu fluten, aber afrikanischen Produkten den Zugang zum europäischen Markt zu verwehren.

Doch die Festung Europa ist hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt - wie man am besten abschreckt und abschiebt. Innenpolitische Scharmützel verdecken das ganze Ausmaß der Tragödie. Da ist sie wieder, die Stunde des Hofnarren: "Es sterben dreimal mehr Flüchtlinge auf dem Marsch durch die Wüste als im Mittelmeer", sagt Müller. Wenigstens einer, der die Augen vor dem Massensterben nicht verschließt. Und der Hofnarr wüsste sogar den Ansatz zur Lösung: "Es geht uns langfristig nur gut, wenn es den anderen auch gut geht."

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